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Kommentar Radikale Verkleinerung: Thyssen-Krupp droht jetzt das Schicksal von Bilfinger

Thyssen-Krupp trennt sich von der wertvollsten Sparte. Was das bedeutet, zeigt ein anderer Traditionskonzern, der einen ähnlichen Niedergang durchgemacht hat.
28.02.2020 - 10:18 Uhr 4 Kommentare
Seit Jahren schränkt die Finanznot des Unternehmens den Handlungsspielraum des Managements ein. Quelle: dpa
Thyssen-Krupp-Chefin Martina Merz

Seit Jahren schränkt die Finanznot des Unternehmens den Handlungsspielraum des Managements ein.

(Foto: dpa)

Mit dem Verkauf der profitablen Aufzugsparte steht Thyssen-Krupp erstmals seit Jahrzehnten finanziell wieder auf einem stabilen Fundament. Der Preis für die Sanierung ist hoch. Mit den Aufzügen verlässt nicht nur der einzige verlässliche Gewinnbringer den Konzern. Es ist auch das Geschäft mit den größten Wachstumsperspektiven, derer sich Thyssen-Krupp mit dem Verkauf bis auf Weiteres beschneidet.

Trotz der mehr als 17 Milliarden Euro schweren Finanzspritze stehen die übrigen Sparten des Unternehmens vor großen Problemen. Weder im Stahl noch im Werkstoffhandel ist organisches Wachstum zu erwarten, der Anlagenbau und Teile der Komponentenfertigung fliegen raus. Übrig bleibt zwar ein solide finanziertes Unternehmen – das aber dafür ausschließlich in Märkten unterwegs ist, von denen renditeorientierte Investoren wohl lieber ihre Finger lassen.

Keine Frage: Eine andere Lösung stand dem Vorstand um Martina Merz kaum noch zur Verfügung. Seit Jahren schränkt die Finanznot des Unternehmens den Handlungsspielraum des Managements ein, das deshalb bei der Restrukturierung nur sehr langsam vorankam.

„Keine Krise war schon Party“, so drückte es einer von Merz‘ Vorgängern einmal aus. Die 56-Jährige dreht nun den Spieß um und macht Schluss mit der Krise – aber eben auch mit der Party.

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    Alle Hoffnungen, der Ruhrkonzern könne nach der Sanierung wieder zu alter Stärker zurückfinden, haben sich mit der Trennung von Thyssen-Krupp Elevator zerschlagen. Das muss nicht schlecht sein, Größe allein ist schließlich kein Selbstzweck. Doch mit der Größe schwindet auch ein Selbstverständnis. Thyssen-Krupp wird bald nicht mehr der Industriegigant von der Ruhr, sondern nur ein Industrieunternehmen unter vielen sein.

    Wie sich dieser Abstieg anfühlt, weiß man beim Industriedienstleister Bilfinger in Mannheim. Einst war das Unternehmen der größte Baukonzern der Welt. Heute dürften selbst wirtschaftlich interessierte Menschen ihre Mühe dabei haben, zu erklären, womit Bilfinger genau sein Geld verdient.

    Wie bei Thyssen-Krupp hatte auch bei Bilfinger die Hybris der Manager schon vor vielen Jahren zum Niedergang geführt. Beim Ruhrkonzern waren es milliardenschwere Fehlinvestitionen in Stahlwerke in den USA und Brasilien; bei Bilfinger waren es kopflose Zukäufe von nahezu unbekannten Unternehmen in aller Welt.

    2013 musste sich der Mannheimer Konzern wegen Korruptionsfällen in aller Welt vor dem US-Justizministerium verantworten – und ist bis heute mit den Folgen beschäftigt.

    Grafik

    Erst im vergangenen Jahr schrieb Bilfinger wieder schwarze Zahlen. Für den bislang noch zarten Turnaround war ein schmerzhafter Aderlass notwendig, bei dem unter anderem die Ertragsperle, das Geschäft mit Immobiliendienstleistungen, an einen Finanzinvestor verkauft wurde. Heute firmiert das Unternehmen unter Apleona – und eilt unter dem ehemaligen Bilfinger-Vorstand und jetzigen CEO Jochen Keysberg von Umsatzrekord zu Umsatzrekord.

    Insgesamt fiel rund die Hälfte des Umsatzes von einst mehr als acht Milliarden Euro dem Umbau zum Opfer. Das gleiche gilt für die Belegschaft, die sich von mehr als 70.000 Mitarbeitern auf zuletzt 35.000 halbierte.

    Zahlreiche Manager mit großen Visionen mussten das Unternehmen verlassen, bis erst der jetzige Vorstandschef Tom Blades ab 2016 als erster den Radikalumbau wagte. Einer von ihnen war der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU), gegen den Bilfinger wie gegen elf weitere Vorstände derzeit Schadenersatzforderungen erhebt.

    Keine Rücksicht auf Eitelkeiten

    In einer ähnlichen Situation befindet sich nun Thyssen-Krupp. Auch Vorstandschefin Martina Merz will den Ruhrkonzern gesundschrumpfen und mit dem Erlös aus dem Verkauf der Aufzugsparte die gröbsten Finanzlöcher stopfen. Auch sie rechnet damit, dass es Jahre dauern wird, das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen.

    Und auch sie nimmt keine Rücksicht auf Eitelkeiten – wobei der Status als Außenseiterin der gebürtigen Baden-Württembergerin sicherlich ebenso hilft wie anfangs dem Briten Tom Blades.

    Wie auch Apleona dürfte Thyssen-Krupp Elevator auf eigenen Beinen besser stehen als im Konzernverbund. Doch die verbleibenden Sparten müssen sich auf harte Zeiten einstellen – auch weil die Aktionäre angesichts ihrer Erfahrungen bei Bilfinger nicht darauf hoffen dürften, dass ihr Geld in einem langwierigen Konzernumbau gut angelegt ist.

    Denn trotz der besseren Kassenlage hat sich der Kurs von Bilfinger seit Blades’ Antritt bloß verschlechtert. Ansprüche der Aktionäre am Erlös sind daher wie auch bei Bilfinger zu erwarten. Der Industriedienstleister reichte einen Teil über einen Aktienrückkauf an seine Teilhaber weiter – und zahlte ihnen über Jahre trotz Verlusten eine hohe Dividende.

    Davon profitierte auch ein Großaktionär von Thyssen-Krupp: der schwedische Investmentfonds Cevian, der rund 18 Prozent an Thyssen-Krupp und rund 27 Prozent an Bilfinger hält. Der hat bislang zugesichert, keine Sonderdividende zu fordern – und in der Vergangenheit auch regelmäßig bei Hauptversammlungen auf die Zahlung einer Dividende verzichtet.

    Damit ist die Ausgangslage für den Ruhrkonzern zumindest nicht schlecht. Zudem verfügt das Unternehmen mit der Krupp-Stiftung über einen Ankeraktionär, der in der Lage ist, derartige Angriffe anderer Teilhaber abzuwehren. Auch hat Vorstandschefin Merz mehrfach zugesichert, die Erlöse im Unternehmen zu verwenden – worüber nicht zuletzt auch die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat wachen werden.

    Der Verlust des ertragreichsten Geschäfts ist schmerzhaft. Doch mit Blick auf Bilfinger verspricht er, die richtigen Entscheidungen vorausgesetzt, zumindest langfristige Stabilität.

    Mehr: Der Notverkauf – Thyssen-Krupp verkauft Aufzugsparte für 17 Milliarden Euro

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    4 Kommentare zu "Kommentar: Radikale Verkleinerung: Thyssen-Krupp droht jetzt das Schicksal von Bilfinger"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Herr Freitag jetzt kommen Sie doch nicht mit Realitäten, das will doch nun wirklich keiner hören im wünsch-dir-was Land. Wir retten, helfen, schützen und sonst nichts.punkt.
      Ansonsten guter Beitrag.

    • Reden wir doch einmal Klartext: Thyssen-Krupp wird schon zerlegt!

    • Das ist absurdes Handeln in Reinform: Hohe, nicht überschaubare Kosten für sehr volatile Vorprodukte (Eisenerz), ein extrem kapitalintensives Geschäft (Hochöfen), ein Produkt, welches im Ausland, insbes. in China zu einem Bruchteil des Preises hergestellt warden kann und jetzt Europa überflutet, lokale Abnehmer die sich selbst in der Krise befinden (Autoproduzenten), die höchsten Energiekosten in Europa, immer strengere Umweltschutzauflagen, extrem hohe Steuern, eine überbordende Bürokratie und ein extrem zyklisches Geschäft, was in den letzten Jahren miserabel gelaufen ist - und das soll jetzt das Kerngeschäft von thyssenrkupp sein? Die einzige Geschäftseinheit, die zuverlässig Gewinne erwirtschaftet hat, die zukunftsfähig und international aufgestellt ist, wird für einen Einmalerlös verhökert. Man beachte, die im Artikel so gelobte Frau Merz war Aufsichtsratschefin und hat alle bisherigen Strategien mitgetragen - sie war für die Spaltung in zwei Unternehmen (better for both), sie hat Guido Kerkhof zum CEO befördert, sie hat alles abgenickt und stellt sich jetzt als Supersaniererin dar. Die Schuld für die Misere, die sie beaufsichtigt hat, sucht sie beim "alten Management". Getrieben von Cevian, der wohl unfähigsten Heuschrecke, die Bilfinger hingerichtet hat, kommt nun ein hanebüchener Plan zum Abschluss. Mut hätte Frau Merz bewiesen, wenn sie schon vor Jahren auf eine Abwicklung der Stahl-Sparte als größtem Geldvernichter gedrungen hätte, oder darauf, doch noch eine Stahlfusion zu versuchen (wobei sich bei der EU Kommission ja mit Frau Verstager noch eine Dame ins Rampenlicht rücken wollte und die erste Fusion aus nicht nachvollziehbaren Gründen untersagt hat) oder die Stahl Sparte zu verkaufen. Sie hätte früh alles tun müssen, um Elevator zum gesunden Kern von thyssenkrupp zu machen - auch als Aufsichtsratschefin. Natürlich hat die Resterampe thyssenkrupp keine Zukunft mehr. Ebenso unfähig war die Stiftung - größter Aktionär, aber sich von Cevian treiben lassen

    • Totales Management- und Aufsichtsversagen. Unfähige Sozis haben in der Krupp-Stiftung dilletiert, ohne jede Kenntnis wirtschaftlicher Zusammenhänge. Wurde Frau Prof. Gather nicht von Frau Kraft eingesetzt? Es zeigt sich, das Selbstüberschätzung und ein übergroßes Ego, keinesfalls ein Privileg der Männer ist.
      Der Verkauf der "Aufzüge", dient ausschließlich dem Erhalt der unseligen Krupp-Stiftung, unternehmensstrategische Überlegungen haben hier keine Rolle gespielt.
      Krupp ist tot! Intelligenteres Handeln wäre hier lebensrettend gewesen.

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