Kommentar Showroom statt Abverkaufsfläche – Media Markt und Saturn müssen ihre Filialen anders nutzen

Um zu überleben, muss der Elektronikhändler seine Verkaufsfläche radikal reduzieren und ganz anders einsetzen. Das erfordert viel Durchhaltevermögen.
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Media Markt und Saturn: Vom Showroom zum Kaufladen Quelle: dpa
Media Markt

Wenn immer weniger Kunden in die Märkte kommen, wird das Filialnetz zur Belastung.

(Foto: dpa)

Noch vor wenigen Jahren galt für Händler die rasante Expansion mit Hunderten von Filialen als Beleg dafür, dass sie es geschafft haben, sich im Markt durchzusetzen. Bestes Beispiel: Media Markt und Saturn. Während immer mehr kleine Radio- und Fernsehgeschäfte dichtmachten, bauten sie einen Verkaufspalast nach dem anderen in die Innenstädte.

Doch mittlerweile zeigt sich, dass eine hohe Zahl an Filialen nicht automatisch wirtschaftlichen Erfolg bringt. Nicht trotz, sondern gerade wegen ihrer großen Verkaufsfläche rutschten die Elektronikketten in die Krise.

Ganz brutal sah man das schon bei der Pleite von Schlecker. Die Drogeriekette hatte zeitweise fast im Tagesrhythmus neue Läden eröffnet. Dahinter stand der Irrglaube, dass stetig steigender Umsatz sinkende Kosten bringt und das Geschäft so zwangsläufig profitabel bleibt. Die Wachstumswut überdeckte aber die strukturellen Schwächen und Managementfehler.

Das rasante Wachstum des Onlinehandels hat aus solch spektakulären Einzelfällen ein Massenphänomen gemacht. Gerade im Modebereich haben sich viele Händler, von Tom Tailor über Boss bis Gerry Weber mit der Filialexpansion verhoben. Wenn immer weniger Kunden in die Geschäfte kommen, wird Ladenfläche vom Kapital zum Ballast. Das gilt verschärft für kostenintensive Warenhäuser und Verbrauchermärkte.

Dass mittlerweile selbst Onliner wie Zalando und Amazon auch Geschäfte eröffnen, ist kein Beleg für eine Renaissance des stationären Handels, sondern illustriert nur den Bedeutungswandel des Ladenlokals. Es ist nicht mehr in erster Linie Abverkaufsfläche, sondern ein Showroom, in dem Kunden die Produkte anfassen und erleben können.

Das ist auch die einzige Perspektive für Media Markt und Saturn. Sie müssen Herstellern eine attraktive Bühne für ihre neuen Produkte bieten, vielleicht sogar gegen eine Miete für die Fläche. Wenn das gepaart wird mit guter, unabhängiger Beratung und Service, werden die Kunden wieder in die Geschäfte kommen. Denn nur dort bekommen sie die Produkte erklärt, können sie ausprobieren und erhalten Hilfe beim Anschluss der Geräte.

Die schlechte Nachricht für die Händler: Dafür brauchen sie nur noch einen Bruchteil der heutigen Verkaufsfläche. Von heute auf morgen trennen können sie sich von ihr jedoch meist nicht, weil viele Immobilien langfristig gemietet oder sogar im Eigentum sind.

Deswegen werden Unternehmen wie Media Markt/Saturn, oder auch Kaufhof/Karstadt – selbst wenn sie alles richtig machen sollten – noch durch ein ganz tiefes Tal gehen müssen, bevor sie möglicherweise wieder eine gesicherte Zukunft haben. Wenn sie überhaupt so lange durchhalten können.

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