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Kommentar Sicherheitsbehörden fordern Hintertür bei 5G – das offenbart eine gefährliche Doppelmoral

Deutschen Strafverfolgern ist 5G zu sicher. Sie fordern Hintertüren im Gesetz. Doch dieser Vorstoß sendet ein falsches Signal und ist gefährlich.
16.07.2019 - 16:51 Uhr 1 Kommentar
Bei Komponenten für 5G-Netze ist vor allem ein Unternehmen führend: Huawei. Quelle: Reuters
5G

Bei Komponenten für 5G-Netze ist vor allem ein Unternehmen führend: Huawei.

(Foto: Reuters)

Deutschen Strafverfolgern ist der nächste Mobilfunkstandard zu sicher. Richtig gelesen: zu sicher. Das klingt nicht nur abstrus. Das ist es auch. Die nächste Mobilfunkgeneration ist deutlich sicherer als ihr Vorgänger. Das wird es Ermittlern schwerer machen, Verbindungen von Verdächtigen abzugreifen.

Deshalb fordern sie, Hintertüren einzubauen. Klingt verständlich, ist aber gefährlich. Seit Monaten wird in Europa über die Sicherheit der Netze diskutiert. Bislang richtete sich die Debatte vor allem darauf, wie der Mobilfunk besser vor Sabotage und Spionage geschützt werden kann. Schließlich soll der Echtzeitmobilfunk 5G vor allem der Industrie helfen.

Wenn dort Maschinen genau aufeinander abgestimmt in der Produktion eingesetzt werden, steigt jedoch das Risiko für Cyberspionage. Wem es gelingt, Daten abzugreifen, der kann im schlimmsten Fall an Informationen über die am besten gehüteten Firmengeheimnisse kommen. Die vernetzte Produktion soll Firmen effizienter machen. Sie macht sie aber auch angreifbarer.

Daher war es richtig, dass eine neue Debatte über die Sicherheit der Netze angestoßen wurde. Dabei drehten sich viele der Überlegungen um den richtigen Umgang mit dem chinesischen Netzausrüster Huawei. Das Unternehmen ist führend bei Komponenten für 5G-Netze. Und seine Produkte sind günstiger als die der europäischen Konkurrenten Ericsson und Nokia. Doch Huawei hat seine Firmenzentrale im südchinesischen Shenzhen.

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    Zwar beteuert die Firma, dass sie freiwillig Einblick in ihre Produkte gibt und Sicherheitsbehörden sogar den Quellcode offenlegen will, um zu zeigen, dass es keine Hintertüren in den Geräten gibt. Doch letztlich kann Peking von allen Firmen im Land Kooperation verlangen. Dieses Risiko kann Huawei nicht auflösen. Und eine Verlagerung der Firmenzentrale ins Ausland hat Firmengründer Ren Zhengfei ausgeschlossen.

    Eingebaute Schwachstellen sind abstrus

    Bislang waren es unter anderem deutsche Sicherheitsdienste, die auf einen besonders strengen Umgang mit Huawei gedrängt haben. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik formuliert derzeit in Abstimmung mit der Bundesnetzagentur einen Sicherheitskatalog für den Einsatz von Netzausrüstern.

    Doch jetzt sind es ebendiese Sicherheitsdienste, die auf der einen Seite vor einer mangelnden Sicherheit der 5G-Netze durch den Einsatz von Huawei-Technik warnen, auf der anderen Seite aber eine gezielte Schwächung der Netzsicherheit in eigenem Interesse fordern.

    Sie wollen, dass sie auch bei 5G die Telekommunikationsüberwachung, kurz TKÜ, in vollem Umfang nutzen können. Dafür soll es von Anfang an eingebaute Schwachstellen in den Systemen geben. Das ist abstrus.

    Es ist ein Irrglaube, davon auszugehen, dass eine für deutsche Strafverfolger eingebaute Sicherheitslücke auch wirklich nur von Staatsbediensteten genutzt werden könne. Eine Lücke ist in erster Linie eine Lücke. Jeder, der sie entdeckt, kann sie auch ausnutzen. In regelmäßigen Abständen werden eklatante Sicherheitslücken in weitverbreiteter Software und digitalen Produkten bekannt.

    Oft gibt es Hinweise, dass Sicherheitsbehörden für die Hintertüren verantwortlich sind, wie etwa bei Zugriffsmöglichkeiten auf das Microsoft-Betriebssystem Windows, die schon Ende der 1990er-Jahre bekannt wurden.

    Seitdem ist die Liste immer länger geworden. Die Erkenntnis der Cyberspezialisten ist jedoch unverändert. Sie wiederholen mantraartig, dass eine Sicherheitslücke nur einer Person oder Organisation vorbehalten bleibt. Wer aber digitale Dienste oder Produkte mit geheimen Zugängen versieht, öffnet auch Türen für unerbetene Besucher. Trotz dieser Erkenntnisse nehmen die Versuche von staatlichen Stellen zu, die Sicherheit der digitalen Kommunikation zu schwächen.

    Das Bundesinnenministerium erwägt etwa, die Verschlüsselung von Messengerdiensten wie WhatsApp, Signal oder Threema auszuhebeln, um die Kommunikation von Verdächtigen mitlesen zu können. Die Regierung und die Sicherheitsdienste sollten ihre Spionagewünsche zurückziehen. Die Gefahr für die Wirtschaft und den einzelnen Bürger ist viel zu groß. Das Aushebeln der möglichen Sicherheitsstandards lässt sich nicht rechtfertigen.

    Gerade beim 5G-Mobilfunk muss größtmögliche Sicherheit an erster Stelle stehen. Es ist nicht auszudenken, welche Folgen es für die deutsche Industrie hätte, wenn Produktionsgeheimnisse einfach ausgelesen werden könnten – und das nur, weil Sicherheitsbehörden Ausrüster und Netzbetreiber dazu gedrängt haben, gezielt Schwachstellen in ihre Systeme einzubauen.

    Der Wunsch nach größtmöglicher Sicherheit bei 5G ist wichtig und richtig. Es geht nicht, dass Sicherheitsdienste Huawei als Cyberrisiko darstellen, sie aber selbst auf Hintertüren in den Systemen drängen. Die Sicherheit unserer Netze ist nicht verhandelbar.

    Mehr: Auf kleiner Fläche hat der Bonner Konzern ein Testnetz freigeschaltet. Die Konkurrenten der Telekom umwerben zunächst vor allem Kunden aus der Industrie.

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    1 Kommentar zu "Kommentar: Sicherheitsbehörden fordern Hintertür bei 5G – das offenbart eine gefährliche Doppelmoral"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Die Einführung von 5G ist höchst kritisch, massive gesundheitliche Auswirkungen auf Mensch, Tier und Umwelt gehe dem einher. Leider muss auch in diesem Fall beklagt werden, dass weder Industrie, Mobilfunkanbieter noch Regierung sich an diese Grundlagen zum Schutz der Bevölkerung halten.

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