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Kommentar Sind die Börsen ein Spiegelbild unserer Wirtschaft? Von wegen!

Den meisten Konzernen geht es trotz Corona gut. Deshalb spekulieren Anleger zu Recht auf höhere Aktienkurse. Dabei hilft nicht nur China.
22.01.2021 - 04:00 Uhr 1 Kommentar
Die Aktienkurse spiegeln nicht immer wieder, wie es der Wirtschaft wirklich geht. Quelle: dpa
Deutsche Börse in Frankfurt

Die Aktienkurse spiegeln nicht immer wieder, wie es der Wirtschaft wirklich geht.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Seit Monaten fragen sich nicht nur verdutzte Anleger, wie es eigentlich sein kann, dass die Börsen von einem Rekord zum nächsten eilen. Trotz Corona und des erneuten Herunterfahrens der Wirtschaft. Trotz des zweitstärksten Wirtschaftseinbruchs in der deutschen Nachkriegsgeschichte mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um gut fünf Prozent.

Doch die mutigen Anleger der ersten Welle im Frühjahr, als die Börsen noch weit tiefer standen als jetzt, aber auch die Nachzügler der zweiten Welle im Spätherbst haben wohl vieles richtig gemacht. Die Unternehmen liefern, worauf die Anleger mit steigenden Aktienkursen frühzeitig spekuliert haben.

Nach dem Spezialchemiekonzern Covestro und der Deutschen Post, die angesichts der Paketflut sogar ihre Jahresprognose noch kurz vor Ultimo erhöht hat, präsentierte jetzt auch Europas größter Chemieriese BASF starke Vorabzahlen. Im Schlussquartal legte der Umsatz um acht Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Dabei geht es wohlgemerkt um einen Vergleichszeitraum, als es die Pandemie noch gar nicht gab.

Das ist mehr als beachtlich und verdient vor allem deshalb Aufmerksamkeit, weil BASF ein typischer Frühindikator für die künftige Entwicklung der Wirtschaft ist. Mit ihren chemischen Grundprodukten beliefern die Ludwigshafener weltweit Unternehmen in so gut wie allen produzierenden Branchen. Diese ordern nur dann, wenn sie genügend Signale dafür haben, dass sie die erworbenen Kunststoffe, etwa für den Bau von Autositzen, oder chemischen Inhaltsstoffe, etwa für Cremes und Lebensmittel, weiterverarbeiten und an ihre Endkunden verkaufen können.

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    Steigen die Erträge und Aktienkurse bei BASF, ist es um die künftige wirtschaftliche Produktion und die Entwicklung an den Aktienmärkten gut bestellt – lautet deshalb eine Weisheit an den internationalen Finanzmärkten. Daran gemessen sieht es für 2021 nicht schlecht aus. Der BASF-Kurs erhöhte sich seit dem Frühjahrs-Crash um 75 Prozent. Trotz unternehmensspezifischer Probleme, die zu einer Milliardenabschreibung im vergangenen Geschäftsjahr geführt haben und die wohl den ersten Netto-Jahresverlust in der Nachkriegsgeschichte bescheren werden.

    Vor allem das starke Chinageschäft beflügelt BASF und so gut wie alle deutschen börsennotierten Unternehmen. Die Erträge in Fernost, wo die Pandemie weitgehend Vergangenheit ist, kompensieren die Auswirkungen der Corona-Pandemie in Europa. BMW etwa bilanzierte 2020 für seine Marken BMW, Mini und Rolls-Royce einen Absatzeinbruch von gut acht Prozent, in Deutschland sogar 13 Prozent. Doch in China verkauften die Münchener 777.000 Autos. Das waren sieben Prozent mehr als im Vorjahr. So wie Daimler verkauft nun auch BMW jedes dritte Auto in China. Bei Volkswagen sind es sogar gut 40 Prozent. Kein anderer großer Markt wächst so rasant.

    Sonderkonjunkturen beflügeln zusätzlich, wie Infineon wohl noch belegen wird. Der Halbleiter-Hersteller kann die hohe Nachfrage nach seinen Hightech-Produkten ohnehin kaum befriedigen. Jetzt kommen rasant steigende Aufträge der Autobauer hinzu, die immer mehr Chips verbauen.

    Anleger wissen um diesen Trend, weshalb die Infineon-Aktie beinahe täglich neue Rekordhochs erreicht und inzwischen 65 Prozent höher steht als vor genau einem Jahr, also vor der Pandemie und dem Crash an den Börsen. Schwächen sind bei den meisten börsennotierten Unternehmen so gut wie nicht erkennbar. Insofern war es richtig, auf die rasche Erholung zu setzen.

    Anzeichen, dass diese rasch verpufft, gibt es bislang nicht – auch wenn Deutschlands Wirtschaft im ersten Quartal wieder in die Rezession zu rutschen droht. Einzelhandel, Gastronomie und Tourismus durchleben ihre schwerste Krise der Nachkriegszeit. Insolvenzverfahren wie bei Deutschlands größter Friseurkette Klier, den Adler Modemärkten und jüngst den Edelsüßwarenverkäufern Arko, Eilles und Hussel belegen dies. Galeria Karstadt Kaufhof hat das Sanierungsverfahren gerade abgeschlossen und versucht sich mit weniger Läden und Mitarbeitern an einem Neuanfang, was angesichts geschlossener Geschäfte schwierig ist. Auch die Parfümeriekette Douglas verringert die Zahl der Filialen.

    Doch diesen breit gefächerten und für jeden täglich sehr sichtbaren Binnenmarkt, an dem viele Millionen Arbeitsplätze hängen, spiegelt die Breite der deutschen Aktien nicht wider. Im Dax gibt es keine Unternehmen, die in den darbenden Branchen beheimatet sind.

    Entweder erzielen die großen Börsenkonzerne den größten Teil ihrer Umsätze in Boomregionen wie Fernost und Amerika. Oder sie profitieren von pandemiebedingten Sonderkonjunkturen wie die Deutsche Post und Infineon oder der künftige Dax-Aufsteiger Hellofresh mit seinen vor die Haustür gelieferten Kochboxen. Insofern sind die hohen Börsenkurse und die darbende Wirtschaft kein Widerspruch. Entscheidend bleibt die Auswahl an zukunftsträchtigen Einzeltiteln mit starker Position in wachsenden Auslandsmärkten.

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