Kommentar Putin hat sich in eine Glaubwürdigkeitsfalle manövriert

Russlands Präsident Wladimir Putin lässt offen, ob er das Ergebnis der ukrainischen Präsidentenwahl wirklich anerkennen wird. Nun ist völlig unklar, wie ernst er noch zu nehmen ist.
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Mathias Brüggmann, Korrespondent Internationales beim Handelsblatt.

Mathias Brüggmann, Korrespondent Internationales beim Handelsblatt.

St. PetersburgAn Russland muss man einfach Glauben, lautet ein altes Sprichwort des Dichters Tjutschew. An Putin offenbar auch. Doch kann man ihm glauben? Auch auf dreimalige Nachfrage des Moderators auf dem Petersburger Wirtschaftsforum wich der Kremlherr der Beantwortung der Schicksalsfrage aus, ob er denn das Ergebnis der ukrainischen Präsidentenwahl am kommenden Sonntag anerkennen werde. Im Prinzip ja, aber....

So könnte man seine Antwort zusammenfassen. Das einzig positive daran ist, dass er zumindest nicht rundheraus eine mögliche Anerkennung einer neugewählten Führung in Kiew durch Moskau eine glatte Absage erteilt hat. Der Kremlchef hält sich so alle Optionen offen.

Und damit wird das ganze wieder zu einer Glaubensfrage: Will Putin eigentlich eine friedliche, durch Verhandlungen erzielte Lösung für den Ukraine-Konflikt, für den er allein den Westen wegen dessen angeblich nicht vorhandener Bereitschaft zu ehrlichem Dialog mit Russland über Handels- und Militärfragen verantwortlich macht? Das kann man Glauben, wenn man seine Worte in der großen Messehalle seiner Heimatstadt St. Petersburg gehört hat und das fast schon erleichterte Klatschen der meisten Zuhörer.

Doch es gibt auch gute Gründe zum Zweifel. Wenn Putin wirklich eine Deeskalation in der Ukraine wollen würde, hätte er längst eine öffentliche Erklärung zur Einheit der Ukraine abgegeben, den bisher von Moskau mit Waffen, Geheimdienstlern und moralischer Unterstützung versehenen Separatisten laut vernehmbar klar gemacht, dass Russland die Ostukraine nicht - wie die Krim - als Teil der Russischen Föderation anerkennen wird.

Es sind also bisher nur einfach Worte eines Mannes, der in der Vergangenheit - höflich formuliert - nicht immer das getan hat, was er verbal zugesagt hatte. Und wer noch die klaren, aggressiven Töne Putins an die Adresse Barack Obamas dazu nimmt, die Putin auf der Konferenz unter zustimmendem Applaus der im Saal sitzenden Landsleute äußerte, bekommt noch größere Zweifel, ob Putin in der Ukraine-Krise wirklich einlenkt und tatsächlich Verhandlungen aufnimmt.

Es war bisher Russland, das zwar in der Genfer Erklärung eine Entwaffnung aller paramilitärischen Kräfte in der Ukraine gefordert, aber nichts dafür getan hat, dass die Separatisten im Donbass tatsächlich die Waffen strecken. Und wenn Putin behauptet, es würden von den Machthabern in Kiew russische Journalisten entführt, verschweigt er zugleich, dass die von Moskau inspirierten Separatisten im Osten des Nachbarlandes Leiter von Wahllokalen gekidnappt haben, um den Urnengang am Sonntag zumindest in Teilen zu torpedieren. Dazu schweigt Putin. Und deshalb sollte man auf seine Versprechungen nicht allzu viel geben.

Dabei handelt es sich bei dem Konflikt, ob Putin das Wahlergebnis in der Ukraine anerkennt oder nicht, um eine Schicksalsfrage. Denn es geht am Ende darum, ob der Westen harte Wirtschaftssanktionen gegen Russland verhängt oder nicht. Und das beeinträchtigt das Schicksal von Russland - aber auch von uns. Denn Sanktionen gegen einen Mann, der seinem Land einen Okkupationskurs gegen einen Nachbarstaat aufzwingt, sind richtig. Aber sie treffen eben auch uns, die deutsche Wirtschaft, die deutsche Gesellschaft. Deshalb ist dies keine leichtfertige Frage.

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13 Kommentare zu "Kommentar: Putin hat sich in eine Glaubwürdigkeitsfalle manövriert"

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  • "WAS Putin will. Na, die Westukraine würde er schon nehmen, wenn sie ihm mit einem roten Schleifchen überreicht wird."

    Überhaupt nicht. Genau das will Russland nicht. (Ich nutze das Wort "Russland" und nicht Putin, denn die Staatspropaganda möchte den Mann, den ich bewundere, demonisieren.)

    Russland will das sich alles beruigt. Deshalb wird Russland nicht nur die Wahlen akzeptieren, sondern auch die Separatisten nicht unterstützen. Und die Separatisten sind zum Teil genau die Berkut - die Profis - die jetzt arbeitslos sind und keinen Bock auf US-Sklaverei haben.

    Russland wird den Osten nicht nehmen. Wofür denn? Die Ukraine ist komplett pleite. Der IWF ist jetzt in der Ukraine und der IWF wird mit "Reformen" die Ukraine vernichten - schlimmer als jeder Krieg. In paar Jahren werden die Ukrainer selber, um Russland's Hilfe betteln.

    Die Ukraine ist für die USA weitgehend bedeutungslos. Es geht zunächst einzig und allein um die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland. Die USA wollen nicht, dass Deutschland fremdgeht.

  • @testlab
    "Man liest immer mehr Schwachsinn im HB. Die Staatspropaganda läßt nicht los. Die "Journalisten" werden lügen und lügen und lügen und lügen und lügen und lügen bis geistig gesunde Menschen gekränkt wurden."

    Genauso sieht es aus. In Wahrheit hat sich das Handelsblatt und die gesamte deutsche Presse in eine Glaubwürdigkeitsfalle manövriert. Die Bürger glauben den Lügen und der Propaganda der Presse einfach nicht mehr. Und das ist auch gut so.

    Mann erinnere sich an die konzertieren Propagandalügen bei der "Optimierung der öffentlichen Meinung" zu Beginn des Kovoso Kriegs. Es wurde von KZs, humanitären Katastrophen und angeblichen Vertreibungsplänen berichtet, alles waren pure Erfindungen der Regierung mit besserem Wissen.

    Über die falschen Vorwänden zu den beiden Golfkriegen Inkubatoren und Husseins ABC-Waffen braucht man auch nicht mehr viele Worte verlieren.

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    "Das nennt man psychologische Kriegsführung. Die "Journalisten" führen diesen Krieg gegen uns - das eigene Volk! Liebe "Journalisten", ihr habt schon lange jede Glaubwürdigkeit verloren. Doch wir können nicht gegen euch kämpfen. Ihr seid übermächtig. Ihr werdet nicht aufhören die Propaganda des Ministeriums für Wahrheit zu wiederholen, bis der letzte von uns zum hirngewaschenes Zombie wird.
    Egal welches Leid demnächst auf uns zukommt. In meinem Herzen werdet ihr große Schuld daran haben."

    Sie können sich sicher sein, das die Schuld am Ende wieder kollektiv dem Deutschen Volk aufgeladen werden wird und die Schreibtischtäter wie staatstragende Journalisten sich wieder reinwaschen werden.

  • Hat sich hier vielleicht Herr Brüggemann in eine Glaubwürdigkeitsfalle manövriert? Wird aber doch bestimmmt jetzt befördert, oder? So was muss doch belohnt werden, sowas kann man doch sonst nicht schreiben...

  • Man liest immer mehr Schwachsinn im HB. Die Staatspropaganda läßt nicht los. Die "Journalisten" werden lügen und lügen und lügen und lügen und lügen und lügen bis geistig gesunde Menschen gekränkt wurden.
    Das nennt man psychologische Kriegsführung. Die "Journalisten" führen diesen Krieg gegen uns - das eigene Volk! Liebe "Journalisten", ihr habt schon lange jede Glaubwürdigkeit verloren. Doch wir können nicht gegen euch kämpfen. Ihr seid übermächtig. Ihr werdet nicht aufhören die Propaganda des Ministeriums für Wahrheit zu wiederholen, bis der letzte von uns zum hirngewaschenes Zombie wird.
    Egal welches Leid demnächst auf uns zukommt. In meinem Herzen werdet ihr große Schuld daran haben.

  • Putin ist u.a. ein Schlitzohr, das weiß doch jeder. Was also soll das naive Aufwerfen der Frage, ob man Putin trauen kann? Kleiner Exkurs: würden Sie dem Luxemburger Junker trauen, der öffentlich bekannt hat, daß man das Europavolk manchmal belügen muß? Ich meine: wer ist denn der Souverain? Aber zurück zum Thema: Es ist doch recht klar, was Putin NICHT will: einen von Europa durchsubventionierten ukrainischen EU-Assoziationsstaat vor seiner Haustür. Würde ich an seiner Stelle wohl auch nicht goutieren, denn dann kann sich sein russisches Wahlvolk aus nächster Nähe mit ansehen, wie sich die einstigen ukrainischen Brüder u Schwestern am Regional-, Infrastruktur-, Agrarförderungs-EU-Speck laben (Stichwort: money for nothing) dürfte keine besonders fröhliche Stimmung aufkommen.
    Bleibt die spannende Frage, WAS Putin will. Na, die Westukraine würde er schon nehmen, wenn sie ihm mit einem roten Schleifchen überreicht wird. Da das aber unrealistisch ist, muß Putin eben auch abwarten, wie stark die Separatisten und die sie unterstützenden Bevölkerungsanteile tatsächlich sind oder werden. Und so lange das nicht klar ist, eiert er eben ein bißchen herum. Das ist doch nicht so schwer zu verstehen. Klar ist: seine gemachten Aussagen sind die Kaffeesatzleserei nicht wert, derer Sie sich bemühen. Und hat nicht schon Adenauer gesagt "was schert mich mein Geschwätz von gestern?".

  • Zar Putin und seine Glaubwürdigkeit
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    Putin ist unglaubwürdig, wenn er behauptet das Ergebnis der Wahl am 25. Mai anerkennen zu wollen.
    Weshalb lässt er dann die Ukraine von seinen Soldaten und Söldnern umstellen?
    Weshalb schickt er dann Geheimdienstler und Soldaten/Söldner in die Ostukraine?
    Weshalb beliefert er dann die Separatisten mit Waffen?
    Weshalb droht er der Ukraine offen mit Krieg?

    Und wenn Putin behauptet, es würden von den Machthabern in Kiew russische Journalisten entführt, verschweigt er zugleich, dass die von Moskau inspirierten Separatisten im Osten des Nachbarlandes Leiter von Wahllokalen gekidnappt haben, um den Urnengang am Sonntag zumindest in Teilen zu torpedieren. Dazu schweigt Putin.

    Naja, die Separatisten handelt sich ja um Geheimdiestler aus Moskau und St. Petersburg. Und Putin hat kein Interesse an freien Wahlen.

  • @julia_g2
    Mit Ihrer Aussage liegen Sie richtig. Man kann prinzipiell gar keinem Präsidenten über den Weg trauen. Sie sind allesamt unglaubwürdig.

  • Wie kann man nach so vielen Monaten handfester Fakten zum Verlauf in der Ukraine noch einen solchen Bockmist schreiben.
    Welche Tiefe hat doch der Sumpf menschlicher Abgründe . . .

  • Sie haben vorkomm recht, Herr Brüggmann. Wie kann man einen Staatsoberhaupt glauben, wenn „heute“ sagt er: „Die grüne Männchen auf dem Krim haben Ihre Uniform und Gewehren in einen Geschäft gekaut “, und „morgen“ heißt es: „Naja, meine Militär war dabei“. Es steht schon keine Frage über „arme unterdruckte Minderheit „in der Ukraine mehr. Und warum es geht eigentlich? Nur über Macht , mit allen Mitteln, der schwache Welt erlaubt. Manipulationen mit Gaspreis und diese Machtspiel hat jetzt noch deutlicher geworden, seit dem den Vertrag mit China unterschrieben wurde.
    In russische Propaganda-Maschine wird über gelbsüchtige Westen triumphiert.
    In liberalen Medien wird aber über Deutschland harte Worte geschrieben. Als ehemalige Russin kann ich nur bestätigen - Geld stinkt nicht.
    P.S. Über Anzahl den prorussischen Kommentaren kann man sich nicht mehr überraschen. Ein gut bezahlter Job – ist alles. Ein Gewissen spielt damit keine Rolle. Das gilt auch für einige Deutsche Politiker und Top-Managern.

  • Ist der Herr Mathias Brüggemann Mitarbeiter beim Handelsblatt..? Es ist mir ein Rätsel, wie er Allgemeinplätze von sich gibt, die ich etliche Male in der einen oder anderen Form bereits in den anderen Anti-Putin-Medien hören und lesen konnte. Viele hochrangige Politologen und Polit-Wissenschaftler und auch Gerhard Schröder mit seinem breit anerkannten Interview und andere Ehemalige unter den führenden Polit-Köpfen haben klar festgestellt, dass Obama, die NATO, die EU und speziell Berlin die Ursachen für die Ukraine-Krise gelegt haben. Der West-Größenwahn und die amerikanischen Geheimdienst-Killer, die in der Ukraine auf US-Befehl zu üblen Tätern geworden sind, dürften ursächlich ja wohl nich Putin und Russland angelastet werden..! Die bestehenden Real-Polit-Fakten haben den "Westen" bisher ziemlich negativ aussehen lassen..!

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