Kommentar Saudi-Aramco-Börsengang entscheidet über Zukunft Saudi-Arabiens

Ein Scheitern des weltgrößten Ölkonzerns birgt ökonomische wie politische Gefahren für Saudi-Arabien. Der Kronprinz muss sich nun entscheiden.
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Eine Absage des Börsengangs wäre ein Rückschlag für den Kronprinzen. Quelle: Reuters
Produktionsanlage von Saudi Aramco

Eine Absage des Börsengangs wäre ein Rückschlag für den Kronprinzen.

(Foto: Reuters)

Es ist die Wahl zwischen Pest und Cholera: Sagt Saudi-Arabien den Börsengang des weltgrößten Ölkonzerns Saudi Aramco ab, verliert das Land massiv an Vertrauen. Vor allem das der Investoren, die es so dringend braucht für all die milliardenschweren Modernisierungsprojekte im Königreich. Sie sind nicht hauptsächlich wegen ihres Geldes gefragt, sondern wegen ihres Know-hows und ihrer modernen Technologien. Da ist Verlässlichkeit ein hohes Gut.

Allerdings wäre es auch mehr als ein Dämpfer, wenn der Börsengang weniger als die erwarteten 100 Milliarden Dollar für fünf Prozent des größten Ölförderers auf der Erde einspielt. Zwar sind die Einnahmen aus dem Initial Public Offering (IPO) nicht zum Stopfen des gewaltigen Haushaltslochs von Saudi-Arabien bestimmt, aber immerhin zum Aufbau des mit zwei Billionen Dollar reichlich gefüllten weltgrößten Staatsfonds, mit dem die Vorzeigeprojekte zum Umbau der saudischen Wirtschaft finanziert werden sollen.

Es wäre also ein Rückschlag für den ebenso machthungrigen wie reformwilligen jungen Kronprinzen Mohammed bin Salman. Der Aramco-IPO war sein Wille, und ihm obliegt auch jetzt die Entscheidung, ob der Börsengang kommt oder nicht. Und bin Salman riskiert mit dem IPO auch seine politische Karriere.

Denn bei allem Reformtempo in Saudi-Arabien gilt das Land bisher zu Recht als Brutstätte des erzkonservativen Islam. Mohammed bin Salman ist mit hohem Risiko angetreten, das zu ändern, das Land in die Moderne zu beamen und einen verschlafenen Staatsriesen wie Aramco mit Transparenz und Effizienz zu wecken.

Es ist zwar nicht ganz so, wie Angela Merkel einst über das Schicksal des Euros gesagt hatte, aber es ist etwas dran an dem Satz: Scheitert der Aramco-IPO, scheitert der Reformer MbS, wie der Kronprinz in seiner Heimat nur genannt wird. Bekommen die Saudis das Gefühl, durch einen zu billigen Börsengang von Aramco würden ihre Kronjuwelen verschenkt, würde es nicht nur wie jetzt unter der Decke brodeln.

Die Reformgegner warten nur auf eine Schwäche des Kronprinzen, der als erster Sohn in der saudischen Geschichte seinem Vater direkt auf den Thron folgen will, um ihn zu attackieren.

Auf dem Weg des Aufbrechens verkrusteter Strukturen hat sich MbS viele Feinde gemacht. Er hat seinen Kurs aber immer damit begründet, dass dieser der wirtschaftlichen Prosperität des Landes mit hoher Jugendarbeitslosigkeit diene. Auch die Öffnung Aramcos hin zu einem transparent gemanagten Ölriesen ist gut für Saudi-Arabien und die Welt. Aber zum Gelingen des Reformkurses muss der IPO auch sitzen. Sonst ist Abwarten oder der Teilverkauf an einen strategischen Investor und eine kleine Platzierung an Riads Börse besser.

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