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Armin Laschet

Der Kanzlerkandidat der Union muss derzeit nicht viel mehr machen, als auf den Wahltag zu warten.

(Foto: REUTERS)

Kommentar Schlafwandelnd ins Kanzleramt: Die Schwäche von Grünen und SPD macht es Laschet zu leicht

Die Union hat gute Chancen, sich ohne Anstrengung wieder das Kanzleramt zu sichern. Ein solch müder Wahlkampf wäre nicht gut.
02.07.2021 - 19:07 Uhr 1 Kommentar

Wo steckt eigentlich Armin Laschet? Während Annalena Baerbock sich für abgekupferte Textstellen in ihrem Buch rechtfertigen muss und Olaf Scholz mit öffentlichkeitswirksamen Auftritten in Washington versucht, sich und seiner dauerkriselnden SPD Auftrieb zu verschaffen, ist es um den Kanzlerkandidaten der Union auffällig ruhig.

Laschet macht, was ihm im Wahlkampf bisher abverlangt wird: das Nötigste. Hier ein nett inszenierter Auftritt wie jüngst die Feier zum vierjährigen Bestehen der schwarz-gelben Koalition in Nordrhein-Westfalen, dort ein Interview, selten und nur, wenn es sich nicht vermeiden lässt, gemeinsame Diskussionsrunden mit den anderen Kandidaten.

Der CDU-Kandidat ist vor allem darauf bedacht, nicht ins Risiko zu gehen durch konkrete Ankündigungen oder öffentliche Debatten. Beispielhaft dafür ist das Wahlprogramm der Union, das ein wohliges Weiter-so verspricht, garniert mit einigen Modernisierungsfloskeln.

Die Strategie von CDU und CSU lautet: keine Angriffsfläche bieten. Fehler vermeiden. Denn die anderen, allen voran die Grünen, machen schon genug. Ungenauigkeiten im Lebenslauf oder kopierte Sätze in ihrem Buch mag man als politische Petitessen abtun, aber sie kratzen an der Glaubwürdigkeit von Laschets Gegenkandidatin Baerbock. Da sie keine Regierungsverantwortung vorzuweisen hat, ist Glaubwürdigkeit ihr wichtiges Gut, wenn die Wähler ihr das Kanzleramt anvertrauen sollen.

Baerbocks Kampagne war ganz offensichtlich stümperhaft vorbereitet. Der Mangel an Professionalität überrascht.

Laschet hat das Schwierigste vielleicht schon geschafft

Nun haben sich die Grünen in eine strategisch schwierige Situation gebracht: Ihre scharfe Reaktion auf die Kritik – der Vorwurf des Rufmordes und das Einschalten eines Anwalts – mögen wichtig gewesen sein für die Moral der eigenen Leute. Auch die Kernwählerschaft mag das mobilisieren. Nur: Auf viele andere Wähler, die Baerbock auch überzeugen muss, um Chancen auf das Kanzleramt zu haben, dürfte die harte Wir-gegen-die-Rhetorik eher abschreckend wirken.

Nun sind es noch knapp drei Monate bis zur Bundestagswahl, in denen viel passieren kann. Das zeigt auch ein Blick zurück. Vor wenigen Wochen noch sahen einige Baerbock schon im Kanzleramt, während sich Laschet im unionsinternen Machtkampf mit CSU-Chef Markus Söder aufrieb. Zu sicher sollte sich die Union ihres Wahlsieges nicht sein.

Und trotzdem bleibt nach derzeitigem Stand festzustellen: Laschet hat, nachdem er Söder die Kandidatur abgerungen hat, vielleicht schon das Schwierigste in diesem Wahljahr hinter sich. Die Umfragen sagen der Union jedenfalls einen stabilen Vorsprung voraus.

Bisher ist nicht erkennbar, dass sich die Grünen von der Pleiten-und-Pannen-Serie erholen. Hinzu kommt: Von der Schwächung der Grünen profitiert die Union derzeit mehr als die SPD. Das ist für Scholz eine bittere Erkenntnis. Egal wie sehr der SPD-Kanzlerkandidat strampelt, es zeigt sich kein nachhaltiger Stimmungsaufschwung für die Sozialdemokraten.

Und es ist auch nicht erkennbar, wie der herbeigeführt werden könnte. Der Amtsbonus des Vizekanzlers macht sich bisher so wenig in den Umfragen bezahlt wie die schärfere Abgrenzung vom Koalitionspartner Union. Und wenn weder der unionsinterne Hickhack und die Maskenaffären noch die grüne Fehlerserie der SPD helfen, was dann?

Ein Wahlkampf, kaum anders als die vorherigen

Nun kann man Laschet kaum vorwerfen, dass er angesichts dieser Gemengelage jede Auseinandersetzung zu vermeiden sucht. Auch ein Kanzlerkandidat springt nicht höher, als er muss. Und trotzdem bleibt es eine schlechte Entwicklung: Nach 16 Jahren an der Macht kann die Union darauf setzen, weitere vier Jahre den Kanzler zu stellen, ohne vorher Ideen und Impulse für eine Erneuerung des Landes liefern zu müssen.

Es plätschert alles Richtung Wahl, als gäbe es nicht riesige Herausforderungen: Wie will die nächste Regierung das Land durch eine mögliche vierte Corona-Welle steuern? Was ist mit der langfristigen Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme, allen voran der Rente? Wie lässt sich der Ausbau der digitalen Infrastruktur beschleunigen? Wie gelingt Klimaschutz, ohne die industrielle Basis zu gefährden? Und wie halten wir es mit der Staatsverschuldung?

Wer Antworten sucht, muss Hunderte Seiten Programme studieren, in denen vieles vage bleibt. Ansonsten hört man zu all diesen Fragen bisher zu wenig.

Dabei war doch das die Erwartung: ein Wahlkampf, der anders wird, weil die Amtsinhaberin nicht mehr antritt. Ein Aufbruch nach 16 Jahren Angela Merkel, endlich keine asymmetrische Demobilisierung mehr, sondern ein echtes Ringen um die besten Zukunftskonzepte, ein Herausstellen der Unterschiede der Kandidaten.

Noch wäre dafür Zeit im Wahlkampf. Sie sollte genutzt werden.  

Mehr: Pleiten, Pech und Pannen: Entgleitet Baerbock der Grünen-Wahlkampf?

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1 Kommentar zu "Kommentar: Schlafwandelnd ins Kanzleramt: Die Schwäche von Grünen und SPD macht es Laschet zu leicht"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Er hat gelernt lieber den Mund zu halten. Die Berbock habt es verlernt. Dadurch steht sie jetzt im Fokus der Presse.

    Nach langer Zeit hat er einmal das Richtige getan was ihm (nicht unbedingt Deutschland) jetzt zu Gute kommt.

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