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Kommentar Sechs Prozent sind keine Peanuts

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, das ist in Deutschland häufig keine Realität. Damit sich das ändert, braucht es den Blick über den eigenen Tellerrand.
18.03.2019 - 12:32 Uhr 2 Kommentare
Junge Frauen haben es nicht nur in klassischen Männerberufen wie dem Ingenieurswesen schwer, die Gehaltslücke zu schließen. Quelle: dpa
Arbeitsschutz

Junge Frauen haben es nicht nur in klassischen Männerberufen wie dem Ingenieurswesen schwer, die Gehaltslücke zu schließen.

(Foto: dpa)

Stellen Sie sich vor, dass Sie als Ingenieur in einer Baufirma arbeiten oder als Projektmanager in einer Bank. Sie machen einen guten Job. Sie arbeiten in einem Team mit drei anderen Kollegen: gleiche Qualifikation, gleiche Aufgaben, gleiche Hierarchiestufe. Und stellen Sie sich vor, Sie hätten grüne Augen. Und nun stellen Sie sich vor, dass Menschen mit grünen Augen wie Sie grundsätzlich sechs Prozent weniger Gehalt bekommen als die Kollegen mit braunen, blauen oder wie auch immer farbigen Augen.

Legt man dieses Gedankenspiel zugrunde, haben die Frauen in Deutschland grüne Augen. Hierzulande besteht noch immer eine bereinigte Lohnlücke von sechs Prozent zwischen Männern und Frauen. Bereinigt, weil Effekte wie der Umstand, dass Frauen häufiger Teilzeit und in schlecht bezahlten Berufen wie der Pflege arbeiten, bereits herausgerechnet sind.

Diese verbleibende Lohnlücke ist absurd und ungerecht. Und in einem System, das auf Leistungsträger und die Produktivität diverser Teams angewiesen ist, ist es auch unklug, sie nicht zu schließen.

Gewerkschaften gehen zwar auf die Straße, um für Leiharbeiter im Sinne der Formel „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ zu kämpfen. Aber bei der geschlechtsspezifischen Gehaltslücke, der Gender Pay Gap, bleibt die große Wut aus. Im Gegenteil, es schleicht sich bei Frauen Resignation und bei Männern allmähliche Sättigung ein. Dabei schwingt mit: „Was sind schon sechs Prozent – jetzt regt euch mal nicht so auf.“

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    Noch mal: gleicher Job, gleiche Qualifikation, sechs Prozent weniger. Wer glaubt, dass das Peanuts sind, sollte sechs Prozent seines Lohns künftig spenden.

    In den meisten Unternehmen steht hinter der Lohnlücke keine Strategie, kein böser Wille, aber vor allem kein bewusstes Handeln – und doch existiert sie. Verantwortlich sind dafür beide Seiten: Frauen haben oft Probleme, ihre guten Leistungen als solche zu erkennen, zu benennen und als Folge das einzufordern, was sie verdienen. Frauen – und auch die leisen Männer – müssen lauter werden.

    Aber richtig ist auch: Chefs dürfen nicht nur nach dem eigenen Ebenbild einstellen, fördern und befördern. Sie müssen sich fragen: Was fließt ein in meine Entscheidung? Habe ich jemanden übersehen? Kommt es mir vielleicht ganz recht, dass die Frau (oder der stille Mann) nicht nach dem Mehr an Geld fragt, das der Kollege bereits bekommt?

    Ein Unternehmen voller extrovertierter Entscheider funktioniert genauso wenig wie eines mit nur stillen Arbeitern. Um die Lohnlücke zu schließen, müssen sich beide Seiten überprüfen – damit Frauen endlich das verdienen, was sie verdienen.

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    2 Kommentare zu "Kommentar: Sechs Prozent sind keine Peanuts"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Sehr geehrte Frau Linde,

      in Ihrem Artikel bleiben die Urasachen der Lohnlücke im Dunkeln. Reden wir einmal darüber. Zunächst ist völlig klar, dass in Gesetzen und Tarifverträgen unterschiedliche Löhne für Männer und Frauen nirgendwo zu finden sind.

      Einen gewissen Ermessensspielraum hat ein Betrieb überhaupt nur insoweit, als er vielleicht auf freiwilliger Basis übertarifliche Zuschläge bezahlt. Und natürlich in Teilen des Dienstleistungsgewerbes, wo keine Tarifverträge gelten.

      Empirische Forscher sagen uns nun, dass dort die Lohnfindung zu einem Teil uralten Tradionen folgt. Gemeint ist damit die tradionelle Rollenverteilung der Geschlechter. Sie sieht die Rolle der Männer darin, eine Familie ernähren zu müssen. Wegen dieser Ernährereigenschaft billigen manche Betriebe den Männern einen kleinen Zuschlag zu. Auf der anderen Seite glaubt die Tradition, die Frauen müßten mit ihrem Gehalt nur sich selbst durchbringen (Ledige, Geschiedene, Verwitwete). Oder würden nur zur Aufbesserung des Familieneinkommens hinzu verdienen.

      Unschwer zu verstehen ist auch, dass diese tradierten "Gerechtigkeitsvorstellungen" auf beiden Seiten des Verhandlungstisches das Denken der Menschen prägen und deshalb nur sehr schwer auszurotten sind. Am ehesten wohl mit einem Realitätscheck: Heute gibt es nicht wenige Frauen, die als Alleinerziehende einige Kinder groß ziehen. Sie haben leicht erkennbar die Eigenschäft eines "Ernährers" und sollten dies auch bei Gehaltsgesprächen ins Feld führen. Vielleicht ist dies der Weg, die Lohnlücke ein großes Stück zu schließen.

    • Dumme Unternehmer!

      Warum nur beschäftigen Unternehmer die viel teureren Männer, wenn sie für die gleiche Arbeit viel billigere Frauen einstellen könnten?

      Es dürfte auch so gut wie keine arbeitslosen Frauen geben, da sie ja viel billiger arbeiten als die Männer. Gleiche Arbeit und viel weniger Lohn! Da wäre ja jeder Unternehmer dumm, wenn er nicht die Frau einstellen würde!

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