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Kommentar Schlanke Strukturen sind ein Vorteil im Konjunkturabschwung

Ein Argument für Mischkonzerne ist, dass sie im Abschwung robuster sind. Das stimmt aber nicht, denn häufig gibt es Doppelstrukturen statt Synergien.
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Die Gewinnwarnung war ein Schock für die Branche – doch in Zukunft dürften weitere folgen. Quelle: dpa
BASF

Die Gewinnwarnung war ein Schock für die Branche – doch in Zukunft dürften weitere folgen.

(Foto: dpa)

Es ist längst keine Modeerscheinung mehr. Schon seit Jahren werden Mischkonzerne zerschlagen oder, vorsichtiger formuliert: Sie spalten sich auf. Sie trennen Geschäftsteile ab, verkaufen sie an Konkurrenten oder bringen sie an die Börse. All das stets in der Hoffnung, dass die Einzelteile mehr wert sein mögen als das übergreifende Konglomerat. Was die Großen wie Siemens mit Osram oder Bayer mit Covestro vorgemacht haben, ahmen nun auch die Kleinen nach. Vergangene Woche hat der Autozulieferer Leoni angekündigt, sich von seiner Kabelsparte zu trennen.

Die Treiber hinter solchen Spaltungsaktivitäten sind meistens die Investoren und Investmentbanken. Besonders gelitten sind diese „Zerschlagungen“ in der Öffentlichkeit nicht, was sich am Beispiel Thyssen-Krupp gut beobachten lässt. Vermutlich genau deswegen haben die Banker nun ein neues Wort für den Trend gefunden, das nicht mehr ganz so hässlich klingt: Sie reden jetzt von „Corporate Clarity“ – übersetzt bedeutet das in etwa die Klarheit der Unternehmensstruktur.

Hätte dieses Wort die Diskussion schon früher geprägt, wäre der Kampf um die Trennung bei Thyssen-Krupp zwischen Aufzug- und Stahlsparte vielleicht weniger heftig ausgefallen? Vielleicht hätte der Euphemismus der Diskussion in der Öffentlichkeit einen positiveren Anstrich gegeben. Aber die Stimmung im Unternehmen hätte es wohl kaum verbessert.

Die härtesten Gegner einer Aufspaltung oder Zerschlagung kommen meistens aus der Belegschaft. Sie argumentieren, dass ein Konglomerat stabilere Arbeitsplätze als ein Unternehmen bieten könne, das nur in einer Branche agiert. Denn während ein Konzern Probleme in einer Sparte mit Erfolgen einer anderen Branche ausgleichen kann, sind schlank aufgestellte Unternehmen dem Auf und Ab der Konjunktur direkt ausgeliefert. So schwankt der Börsenkurs der „Schlanken“ stärker. Und diese Unternehmen reagieren im Notfall schneller mit einem Stellenabbau – das kann den Arbeitnehmervertretern nicht gefallen.

Schon bald könnte sich diese hässliche Seite der „Klarheit“ von Unternehmensstrukturen zeigen. In den vergangenen Wochen kam aus den Unternehmen eine negative Nachricht nach der anderen: BASF und Daimler fielen mit heftigen Gewinnwarnungen auf. Angesichts der negativen Konjunkturaussichten und der hohen Risiken – etwa durch den Handelsstreit zwischen China und den USA – dürften bald noch mehr Konzerne solche Nachrichten liefern.

Einzelne Konzerne performen besser als ein Konglomerat

Sollte man also ein Loblied auf die großen Konglomerate anstimmen? Haben sie die besseren Antworten in einem schlechter werdenden wirtschaftlichen Umfeld, weil sie durch ihre Größe vieles abfedern können?

Das würde dann zutreffen, wenn die Konglomerate in unterschiedlichen Branchen tätig wären, die von der Konjunktur unterschiedlich betroffen sind.

Sie müssten es zudem schaffen, tatsächlich Synergien über die unterschiedlichen Sparten hinweg zu heben. Und sie müssten so gut geführt sein, dass trotz des Überbaus alle Bereiche für sich genommen ihre Potenziale voll entfalten können. Jeder einzelne dieser Punkte ist schwer zu erfüllen.

Blickt man auf die Aktienkurse, so lässt sich für die vergangenen Jahre feststellen, dass die Mehrheit der aufgespaltenen Unternehmen einzeln besser performt hat als die vorige Gesamteinheit – von wenigen Ausnahmen (wie Metro und Ceconomy beispielsweise) abgesehen, die in einem spezifischen Geschäftsbereich tätig sind, der für sich genommen schwierig ist.

Die Erfahrung lehrt, dass es statt Synergien häufig Doppelstrukturen gibt – und dass Großkonzerne dazu neigen, komplexe Entscheidungsstrukturen aufzubauen, die den gesamten Betrieb verlangsamen und viel Potenzial im Keim ersticken.

Eins darf man nicht falsch verstehen: Es waren nicht alle früheren Manager von Großkonzernen fehlgeleitet. Die Zeiten haben sich schlicht geändert. Vor einigen Jahren waren lange Entscheidungswege vielleicht sogar von Vorteil, weil sie dazu führten, dass Entscheidungen gut durchdacht waren. Heute führen sie dazu, dass Konzerne von der Konkurrenz überholt werden. Anders als früher brauchen auch junge Wettbewerber keine Jahre mehr, um gefährlich zu werden. Die Digitalisierung hat die Wirtschaft enorm beschleunigt.

Genau deswegen könnte ein schlank aufgestelltes Unternehmen in einer sich abschwächenden Konjunktur sogar besser gewappnet sein als ein Konglomerat: Das Management verheddert sich nicht in seiner eigenen Komplexität. Es kann die Weichen bei Veränderungen im Umfeld schneller umstellen, es kann sich besser im Wettbewerb positionieren.

Natürlich können auch Konglomerate einen Abschwung oder hausgemachte Probleme nicht aussitzen. Bricht die Nachfrage in einer Sparte weg, müssen sie umsteuern und im Zweifel Jobs streichen. Die Rechnung kommt also auch dann.

Mehr: Warum auch der Oetker-Konzern über eine Aufspaltung nachdenkt, lesen Sie hier.

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