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Kommentar SheToo – die MeToo-Debatte braucht einen Perspektivwechsel

Ein junger Mann soll von einer Schauspielerin missbraucht worden sein. Der Fall zeigt, dass die MeToo-Debatte dringend ein sachliches Fundament braucht.
21.08.2018 - 16:29 Uhr Kommentieren
Die Aufregung um die Schauspielerin zeigt, wie aufgeladen die MeToo-Debatte mittlerweile eigentlich nur noch um die Zerstörung weiterer Existenzen kreist. Quelle: AP
Asia Argento

Die Aufregung um die Schauspielerin zeigt, wie aufgeladen die MeToo-Debatte mittlerweile eigentlich nur noch um die Zerstörung weiterer Existenzen kreist.

(Foto: AP)

Normalerweise wäre die Nachricht in seriösen Medien allenfalls als kleine Meldung auf den bunten Seiten gelandet: Eine Schauspielerin soll einem zum Zeitpunkt der Tat 17-jährigen jungen Mann außergerichtlich Geld bezahlt haben, um dessen Klage wegen sexuellen Missbrauchs abzuwenden.

Doch bei der Darstellerin handelt es sich um Asia Argento, italienische Mitinitiatorin der MeToo-Debatte, die im vergangenen Jahr nicht nur den einst übermächtigen Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein zu Fall gebracht hat.

Prompt drehten Social Media und etablierter Medienzirkus wieder durch: Weinstein soll doch eigentlich Argento vergewaltigt haben, die sich nun ihrerseits Missbrauchsvorwürfen ausgesetzt sieht? Für alle, die MeToo nie verstanden haben oder verstehen wollten, ist der Fall ein Beweis bisheriger Gender-Heuchelei. Aber was belegt er wirklich?

Fakt ist: Ein Opfer kann nun mal zugleich auch Täter(in) sein, was übrigens auch umgekehrt gilt. Der Fall Argento zeigt, wie aufgeladen die MeToo-Debatte mittlerweile eigentlich nur noch um die Zerstörung weiterer Existenzen kreist. Es ging zuletzt ja nicht mehr um Aufklärung und Besserung, sondern nur noch um die nächste Hinrichtung.

Fakt ist aber auch: Der Fall Argento ist eine Chance, die wichtige, nur leider irgendwann sehr zerstörerisch gewordene MeToo-Debatte wieder – oder endlich – auf ein sachliches Fundament zu heben.

Zugegeben, das ist angesichts der Emotionalität des Sujets nicht einfach. Verhandelt wird ja kein Ladendiebstahl. Aber es täte der Diskussion zugleich gut, wenn sie endlich aus der Geschlechterkampf-Ecke herausfände, ebenso wie aus der vermeintlichen Komfortzone der Eliten.

Bislang ging es vor allem um Filmproduzenten und Regisseure, Schauspieler, Dirigenten, Politiker, kurz: um Prominente. Aber mal ehrlich: Ist der Machtmissbrauch, das Mobbing, die Übergriffigkeit ein paar Etagen tiefer nicht weiter an der traurigen Tagesordnung?

Wer kümmert sich denn bitte um die Zimmermädchen, Kellnerinnen, Sekretärinnen? Wer hat sich mal ernsthaft die Verhaltensmuster in kleineren Unternehmen angeschaut? Dorthin reicht bislang keine Lobby.

So manche Topmanager und Unternehmenschefs sind – auch hierzulande – in den vergangenen Monaten ihre Affären auf juristische Risiken hin durchgegangen. Dabei sollte es ihnen um den gerade ganz oben so gern beschworenen Kulturwandel gehen. Und da ist noch viel zu tun für ein besseres Betriebsklima, ja: mehr Menschlichkeit.

Wo beginnt Gewalt gegen andere? Welche Machtstrukturen begünstigen Übergriffe? Wie lässt sich das Miteinander besser organisieren? Auf all das brauchen wir Antworten, keine Schlagzeilen. Fakt ist, und auch das zeigt der Fall Argento: Es bleibt kompliziert.

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