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Kommentar Schäubles Warnung vor Inflation und Schulden sollte man ernstnehmen

Der frühere Bundesfinanzminister und überzeugte Europäer meldet sich zu Wort – und wird direkt kritisiert. Es wäre ein Fehler, ihm überkommenes Denken vorzuwerfen. 
03.06.2021 - 13:58 Uhr 2 Kommentare
Der Bundestagspräsident und ehemalige Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat in einem Gastbeitrag für die „Financial Times“ vor Inflationsgefahren gewarnt. Quelle: dpa
Wolfgang Schäuble warnt vor Inflation

Der Bundestagspräsident und ehemalige Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat in einem Gastbeitrag für die „Financial Times“ vor Inflationsgefahren gewarnt.

(Foto: dpa)

Wenn der erfolgreichste Finanzminister der letzten 40 Jahre und überzeugte Europäer Wolfgang Schäuble sich zu Wort meldet, sollten alle genau hinhören. Er warnt in einem Gastbeitrag für die „Financial Times“ vor Inflation und will die fast grenzenlose Schuldenmacherei in Europa eindämmen.

Reflexartig kommen etwa vom Gewerkschaftsökonomen und Wirtschaftsweisen Achim Truger abfällige Worte: Es sei gut, dass Schäuble nichts mehr zu sagen habe. Das Gegenteil ist der Fall. 

Mario Draghi, der ehemalige EZB-Chef und jetzige Ministerpräsident von Italien, wird Schäubles Ausführungen sehr ernst nehmen. Niemand außer ein paar Kleingeister wird Schäuble absprechen wollen, dass es ihm um Europa geht. Sein ganzes Leben lang hat er versucht, den Laden zusammenzuhalten. Dass die überbordende Schuldenlast irgendwann zur Inflation werden kann, ist nicht überkommenes Denken, sondern Fakt.

Seit den ersten Papiergeldexperimenten in Frankreich im 18. Jahrhundert versuchen überschuldete Staaten, ihre Last wegzuinflationieren, indem sie die Druckerpressen anwerfen. Die Beispiele in der europäischen Geschichte sind vielfältig. Auch wenn manche es anders sehen, die deutsche Erfahrung ist: Wird das Geld schlecht, wird alles schlecht. 

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    Die Hyperinflation der 1920er-Jahre war der Nährboden für extremistische Tendenzen in Deutschland. Richtig ist auch, dass die rigorose Sparpolitik in der darauffolgenden Zeit falsch war. Aber in einer solchen Lage befinden sich Deutschland und Europa nicht.

    Ökonomen hoffen auf vorübergehende Preissteigerung

    Noch ist die Inflation moderat, aber schon spürbar. Man schaue sich nur mal das Handwerk und die Industrie an, die von den Halbleitern abhängen. Der Materialmangel geht schon in die Preise. Hellhörig muss man auch immer werden, wenn die Ökonomen, die vor Kurzem noch gesagt haben, es komme überhaupt keine Inflation, jetzt die sogenannte Kerninflationsrate bemühen. Dabei werden vor allem volatile Preise für Energie und Nahrungsmittel herausgerechnet. Aber in der wirklichen Welt sind die Preise trotzdem gestiegen. 

    Die Hoffnung der Ökonomen ist, dass es sich um eine vorübergehende Preissteigerung handelt. Etwa dadurch, dass demnächst wieder mehr Computerchips produziert werden können.

    Sollte die Welt nach der Pandemiezeit vor einem Boom stehen, was wir alle hoffen, kann es aber zu Überhitzungstendenzen kommen. Die Folge wäre eine Verstetigung der Preissteigerung. Noch kann das niemand mit Sicherheit sagen. Aber Schäuble nicht zuzuhören und seine Argumente als altes Denken zu diffamieren, ist intellektuell überschaubar. 

    Mehr: Tauziehen zwischen Wachstumshoffnung und Inflationsangst

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    2 Kommentare zu "Kommentar : Schäubles Warnung vor Inflation und Schulden sollte man ernstnehmen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Wolfgang Schäuble hat als Finanzminister den STEUERBETRUG AKZEPTIERT:
      Er hat die bekannten Cum-Cum und Cum-Ex Geschäfte sowie das Mehrwertsteuer-Karussell NICHT unterbunden. Dadurch sind KRIMINELLEN KRÄFTEN MILLIARDEN AN STEUERGELDERN ZUGEFLOSSEN.
      Das ist Unterlassung im Amt.
      Jetzt sich als kompetenter Finanzer zu zeigen und vor Schulden und Inflation zu warnen hört sich wie eine Binsenweisheit eines zwar kompetenten, doch nicht gerade korrekten Menschen an.
      Persönlich schätze ich Herrn Schäuble sehr - doch man muss auch seine Hausaufgaben machen, auch wenn es schwer fällt - und Mutti Merkel eh alles wurscht ist.

    • Es ist mir ein Rätsel, nach welchen Kriterien Herr Siegmund zum Schluss kommt, Herr Schäuble sei der beste Finanzminister der letzten 40 Jahre gewesen. Weder hat derselbe auch nur in Ansätzen während seiner langen Amtszeit eine Steuerreform auf den Weg gebracht, geschweige denn irgendetwas umgesetzt, noch hat er sich gegen die desaströse Vergemeinschaftung der Schulden in der EU durch Frau Merkel, Herrn Macron und deren Helfer in der EZB gestellt. Ernsthafte Einwendungen seinerseits sind nicht bekannt. Leider hat sich Herr Schäuble wie der grosse Teil der CDU - Führung im Laufe der letzten Jahre nolens volens und für unabhängige demokratische Abgeordnete in geradezu beschämender Weise dem Diktat von Frau Merkel gebeugt. Jetzt zu warnen und den Finger zu heben, erscheint geradezu heuchlerisch und ist ein für seine Person unwürdiges Politschauspiel.
      Herr Schäuble ist klug genug zu wissen, dass dieser Zug in Europa bereits abgefahren und nicht mehr aufzuhalten ist. Leider.

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