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Kommentar Shortseller haben eine wichtige Funktion für die Börse

Die immer wieder aufkommende Forderung nach einem Verbot von Shortsellern mag verständlich sein. Doch eine funktionierende Börse benötigt Wetten auf fallende Kurse.
27.10.2020 - 17:37 Uhr Kommentieren
Wer glaubt, dass Shortseller – wie beim Kursverfall der Wirecard-Aktien geschehen – immer viel Geld verdienen, der irrt. Quelle: AP
Wirecard

Wer glaubt, dass Shortseller – wie beim Kursverfall der Wirecard-Aktien geschehen – immer viel Geld verdienen, der irrt.

(Foto: AP)

Düsseldorf Das Verhalten von Hedgefonds, bei Aktien auf fallende Kurse zu setzen, wirft stets die gleiche Frage auf: Sollte man solche Spekulationen nicht einfach verbieten? Erst recht, wenn sie sich gegen Unternehmen richten, die im aktuellen Umfeld gutes Geld verdienen und zu den wenigen Gewinnern der Coronakrise gehören – Hellofresh, Shop Apotheke und Co.? 

Die Antwort lautet Nein. Denn die Shortseller spielen auf den Finanzmärkten eine wichtige Rolle. Sie reduzieren das Risiko für viele Investoren und haben eine wichtige Korrektiv-Funktion. 

Vielleicht hängt der kritische Blick auf diese Fonds damit zusammen, dass ihre Taktik schwer zu verstehen ist: Die Leerverkäufer bieten etwas an, das ihnen gar nicht gehört. Sie leihen sich bei einem Händler, einer Bank oder einem Investmentfonds Aktien gegen eine Gebühr.

Diese Papiere verkaufen sie dann an der Börse. Sinkt der Aktienkurs, geht ihre Spekulation auf: Sie kaufen die geliehenen und dann verkauften Papiere später zu einem niedrigeren Preis an der Börse und geben sie zurück an den Leihgeber. Die Differenz von Verkaufs- und Rückkaufkurs ist ihr Gewinn.

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    Doch wer glaubt, dass diese Shortseller – wie beim Kursverfall der Wirecard-Aktien geschehen – immer viel Geld verdienen, der irrt. Ja, bei Wirecard lagen sie richtig. Aber in vielen anderen Fällen liegen sie falsch.

    Das beste Beispiel dafür sind die Tesla-Aktien. Mitte des Jahres hatten Hedgefonds mit ihren Short-Wetten auf das Papier einen Verlust von mehr als 23 Milliarden Dollar eingefahren. Auch wenn ein großer Teil Buchverluste waren, die Aktie ist seitdem weiter gestiegen und hat diese Verluste noch vergrößert.

    Investoren können mit Hedgefonds-Strategien ihr Risiko verringern

    Das Problem der Shortseller bei Tesla: Sie mussten so viele Tesla-Aktien zurückkaufen, um ihre Wetten zu schließen, dass sie dadurch den Tesla-Kurs immer weiter nach oben getrieben und den Verlust für die noch offenen Wetten vergrößert haben. Fachleute nennen das einen Short-Squeeze, einen plötzlichen rasanten Kursanstieg, ohne dass sich fundamentale Werte geändert haben.

    Doch das alles ist nur ein kleiner Teil aus der Welt der „Shorties“. Investoren können mit Hedgefonds-Strategien ihr Risiko auch deutlich verringern: Beispielsweise, indem sie auf höhere Kurse am US-Aktienmarkt gegenüber dem deutschen Markt setzen. Dadurch können sie selbst im größten Crash noch Rendite erzielen, solange die US-Kurse weniger fallen als deutsche Titel.

    Und angesichts der anhaltenden Ertragsschwäche der deutschen Banken und der steigenden Finanzkraft der US-Kreditinstitute hätte man in der Vergangenheit eine fast risikolose Rendite sogar mit der Deutschen Bank und der Commerzbank erzielen können. Man hätte nur US-Bankenwerte kaufen und die deutschen Bankentitel „leerverkaufen“ müssen.

    Leerverkäufe sind facettenreich, doch die Botschaft ist einfach. Jeder Investor, vom milliardenschweren Hedgefonds bis zum kleinen Privatanleger, sollte die Möglichkeit haben, sich am Markt frei zu bewegen. 

    Eines ist aber auch klar: Falls sich herausstellt, dass Shortseller gezielt falsche Anschuldigungen gegen ein Unternehmen platzieren, um anschließend von einem Kursrutsch zu profitieren, dann müssen drastische Strafen verhängt werden. Interessanterweise rufen jedoch nur wenige nach Verboten, wenn die Kurse gezielt mit Gerüchten nach oben getrieben werden.

    Mehr: Was die Macht der Shortseller für Privatanleger bedeutet

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