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Kommentar Schluss mit dem debilen Dauergrinsen :-)

Vor 30 Jahren war es eine gute Idee, als ein Professor für künstliche Intelligenz den Smiley für die E-Mails erschuf. Doch mittlerweile nervt der inflationäre Gebrauch des Emoticons nur noch. Deshalb: Schluss mit lustig.
19.09.2012 - 12:06 Uhr 3 Kommentare
Smiley auf einem Mobiltelefon: Symbol für permanente Fröhlichkeit. Quelle: dpa

Smiley auf einem Mobiltelefon: Symbol für permanente Fröhlichkeit.

(Foto: dpa)

Ob Scott E. Fahlmann klar war, was er anrichtet, als er vor 30 Jahren seine Kollegen mit einer selbstgeschaffenen Zeichenfolge überraschte? Wohl kaum. Ein Doppelpunkt, ein Bindestrich und eine Klammer sollten eigentlich nur sicherstellen, dass die sarkastischen Witze des Professors für künstliche Intelligenz in Mails oder Forumsbeiträgen auch von allen Kollegen verstanden werden. Das seitwärts liegende Smiley war erfunden und gefiel nicht nur seinen Kollegen. Es trat einen Siegeszug durch die E-Mail-Kommunikation an, verbreitete sich wie ein Virus - und erschuf die Generation „Dauergrinsen“.

"Ich finde es grundsätzlich besser, die Smileys spärlich zu benutzen", warnte Fahlmann kürzlich in einem Interview. Doch sein Appell kommt leider viel zu spät. Die mittlerweile als Emoticons bezeichneten Smileys überziehen inflationär in tausenden Varianten Mails, Chats, ja sogar handschriftliche Briefe. Ohne Sinn und Verstand werden sie ans Ende von Stummelsätzen geworfen, kaum ein Facebook-Posting kommt noch ohne das nervende Grinse-Zeichen aus. Ob der Eintrag witzig, ironisch oder gar sarkastisch gemeint war, ist dabei meist völlig unerheblich. Was wie eine permanente Fröhlichkeit wirkt, ist in Wahrheit nur noch lästige Angewohnheit. Es heißt zwar Emoticon, transportiert aber nur noch selten wirklich Emotionen.

Anfangs war das liegende Smiley noch eine intelligente Spielerei mit Zeichen, die jeder kreativ verändern konnte. So entstand das Smiley mit einer 8 als Brille, das Semikolon sorgte für ein Augenzwinkern, ein Sternchen deutete versteckt einen Kuss an. Doch mittlerweile gibt es immer mehr Programme, die Doppelpunkt, Bindestrich, Klammer in ein plakatives gelbes Mondgesicht umwandeln - damit auch jeder ohne Nachdenken sofort versteht, dass er genau an dieser Stelle lachen soll, warum auch immer.

Florian Kolf, stellvertretender Chefredakteur Handelsblatt Online Quelle: Frank Beer für Handelsblatt

Florian Kolf, stellvertretender Chefredakteur Handelsblatt Online

(Foto: Frank Beer für Handelsblatt)

Beim Lesen von Mails oder Postings fühle ich mich immer öfter an das Klischee vom amerikanischen Touristen erinnert, der auf seinen Stippvisiten in europäischen Hauptstädte jedes halbwegs dekorative Gebäude breit strahlend wahlweise als „amazing“, „marvelous“ oder „fantastic“ bezeichnet - solange, bis ihn niemand mehr ernst nimmt. Die ursprüngliche Funktion, nämlich vor versteckter Ironie zu warnen, hat das Emoticon längst verloren. Und was noch schlimmer ist: Wer sich dem inflationären Einsatz der Smileys verweigert, gilt bereits als grob oder unhöflich.

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    Deswegen: Schluss mit dem debilen Dauergrinsen. Setzt die Grinse-Zeichen auf Diät und lächelt nur dann, wenn Ihr es wirklich ernst meint :-)

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    3 Kommentare zu "Kommentar: Schluss mit dem debilen Dauergrinsen :-)"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Sagen Sie dies doch bitte den Politikern! Dämliches Grinsen bei jeder Fotogelegenheit; aber worüber eigentlich? Die Realitäten sind nicht zum grinsen, es sei denn über ihre eigene Untugend.

    • Deswegen: Schluss mit dem debilen Dauergrinsen. Setzt die Grinse-Zeichen auf Diät und lächelt nur dann, wenn Ihr es wirklich ernst meint :-)

      ...mache ich... ;-)

    • :-)

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