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Kommentar Selbstbetrugsmaschine Diesel – Autohersteller sollten Bau von Motoren stoppen

Um die Abgaskrise zu überwinden, werden VW, BMW und Daimler viel Geld in die Hand nehmen müssen. Sie wären gut beraten, endlich Konsequenzen zu ziehen.
17 Kommentare
BMW, VW und Co. sollten Bau von Diesel-Motoren stoppen Quelle: dpa
Dieselmotor

Der Diesel als sauberer Motor ist eine Täuschung, der wir alle nur zu gern aufgesessen sind

(Foto: dpa)

Der Dieselmotor ist die wohl größte Selbstbetrugsmaschine der vergangenen 20 Jahre, auf die Autofahrer, Politik und die Industrie selbst hereingefallen sind. Mit seinen vergleichsweise niedrigeren Verbrauchswerten war er für die Käufer die Alternative zum Benzinmotor; fast jedes zweite in Deutschland verkaufte Auto war ein Diesel.

Die Politik förderte ihn, weil durch ihn die Emission des Klimagases Kohlendioxid verringert werden sollte. Deutschland hat sich international zu einer deutlichen Reduzierung verpflichtet. Dies gilt auch für die Automobilindustrie, die für zu hohe CO2-Werte ab dem Jahr 2020 Strafen an die Europäische Kommission wird zahlen müssen.

Der Dieselmotor war von den Autobauern und weiten Teilen der Politik als Lösung für die Umweltprobleme angeboten worden. Es ist eine sonderbare Karriere, galten Diesel in den 90er-Jahren noch als „Stinker“, die mit ihren rußigen Abgasen die Umwelt verpesteten.

Dieser Ruf haftet dem Selbstzünder nun wieder an. Denn der Diesel als sauberer Motor ist eine Täuschung, der wir alle nur zu gern aufgesessen sind. Er versprach Mobilität bei einer minimalen Belastung für die Umwelt. Seitdem am 18. September 2015 bekannt wurde, dass Volkswagen die Werte seiner Dieselautos illegal geschönt hat, hat diese Täuschung ein Ende gefunden.

Es ist eine Enttäuschung im eigentlichen Wortsinn: Dieselmotoren belasten die Umwelt über Gebühr mit Stickoxiden, einem Atemwegsgift, das aus Sicht von Medizinern für den Tod vieler Menschen verantwortlich ist. Nach VW mussten Daimler, BMW und andere Autobauer Hunderttausende von Dieseln zur Nachrüstung in die Werkstätten zurückrufen.

Das aber hat nicht gereicht, um den Unmut unter den Autofahrern zu dämpfen. Im Gegenteil: Nachdem die umweltschädliche Wirkung des Diesels bekannt geworden ist, drohen ein Wertverlust bei den Fahrzeugen und Fahrverbote in besonders belasteten Städten.

Grafik

Mit ihren Tricksereien hat die Autoindustrie nicht nur ihre Kunden verprellt. Sie hat auch die Politik in ein Dilemma gestürzt. Zwar will die Bundesregierung Deutschlands wichtigste Branche schonen, allerdings verschwindet das Thema „Abgasskandal“ nicht vom Tisch.

Der Kompromiss wird nicht alle Probleme lösen

Drei Jahre lang hat die schwarz-rote Koalition dem Treiben zugeschaut, nun stellte die Regierung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ihre Lösung vor. Es ist ein breites Maßnahmenpaket mit dem Titel „Konzept für saubere Luft“, das die Nachrüstung kommunaler Fahrzeuge wie Busse oder der Müllabfuhrlaster vorsieht.

Der wichtigste Teil umfasst aber eine Verpflichtung der Autobauer, ältere Diesel zurückzukaufen und einige wenige Modelle mit neuen Abgasreinigungssystemen nachzurüsten. Der Plan ist ein Kompromiss zwischen Bundesregierung und Industrie, der sicherlich nicht alle Probleme lösen wird. An dem Paket zeigt sich aber eines ganz sicher: Um die Abgaskrise zu überwinden, werden VW, BMW und Daimler viel Geld in die Hand nehmen müssen.

Pro Fahrzeug werden sie beim Wechsel von Alt auf Neu bis zu 10.000 Euro zuschießen müssen. Das ist deutlich mehr als der Abschlag, den die Hersteller derzeit beim Verkauf von Neuwagen gewähren müssen. Außerdem sind da noch die Kosten für die Nachrüstung einiger Dieselmodelle. Zwar sollen die Arbeiten von Drittanbietern übernommen werden, die Kosten dafür müssen aber die Autoproduzenten übernehmen. Pro Nachrüstung werden dies rund 3000 Euro sein.

Unter dem Strich werden sich die Belastungen auf mehrere Milliarden Euro summieren. Das Geld fehlt den Firmen für die Entwicklung neuer Antriebe wie etwa des Elektroautos.

Mit der Nachrüstung wird der Diesel als umweltfreundliche Alternative zum Benzinmotor entzaubert. Der Verbrauch der Fahrzeuge wird damit um rund zehn Prozent steigen, wie selbst die Automobilindustrie einräumen muss. Die zusätzlichen Kosten bleiben übrigens allein beim Fahrer hängen.

Angesichts der finanziellen Belastungen für Industrie und Kunden und der nicht vorhandenen Vorteile bei den Umweltwerten hat der Dieselmotor ausgedient. Die Autohersteller wären gut beraten, endlich die Konsequenzen zu ziehen und die Gelder aus der Entwicklung in andere Felder umzuleiten.

Ein Ausstieg mag am Ego einiger Automanager nagen, die den Diesel als Allheilmittel lange Zeit propagiert haben. Das Scheitern dieses deutschen Sonderwegs einzugestehen wäre aber konsequent. Die Absatzchancen für Diesel in den wichtigsten Automärkten China und USA waren schließlich schon vor dem Abgasskandal gering.

Der Weg aus der Dieseltechnologie ist gangbar, wie Volvo zeigt. Der schwedische Premiumhersteller setzt konsequent auf Elektroantriebe und ist damit eine glaubhafte Alternative zu Audi, BMW und Daimler geworden.

„Das Diesel-Konzept der Koalition ist für private Dieselbesitzer nichts Neues“

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17 Kommentare zu "Kommentar: Selbstbetrugsmaschine Diesel – Autohersteller sollten Bau von Motoren stoppen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Nun auch das Handelsblatt. Verbreitet sinnlosen Kommentar ohne nachvollziehbare Faktenlage. Habe hier noch nie sowas unreflektiertes gelesen.
    Oder habe ich die Ironie nicht verstanden? Aprilscherz?

  • Die Ansicht von Herrn Murphy teile ich nicht, ich sehe in der Diesel-Technologie noch erhebliches Zukunftspotential. Das ändert nichts daran, dass Politik (und vielleicht auch Justiz?) auf ganzer Linie versagt haben. Die Trickser und Betrüger auf Seiten der Hersteller und Zulieferer gehören samt und sonders vor Gericht gestellt und verurteilt, da wurde viel zu sehr gekuschelt. Diese Leute haben nicht nur Millionen von Autokäufern betrogen, sondern auch den Ruf der deutschen Industrie weltweit besudelt. Geschützt werden muss hingegen der arglose Dieselfahrer, nicht nur vor den Kriminellen in den Vorständen sondern auch vor dem Fahrverbots-Furor dieses ominösen Abmahnvereins mit dem irritierenden Begriff "Umwelthilfe" im Namen.

  • Neben einigen Tippfehlern in meinem Kommentar, die ein Leser vermutlich aushält, habe ich aber leider vergessen, das "Versagen der Politik" und die "kriminellen Automanager" in Anführungszeichen zu setzen. So entsteht ein von mir nicht beabsichtigter undifferenzierter und populistischer Zungenschlag. Gemeint waren die Begriffe ironisch. Hat sich's wer trotz der fehlenden Strichelchen schon gedacht? ;-)

  • Ich muss den weit überwiegenden negativen Kommentaren zustimmen und möchte sie nicht wiederholen. Es ist höchst bedauerlich, dass im HB derartig „miserabel“ kommentiert werden kann. Die fehlende Sachkenntnis der Politiker wird hier fast übertroffen! Die Wirkung auf die (meisten) Bürger ist durch diese Art „Desinformationen“ nur geeignet, die Politik Verdrossenheit weiter anzuheizen.

  • Sehr geehrter Herr Murphy ! Sehr geehrte Redaktion vom Handelsblatt !
    Dieser Kommentar als Plädoyer zum Abschaffen des Dieselmotors ist bestenfalls als AHNUNGSLOS zu qualifizieren. Ich kann mich den Argumenten vom Kommentator Herrn Schlegel nur anschließen und versehe beim besten Willen nicht, wie im Handelsblatt so ein fachlicher Unsinn Einzug finden kann.
    Die Elektromobilität ist aufgrund der ungelösten Problematik der Resourcen zur Produktion der Akkus und der Entsorgung derselben ganz klar eine Sackgasse, von der mangelnden Reichweite ganz abgesehen. Der Strom kommt auch nicht aus der Steckdose bzw. wie es sein sollte aus meinem Solardach (was bei Dieselfreaks wie mir sogar möglich wäre, aber ich werde mich hüten, ein Elektroauto zu kaufen, in der Stadt fahre ich da lieber Fahrrad und für die normalen Strecken von mehr als 150 km tuckert mein Diesel, der strenge Normen erfüllt, von denen wir vor 10 Jahren nur träumen konnten).
    Ich frage mich immer wieder: soll dies ein ernstzunehmender Kommentar in einer früher von mir geschätzten deutschen Zeitschrift wie dem Handelsblatt sein ? Oder habe ich die Satire nicht erkannt? Oder gilt hier Murphys Gesetz, daß das, was journalistisch schief gehen kann, auch schief geht.
    Nein, es ist schlimmer. Auch im Handelsblatt finden wir mangelhafte Sachkenntnis mit dafür ideologischer Verbrämung. Ich fordere das Handelsblatt auf, die unsinnigen Argumente zu unterlassen und den Sachverstand walten zu lassen. Nicht zuletzt: zeigen Sie bitte einen ordentlichen Dieselmotor, mein 12 Jahre alter 6 Zylinder Diesel hat einen viel saubereren Motor als das ideologische Bild im Kommentarbeitrag von diesem Herrn Murphy. Ich bin entsetzt.
    Schöne Grüße Professor Dr. Thomas Krzizok

  • Netter Kommentar, Mister Murphy. Und dabei von Sachkenntnis weitgehend ungetrübt. Das einzige Argument, das der normale Populismus-Adressat wie ich mit Ihnen teilen kann, ist das der Kritik am Betrug der Diesel-Kunden durch die deutschen Autohersteller. Das war's dann aber auch bereits. Die Nox-Emmissionen der in Deutschland betriebenen Verkehrsmittel haben sich - trotz wachendem Diesel-Anteil. Noch eine Zahl: der US-Bundesstaat Kalifornien - in Größte und Bevölkerung vergleichbar mit der BRD - und nicht bekannt als Heimstatt der US-Diesel-Lobby, vermeldete im Jahr 2014 verkehrsbedingte NOx-Emissionen in Höhe von 416 Kilotonnen. Im gleichen Jahr war die Zahl der etwas größeren BRD bei etwa 500 Kilotonnen, also in etwa in der gleichen Größenordnung. (Quellen: https://gispub.epa.gov/neireport/2014/; https://www.umweltbundesamt.de/daten/luft/luftschadstoff-emissionen-in-deutschland/stickstoffoxid-emissionen#textpart-1). Fällt Ihnen etwas auf, Herr Murphy? Die strenge US-EPA-Normung und die Segnungen der Elektromobilität in den USA führen zu den gleichen Ergebnissen wie das Versagen von Politik ("Danke, Merkel") und kriminellen Auto-Managern in Deutschland. Daraus kann jeder seine Schlüsse ziehen. Aber eines wird uns die Zukunft lehren: N+1 Fahrverbote später werden wir merken, dass die Luft per Saldo kaum besser wird - weil wir de facto die beste Luft atmen, die während des Industriezeitalters je Menschen zu Verfügung stand. Und außerdem werden wir lernen: Staus und überfüllte Straßen fühlen sich in Elektroautos ähnlich an wie in Dieselstinkern. Bis dahin aber werden Sie, Herr Murphy, bestimmt eine andere Sau gefunden haben, die Sie in Ihrem Bemühen um Vereinfachung komplizierter Themen publikumswirksam durch's Dorf treiben können.

  • Der Artikel trifft den Kern der Problematik schon ganz gut.
    Jahrelang haben hochqualifizierte und talentierte Ingenieure eine über 100 Jahre alte Technologie perfektioniert. Ob man langfristig gesehen in die richtige Richtung fuhr, wurde auch aufgrund perverser Incentives wie die Pendlerpauschale und die steuerliche Begünstigung des Diesels nicht diskutiert. Und als sich die Realität nicht mit den Grenzwerten in Übereinstimmung bringen liess, wurde auf kurzsichtige Weise betrogen.
    Ist doch kein Sakrileg wenn angesichts der nun verfügbaren Optionen an Hybrid- und Elektroautos wie auch der normativen Vorstöße in anderen Ländern der durch die deutsche Autoindustrie eingeschlagene Technologiepfad in Frage gestellt wird.

  • Dieser Artikel ist eine Zumutung für jeden interessierten Leser.
    Würde er nicht im Handelsblatt stehen , würde ich ihn als „fake“ titulieren. Einfach unterirdisch.

  • Echt enttäuschend von HB, dass so etwas Schwaches ohne Fakten und analytischer Betrachtung gedruckt werden darf.

  • Und ein solch falsch recherchierter Beitrag von einem Chefreporter? Das Handelsblatt glaubt sich wohl Alles erlauben zu können?

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