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Kommentar Seehofer bleibt nur noch ein Abgang zweiter Klasse

Kanzlerin Angela Merkel bleibt inzwischen nichts anderes mehr übrig, als Seehofer zu entlassen. Die CSU hat sich selbst ins Abseits manövriert.
5 Kommentare
Reißt er die Kanzlerin mit in den Abgrund? Quelle: AFP
Seehofer und Merkel

Reißt er die Kanzlerin mit in den Abgrund?

(Foto: AFP)

In der deutschen Politik gab es schon immer Schicksalsgemeinschaften. Ob Herbert Wehner und Willy Brandt, Franz Josef Strauß und Helmut Kohl oder heute Angela Merkel und Horst Seehofer. Sie liebten sich nicht, aber alle waren oder sind durch ihr Machtstreben und ihr politisches Handeln aufeinander angewiesen und voneinander abhängig. Irgendwann aber gehen diese Beziehungen auch zu Bruch.

Als Wehner aus Moskau Brandt unterstellte: „Der Herr badet gerne lau“, war dies der politische Todesstoß für den Kanzler. Horst Seehofer legte da noch eine Schippe drauf. Kürzlich erklärte der CSU-Chef, er könne mit der Frau Merkel im Kanzleramt nicht mehr zusammenarbeiten. Über ihr Gespräch am Samstag sagte er, es sei „sinn- und wirkungslos“ gewesen.

Schon allein das wäre ein Entlassungsgrund. Doch Seehofer hat einen besonderen Schutz, er ist Vorsitzender einer Partei, die die Koalition trägt. Noch.

Jetzt hat Seehofer seinen Rücktritt als Bundesinnenminister angeboten. Eines dürfte klar sein: Merkel wird ihn annehmen. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit ist zwischen den beiden nicht mehr möglich. Zu sehr haben sie sich in den letzten Jahren in der Flüchtlingskrise ineinander verhakt – auch wenn Seehofer mit einer achtköpfigen Waffenstillstandkommission heute in die CDU-Parteizentrale einzieht.

Sonntagnacht hätte er noch als größter Held nach Franz Josef Strauß in die CSU-Geschichte eingehen können, wenn er klare Kante gezeigt und unwiderruflich zurückgetreten wäre. Doch das haben er und seine Diadochen Markus Söder und Alexander Dobrindt verstolpert. Seehofer bleibt nur noch ein Abgang zweiter Klasse. Mit einer schnellen Entscheidung hätte er auch Merkel unter immensen Druck gesetzt.

Wie stehen die Chancen jetzt für die Kanzlerin, die täglich an Autorität verliert? Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble wies darauf hin, dass die Union am Abgrund steht. Ob Seehofer es noch wirklich schafft, Merkel mit in den Abgrund zu reißen, ist Stand heute vollkommen offen.

Seehofer und die Seinen haben ihre wirklich guten Karten in den letzten Wochen mehrere Male überreizt. Es gab in der Sache eine klare Mehrheit in der Unionsfraktion für die CSU-Position, bereits in anderen Ländern registrierte Flüchtlinge an der Grenze zurückzuweisen. Das hat die CSU mit Breitbeinigkeit und einer Prise Trumpismus kaputtgemacht.

Der große Fehler der CSU war es, aus der Sachfrage eine Machtfrage zu machen. Jetzt schart sich die CDU um ihre Kanzlerin. Das gehört zum politischen Einmaleins. Wenn die CDU-Vorsitzende nicht rettungslos verloren ist, dann schart man sich um sie und stürzt sie nicht. Bei Seehofer sieht es anders aus.

Hier bewahrheitet sich eine weitere politische Weisheit: Man liebt den Verrat, aber nicht den Verräter. Bayerns Ministerpräsident Söder hält sich schon vornehm zurück und erklärt, die CSU werde weder die Regierung verlassen noch die Fraktionsgemeinschaft infrage stellen.

Am Ende steht Seehofer ohne etwas da, und die Kanzlerin rettet sich vielleicht noch einmal – auch wenn das nicht von Dauer sein muss. Die Blicke in Teilen der CDU und der CSU richten sich nicht zum ersten Mal auf Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble.

Er wäre ein Kanzler, der allen drei Koalitionsparteien vermittelbar wäre. Der SPD-Führung, weil er wegen seines hohen Alters ein Übergangskandidat ist. Für die CDU ist Schäuble ein bekennender und leidenschaftlicher Europäer. Die CSU schätzt an ihm, dass er immer ein Konservativer geblieben ist, der als Bundesinnenminister für Recht und Ordnung stand. Einen Schönheitsfehler haben diese Spekulationen in der Union allerdings. Schäuble hat nie entschlossen nach der Kanzlerschaft gegriffen.

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5 Kommentare zu "Kommentar: Seehofer bleibt nur noch ein Abgang zweiter Klasse"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ja, ja, was wurde nicht alles geschrieben: "Abgang zweiter Klasse". So kann es kommen, wenn Journalisten zweiter Klasse den Politikern zweiter Klasse einen Abgang zweiter Klasse wünschen.
    Da kann sich der Leser dann auch bloß noch deklassiert fühlen.

  • Die Nationalmanschaft und die Regierung haben was gemeinsam. Sie schleichen ziellos übern Platz.

    Verbraucht, ausgelaugt, Altersstarrsinn, und maßlose Überbewertung der eigenen Person. Über wen rede ich hier? Herrn Seehofer? Ja, aber nur zum Teil, sondern auch über Frau Merkel, Herr Schäuble, Kauder usw. eigentlich über die ganze Regierung auch SPD. Wo ist die eigentlich???

    Herr Seehofer und Frau Merkel sind in ihren Wahnvorstellungen gefangen, dass nur die eigene Meinung die Richtige ist.
    Frau Merkel ist absolut Beratungsresistent. Mit Raute und wir schaffen das wiederholt sie seit 2015 immer den gleichen Satz. Nicht sie hat den Flüchtlingsstrom zum erliegen gebracht, was sie wider besseren Wissen behauptet, sondern es waren Österreich, Ungarn, die Balkanstaaten die durch Zäune und strikte Grenzkontrollen das unkontrollierte hereinströmen der Flüchtlinge unterbunden haben.

    Diesen Schock, dass Bayern von Flüchtlingen, die Frau Merkel gesetzeswidrig ohne jede Kontolle nach Deutschland ließ, überrannt wurde, sitzt in Herrn Seehofer und der CSU bis heute tief im Inneren.

    Aber Frau Merkel hat bis heute nicht begriffen, dass eine Regierung ohne Recht nur eine Räuberbande ist.

    Der Primat ist nicht die Politik, sondern das Recht, dem sich alles unter zu ordnen hat, auch Frau Merkel.

    Es gibt für mich nur eine Lösung, Rücktritt der Regierung Merkel und Neuwahlen. Dann kann der Souverän, das Volk, entscheiden.

  • Wieso erkennt eigentlich Niemand, dass Merkel wegen "Diesem kleinen Satz" Deutschland zum Abstürzen bringt? Dass weiblicher Alterstarrsinn das Land zu zerstören droht.

  • Es gibt an der Börse eine Weisheit, die mir schon viel Kummer erspart hat: wenn Analysten alles wüssten ;)
    Vielleicht sollte sich er eine oder andere politische "Experte", auch hier im Handelsblatt, daran mal erinnern, bevor er in die Tasten drückt.

    Es hat schon so viel politische Scharmützel in D gegeben. Ich erinnere mich noch an den Abgang Schröders 2005, Schmidt 1982 oder die Nummer mit Heide Simonis in SH. Barschel war auch nicht schlecht, und der gute FJS und Kohl haben ähnliches aufgeführt.
    Kein Journalist hat jeweils die Szenarien richtig vorhergesagt.

    Daher, warten wirs einfach ab, die Republik wird´s überleben.

  • Sehr geehrter Herr Sigmund,

    mag sein, dass Sie über eine langjährige politische Erfahrung verfügen. Dennoch scheint mir, dass Ihre Spekulationen über die weitere politische Entwicklung an den Haaren herbeigezogen sind. Abgang zweiter Klasse für Horst Seehofer? Wolfgang Schäuble als Übergangskanzler? Das sind doch reine Phantastereien und sonst nichts.

    Richtig nett von Ihnen, dass Sie in den Abgrund gucken. Stehen Sie dabei in Tuchfühlung mit Wolfgang Schäuble, der ebenfalls in den Abgrund blickt?

    Aber was die beiden Herren in diesem Abgrund sehen, wollen sie ihren Mitmenschen nicht verraten. Geht es wieder einmal um den bevorstehenden Untergang des Abendlandes? Oder sehen die Herren Abgrund-Gucker, dass die politischen Diskussionsthemen von geringer Wertigkeit sind und die Politiker nur eine Posse aufführen?