Kommentar Schuld am Chaos bei Thyssen-Krupp sind Lehner und Hiesinger

Konzernchef Hiesinger und Aufsichtsratschef Lehner haben sich bei Thyssen-Krupp aus der Verantwortung gestohlen. Die Schuld wird einer anderen Person angelastet.
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Umschwung bei Thyssen-Krupp – So wehrt sich Kerkhoff gegen drohende Zerschlagung

Wenn sich erfahrene Topmanager vom Schlage eines Heinrich Hiesinger oder Ulrich Lehner über larmoyante Nieten in Nadelstreifen lustig machen, sagen sie gern: „Wem es in der Küche zu heiß ist, sollte nicht Koch werden.“ Ausgerechnet dieses Duo hat bei Thyssen-Krupp nun hingeschmissen und überlässt – um im Bild zu bleiben – den Scherbenhaufen hinterm Stahlofen anderen.

Fakt ist: Die beiden haben dem Konzern als CEO (Hiesinger) und Aufsichtsratschef (Lehner) einen gewaltigen Deal aufgebürdet: die Fusion der Stahlsparte von Thyssen-Krupp mit der des indischen Konkurrenten Tata. Als nach Jahren endlich alle Verträge unterschrieben waren, warf erst Hiesinger hin und dann Lehner. Begründung: Man habe nicht genug Rückhalt im Eigentümerkreis gespürt. Aha.

Zur Erinnerung: Von den zehn Mitgliedern, die diese Eigentümer im 20-köpfigen Kontrollgremium vertreten, haben sieben dem Deal zugestimmt. Es gab eine Enthaltung und zwei Gegenstimmen. Die zehn Arbeitnehmervertreter stimmten geschlossen pro. Machtvolle Opposition stellt man sich anders vor.

Das Drehbuch war dennoch schnell geschrieben: Verantwortlich sei vor allem Ursula Gather, Chefin der Krupp-Stiftung, die mit rund 21 Prozent immer noch den größten Einzelaktionär stellt. Klar: Frau, von Wirtschaft keine Ahnung und im Hauptberuf ja nur Rektorin der TU Dortmund. Wohlgemerkt: Gather hat der Fusion zugestimmt, obwohl sie begründete Bedenken hatte.

Der frühere Telekom-Chef René Obermann lehnte den Deal deshalb im Aufsichtsrat sogar ab, ebenso wie der Vertreter der Investmentgesellschaft Cevian. Aber der ist ja eh der Böse, weil er Thyssen-Krupp zerschlagen will, oder? Schuld am Chaos in Essen sind nicht Gather oder Cevian, sondern Lehner und Hiesinger – ein Duo Infernale, das sich nun ebenso beleidigt wie verantwortungslos aus dem Staub macht.

Der weitaus rationalere Kapitalmarkt hat sein Urteil schnell gefällt. Als Lehner ging, schoss der Thyssen-Krupp-Kurs nach oben. Das ist wahre Küchenpsychologie.

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3 Kommentare zu "Kommentar: Schuld am Chaos bei Thyssen-Krupp sind Lehner und Hiesinger"

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  • Thyssen Krupp hat in der Aufzugssparte den „Multi“, ein kabelloses Magnetschwebesystem entwickelt, bei dem mehrere Kabinen einen Schacht befahren können, auch horizontal fahren und somit mehrere Gebäude verbinden und an andere Verkehrssysteme anbinden können. Technologie, hoch effizient und platzsparend im Vergleich zu heutigen Aufzugssystemen.
    Bin gespannt von wem diese grandiose deutsche Ingenieursleistung einkassiert wird, wenn es zu einer Aufspaltung des Thyssenkrupp Konzerns kommt.
    Ein Aktionär

  • Bei dem Kommentar fragt man sich, ob denn der Kommentator besondere Beziehungen zu den angesprochenen Investoren hat. Der Kommentator macht den Rückhalt im AR von einer einzelnen Abstimmung abhängig. Die erscheint doch schon eine sehr verwegene Argumentation. Ebenso befindet sich der Kommentator auf dem Irrweg, wenn er ernsthaft annimmt, dass der Kauf einer Aktie automatisch eine positive Bewertung des Managements - bzw. negative des scheidenden Managements - beinhaltet. Wenn nunmehr der Weg zu einer Aufspaltung des Konzern frei scheint - dann winkt die Chance auf einen kurzfristigen benefit. Das dürfte schon alles sein.

  • Nieten in Nadelstreifen, Knaur-Verlag, Autor Günter Ogger, September 1995
    Das Buch ist immer noch topaktuell. Durch die digitale Welt, die die Möglichkeit bietet, Nachrichten über das Internet in Sekunden zu verbreiten, fallen Topmanager einfach schneller auf (siehe auch Stadler und die Dieselaffäre).
    Ich vermisse das deutliche Signal, dass Entscheider in den höheren Etagen ihre Bildung benutzen, wissenschaftlich fundierter arbeiten.
    "Ich habe das Gefühl, dass meist nur nach Gefühl entschieden wird. "
    Der GMV-Faktor fehlt (GMV = Gesunder Menschen-Verstand). Der ehrbare Kaufmann von 1517 muss wieder Konjunktur haben. Gottseidank gibt es eine Bewegung in diese Richtung.
    Mit den besten Westerwälder Grüßen
    Stefan Klein

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