Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Riskante Flucht in die Größe: Warum der Vonovia-Milliardendeal kein Selbstläufer ist

Die mögliche Milliardenübernahme der Deutschen Wohnen ist unternehmerisch sinnvoll. Gleichwohl begibt sich Vonovia-Vorstandschef Rolf Buch damit auf ein schwieriges Terrain.
25.05.2021 - 09:14 Uhr 1 Kommentar
Der Milliardendeal wird für den Vonovia-Boss kein Selbstläufer werden. Quelle: Reuters
Rolf Buch

Der Milliardendeal wird für den Vonovia-Boss kein Selbstläufer werden.

(Foto: Reuters)

Noch im vergangenen Herbst hat Michael Zahn Gerüchte über eine Fusion dementiert: Er sehe zur Vonovia „große Unterschiede, gerade strategisch“, erläuterte der Vorstandschef der Deutschen Wohnen. Acht Monate später klingt das etwas anders: Man wolle ein „mieterorientiertes und gesellschaftlich verantwortungsvolles Wohnunternehmen“ schaffen, werben beide Dax-Konzerne nun für den geplanten Zusammenschluss.

Doch hinter den Floskeln steckt auch das Wissen, dass in Teilen der Politik und bei Mieterverbänden der Schritt mit großem Argwohn verfolgt werden dürfte. Die angestrebte Milliardenübernahme der Bochumer ist eine Flucht in die Größe – aber sie ist nicht ohne Risiko.

Strategisch ist der Plan durchaus sinnvoll. Das Geschäft der Wohnkonzerne ist margenarm und kapitalintensiv. Skaleneffekte spielen deshalb eine wichtige Rolle: Je größer ein Konzern, desto besser ist es für ihn unternehmerisch.

Rund 100 Millionen Euro an Einsparungen sollen beispielsweise allein dadurch entstehen, dass der neue XXL-Vermieter künftig gemeinsam Handwerker-Organisationen damit beauftragen kann, ihre Häuser in Schuss zu halten.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Dennoch wird der Milliardendeal für Vonovia-Boss Rolf Buch voraussichtlich kein Selbstläufer werden. Noch im vergangenen Jahr, als bereits Spekulationen über ein Zusammengehen der Firmen auftauchten, beteuerten die Bochumer noch, dass ein solcher Deal nur mit Zustimmung der Berliner Politik möglich sei.

    Doch gerade in Zeiten eines Bundestagswahlkampfs, in dem die Immobilienpreisentwicklung eine wichtige Rolle spielt, ist das alles andere als von vornherein ausgemacht, da der Zusammenschluss auch viele Mieter beunruhigen könnte.

    Geradezu demonstrativ bemühen sich die Konzerne deshalb darum, ihre Fusion als ein Bündnis für den Neubau zu deklarieren – und vor allem den Mietern in Berlin, die am stärksten von dem Deal betroffen sind, ihre Sorgen zu nehmen. Im Fall einer Fusion würden die Mieten in Berlin drei Jahre lang um höchstens ein Prozent jährlich steigen – und auch bei Modernisierungen sollen die Preise maximal um zwei Euro pro Quadratmeter steigen.

    Doch reicht das wirklich aus, um in der aufgeheizten Stimmung in Berlin, wo bereits ein Volksbegehren zur Enteignung der Deutschen Wohnen & Co. läuft, die Gemüter zu beschwichtigen?

    Die Verlockung für die Politik dürfte groß sein, mitten im Wahlkampf hart mit den Konzernen umzuspringen, um Punkte bei den Wählern zu sammeln. Denn Deutschland ist ein Land der Mieter – und nicht der Hauseigentümer, wie diese mitunter schmerzvoll feststellen müssen.

    Mehr zur möglichen Fusion zwischen Vonovia und Deutsche Wohnen:

    Auch die Investoren werden sich die Details des Deals genau anschauen, wenn Ende Juni Vonovia das offizielle Übernahmeangebot vorlegen will. Ein Aufschlag von knapp 18 Prozent gegenüber dem Aktienkurs der Deutschen Wohnen vom Ende der vergangenen Woche klingt zwar erst einmal gut. Der entscheidende Wert in der Immobilienbranche ist jedoch der Net Asset Value, der zuletzt bei der Deutschen Wohnen bei 52,50 Euro lag. So gerechnet bietet Vonovia nur eine Offerte, die nah am fairen Wert des Berliner Dax-Konzerns liegt – und den einen oder anderen Großinvestor zögern lassen könnte, das Angebot anzunehmen.

    Vonovia-Boss Buch geht es also ins Risiko mit dem Deal. Die Topmanager müssen darum noch eine Menge Überzeugungsarbeit leisten, wenn die Megafusion Wirklichkeit werden soll. Zwei Anläufe sind in den vergangenen Jahren bereits im Sande verlaufen. Noch ist für die Konzerne nicht ausgemacht, ob in diesem Fall aller guten Dinge tatsächlich drei sind.

    Startseite
    Mehr zu: Kommentar - Riskante Flucht in die Größe: Warum der Vonovia-Milliardendeal kein Selbstläufer ist
    1 Kommentar zu "Kommentar: Riskante Flucht in die Größe: Warum der Vonovia-Milliardendeal kein Selbstläufer ist"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Es ist schon traurig zu sehen wie hier mit ehemaligen Wohnungen des Bundes und von Bundesbehörden (Post, Bahn) versucht wird das ganz große Rad zu drehen ohne jede Innovation. Die Installation eines "VEB Wohnen" macht aber das verstaatlichen und zumindest das reglementieren einfacher. Die normalen privaten und fairen Vermieter leiden dann mit. Die behaupteten Skaleneffekte wären auch mit Kooperationen und Einkaufsgemeinschaften ohne Eigentumsübertrag und Fusion möglich. Man kann nur hoffen, dass die Fusion scheitert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%