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Kommentar Reaktion auf Werbeboykott: Zuckerbergs Kehrtwende kommt zu spät

Erst nach einem Boykott von Werbekunden reagiert Facebook-Chef Mark Zuckerberg auf die Proteste gegen das Netzwerk. Das ist unverantwortlich.
01.07.2020 - 16:17 Uhr 4 Kommentare
Allzu oft schiebt der Facebook-Chef die Verantwortung von sich. Quelle: dpa
Mark Zuckerberg

Allzu oft schiebt der Facebook-Chef die Verantwortung von sich.

(Foto: dpa)

Kaum vier Wochen ist es her, dass Facebook-Chef Mark Zuckerberg unter größten verbalen Verrenkungen der Welt erklärte, warum sein Netzwerk Aussagen von US-Präsident Donald Trump nicht mit einer Warnmeldung versieht, so wie es Twitter zuvor getan hatte.

„Wenn Plünderungen beginnen, wird geschossen“, hatte Trump geschrieben. Mit ähnlichen Worten hatte in den Sechzigerjahren der einstige Polizeichef von Miami sein brutales Vorgehen gegen die schwarze Bevölkerung angekündigt. Twitter kennzeichnete die umstrittene Äußerung auf seiner Plattform als Gewaltverherrlichung. 

Zuckerberg dagegen argumentierte, diese Androhung von Gewalt der Regierung sei durch die Meinungsfreiheit und die Nutzungsbedingungen von Facebook gedeckt. Kurz: Es sei eine schwere Entscheidung gewesen, aber er werde nichts unternehmen. Völlig zu Recht gingen viele seiner Mitarbeiter auf die Barrikaden. Einige verließen sogar das Unternehmen.

Einen Monat später ist alles anders: Aus Protest gegen Hass und Hetze bei Facebook stornieren Anzeigenkunden aus aller Welt ihre Aufträge. Auch deutsche Firmen wie Henkel, SAP und Volkswagen schließen sich dem Werbeboykott an. Einige kritisieren auch, dass Facebook rechtsradikale Webseiten als seriöse Nachrichtenquellen kennzeichnet.

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    Der Kundenprotest beunruhigt wiederum die Investoren des sozialen Netzwerks. Der Aktienkurs von Facebook brach zeitweise um zehn Prozent ein – Großaktionär Zuckerberg verlor in wenigen Tagen sieben Milliarden Dollar.

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    Auf einmal will sich der Facebook-Chef doch bewegen. Ein bisschen jedenfalls. Eilig zimmerte sein Unternehmen einen Maßnahmenkatalog zusammen: Unter anderem sollen fragwürdige Aussagen von Politikern zwar nicht gelöscht – nun aber doch gekennzeichnet werden.

    Ein richtiger Schritt, der aber zu spät kommt. Und der ein weiteres Mal zeigt, dass Zuckerberg zu oft erst dann reagiert, wenn er dazu gezwungen wird. Entweder aus finanziellen Erwägungen oder weil Aufsichtsbehörden gegen sein Unternehmen vorgehen. Auch den immer wieder laxen Umgang mit Daten ließ er zu lange laufen – bis es nicht mehr anders ging. Mit verantwortungsvoller Unternehmensführung hat das wenig zu tun.

    Allzu oft schiebt Zuckerberg die Verantwortung von sich. Immer wieder fordert er zum Beispiel eine Regulierung für soziale Netzwerke – eine wichtige, längst überfällige Debatte. Doch der Facebook-Chef hätte auch ohne ein neues Regelwerk längst aktiv werden können. Politische Werbung zum Beispiel hat er – im Gegensatz zu anderen sozialen Netzwerken – lange uneingeschränkt akzeptiert. Er könnte sie einfach verbieten.

    Zuckerberg hat mit Facebook ohne Zweifel ein beeindruckendes Internetunternehmen geschaffen. Eine Plattform, auf der ein großer Teil der digitalen Öffentlichkeit stattfindet. Es bleibt nach all den Problemen aber die Frage, ob er noch der Richtige ist, die Probleme der Plattform zu lösen. Bislang sieht es nicht danach aus.

    Mehr: VW, SAP, Henkel: Deutsche Konzerne schließen sich Facebook-Werbeboykott an.

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    4 Kommentare zu "Kommentar: Reaktion auf Werbeboykott: Zuckerbergs Kehrtwende kommt zu spät"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Zuckerberg ist der falsche hierzu. Der hat zuviel Angst davor sich mit Trump oder irgendjemand aus Washington anzulegen. Facebook könnte viel mehr gegen Hetze und Hass im Netz tun, tut es aber nicht. Das Geschäftsmodell basiert auf Klicks und Reaktionen . Diese bekommt man leider am Häufigsten, wenn man polarisiert.

    • @ Wilfried Zekert

      Sie finden also, dass man links- oder rechtsradikale Meinungen dulden und weiterbereiten sollte? Aufrufe zur Gewalt z. B. wären eine freie Meinungsäußerung? Halte ich für äußerst problematisch.

    • Zensur ist das Grab einer Gesellschaft mit freier Meinungsäußerung. Wer plündert begeht bereits Gewalt.

    • Diese ganzen "sozialen Medien" sind eine einzige Plage. Jeder Trottel kann da seine kruden Weltsichten verbreiten und solche Herrscher wie Trump werden dadurch erst möglich. Die ganze Diskussionskultur ist heutzutage weitaus radikaler als früher - ein vernünftiger Austausch von Meinungen geht in schrillen Shitstorms unter. Leute werden dort zudem in Grund und Boden gemobbt und Vorurteile sind stets en vogue.

      Einfach diesen ganzen Kram dichtmachen und fertig. Ich finde, die Bezeichnung asoziale Medien triffts viel besser.

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