Kommentar: Putins Wutrede ist eine historische Zäsur für Europa
Putins Ansprache wurde am Dienstagabend im Fernsehen übertragen.
Foto: APDas war sie also. Die Rede mit der Wladimir Putin all das zu rechtfertigen versuchte, was Europa an den Rand eines Krieges gebracht hat und was dem vom Blut zweier Weltkriege bereits durchtränkten Kontinent noch drohen könnte.
Es war eine wütende Rede, voller Verachtung für den Westen, voller gekränktem Stolz auf die vergangene Größe Russlands, voller unverhohlener Drohungen, sich das zurückzuholen, was Russland nach Putins Meinung historisch zusteht. So viel hatte sich angestaut, jetzt musste es raus. Man konnte Putin die Wut über die vermeintliche Ungerechtigkeit im Gesicht ablesen. Sogar Lenin bekam sein Fett weg, weil er das historische Russland nicht zusammengehalten habe.
Historische Wendepunkte, die den Fluss der Geschichte in ein Davor und ein Danach unterteilen, erkennt man meist nur im Rückspiegel. Es spricht jedoch vieles dafür, dass am Montagabend eine solche Zeitenwende stattgefunden hat.
Nicht nur hat Putin mit der Anerkennung der ukrainischen Provinzen Luhansk und Denezk faktisch den Minsker Friedensprozess für gescheitert erklärt und damit die Hoffnungen von Bundeskanzler Olaf Scholz und des französischen Präsidenten Emmanuel Macron auf eine friedliche Lösung des Konflikts platzen lassen. Dass der Kreml-Alleinherrscher nebenbei auch gleich die gesamte Staatlichkeit der Ukraine infrage stellte, ist ein böses Omen. Der Marschbefehl für die russischen Truppen in Richtung Ostukraine ließ nicht lange auf sich warten.