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Kommentar So schnell lässt sich Corona nicht wegimpfen

Zu Recht setzen im Kampf gegen die Pandemie alle auf die Impfstoffe. Doch die Hoffnungen auf eine schnelle Besserung sind übertrieben.
08.12.2020 Update: 08.12.2020 - 23:52 Uhr 2 Kommentare
Quelle: Burkhard Mohr für Handelsblatt
Karikatur
(Foto: Burkhard Mohr für Handelsblatt)

Jetzt also ist sie gestartet in Europa, die erste Impfkampagne gegen das Virus Sars-CoV-2. Während wir in Deutschland angesichts der hohen Infektionszahlen über eine schnelle Verschärfung des Lockdowns diskutieren, schauen wir hoffnungsvoll und vielleicht auch ein wenig neidisch nach Großbritannien, wo die ersten Menschen am Dienstag mit dem Biontech/Pfizer-Vakzin geimpft wurden. Vom „V-Day“ sprach der britische Gesundheitsminister.

Die Aktienkurse steigen weltweit in Erwartung, dass mit der Immunisierung alles besser wird. In den USA erreichten die wichtigen Börsenindizes am Dienstag neue Rekorde. Der S&P 500 schloss erstmals über der Marke bei 3700 Punkten. Die Covid-geplagte Weltmacht könnte schon an diesem Freitag mit den ersten Impfungen beginnen. Die EU-Staaten dann spätestens Ende des Monats.

Die Impfungen sind ein wichtiger Lichtblick in einer Zeit, in der Covid-Neuinfektionen und tägliche Todesfälle weltweit auf Rekordniveau gestiegen sind, in der die europäischen Staaten in ihren zweiten Lockdowns stecken und sich eine Corona-Müdigkeit wie Mehltau über das Gemüt der Menschen ausbreitet.

Wir brauchen diese Aussicht, dass die Einschränkungen wegfallen, privat, gesundheitlich, wirtschaftlich. Doch ein halbwegs Covid-freies Leben werden wir als Gesellschaft vermutlich nicht so schnell erreichen, wie viele dies derzeit hoffen. Auch 2021 wird es weitere lokale, regionale, vielleicht auch nationale Ausbrüche geben.

Das hat mehrere Gründe: Die ersten zugelassenen Impfstoffe sind noch rar, sodass es dauern wird, bis die Impfungen zu sinkenden Infektionszahlen führen werden. In Deutschland hofft Gesundheitsminister Spahn auf Massenimpfungen ab Sommer kommenden Jahres.

Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) schätzt, dass eine Immunisierung von etwa zwei Dritteln der Bevölkerung ausreicht, um die Verbreitung von Corona aufzuhalten. Diesen Wert müssen die Länder erst einmal erreichen.

Lokale Epidemien sind auch Ende 2021 möglich

Nicht umsonst warnt die Weltgesundheitsorganisation WHO, es sei noch lange nicht ausgemacht, dass überall in Europa ein dritter Lockdown verhindert werden könne. Lokale Epidemien kann es auch Ende kommenden Jahres noch geben – mit den daraus folgenden Einschränkungen zur Eindämmung des Virus.

Die 81-jährige Lorna Lucas (M) bekommt die erste von zwei Impfungen mit dem Corona-Impfstoff von Pfizer/Biontech in London, kurz bevor ihr Ehemann Winston (l) an der Reihe ist. Quelle: dpa
Großbritannien beginnt mit Corona-Impfungen

Die 81-jährige Lorna Lucas (M) bekommt die erste von zwei Impfungen mit dem Corona-Impfstoff von Pfizer/Biontech in London, kurz bevor ihr Ehemann Winston (l) an der Reihe ist.

(Foto: dpa)

Weltweit müssen rund fünf Milliarden Menschen geimpft werden, um die nötigen zwei Drittel zu erreichen – mit jeweils zwei Impfdosen. In vielen Schwellenländern wird es weitaus länger dauern, auf solch einen Wert zu kommen, weil sie auf die einfacher zu handhabenden und günstigeren herkömmlichen Vektorimpfstoffe setzen müssen.

Daneben gibt es weitere Risiken: Nebenwirkungen der im Eilverfahren zugelassenen Impfstoffe können auftreten und zu Verzögerungen der Impfkampagnen oder zu einer sinkenden Impfbereitschaft führen. Südkorea etwa wartet trotz millionenfacher Bestellung mit dem Einsatz des Impfstoffes, weil das Land sich erst einmal die Resultate im Massentest der anderen Länder anschauen will.

Ebenso können Produktionsprobleme auftreten, wie es sich zuletzt bei Biontech/Pfizer, aber auch bei Astra-Zeneca im britischen Werk gezeigt hat. Noch ist nicht klar, ob und nach welcher Zeit Menschen das Virus nach einer Immunisierung übertragen können. Auch Mutationen des Virus wie zuletzt in einzelnen Fällen in Dänemark sind Risiken, die zu Rückschlägen auf dem Weg aus der Pandemie führen können.

Rückschläge einkalkulieren

Die Erwartungen an eine schnelle Wirkung der Impfstoffe sind aber so hoch, dass die Gefahr einer Enttäuschung derzeit groß ist. Wir müssen mit Rückschlägen rechnen. Nicht umsonst bezeichnete die Ratingagentur Fitch etwa Probleme oder Verzögerungen bei der Einführung der Impfstoffe in dieser Woche als das Schlüsselrisiko ihrer Wirtschaftsprognose für die kommenden beiden Jahre.

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Institutionelle Investoren in den USA sind derzeit – mitten in der heftigen zweiten Corona-Welle im Land – so optimistisch wie seit Anfang 2018 nicht mehr. Und die Impfstoffe sind neben den Rettungsaktionen von Staaten und Notenbanken ein wichtiger Grund.

Erste Aktienstrategen raten da bereits zur Wette gegen den schnellen Impferfolg, weil die Hoffnungsbewertungen an den Finanzmärkten übertrieben seien. Und die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, die Zentralbank der Notenbanken, warnt vor überzogenen Bewertungen bei Aktien und Anleihen.

Es ist gut und berechtigt, dass die Impfungen Hoffnung machen. Wir sollten nur darauf vorbereitet sein, dass nach dem Covid-Jahr 2020 zumindest auch das kommende Jahr 2021 ein Covid-Jahr wird. Und uns von Rückschlägen auf dem Weg heraus aus der Pandemie nicht frustrieren lassen, weil wir zuvor übertrieben optimistisch waren.

Mehr: Briten feiern den „V-Day“

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2 Kommentare zu "Kommentar: So schnell lässt sich Corona nicht wegimpfen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Gut dass mal jemand die Realität anmahnt. All die Experten und Kristallkugel Leser übersehen diese leider permanent. Die ganze COVID Geschichte wird uns noch einige Jahre beschäftigen, auch und insbesondere dank-unserer absolut unfähigen Regierungsmannschaft die Populismus für Aktion hält. Das gilt sowohl für den Bund wie auch für die Länder.

  • Dann müssen wir eben mit Corona LEBEN.
    Die Corona-Sterblichkeitsrate beträgt nämlich laut einem der weltweit führenden Epidemiologen ca. 0,23% - und damit liegt sie locker im Bereich einer "durchschnittlichen" Influenza- (Virusgrippe-)Welle. Wir leben also seit jeher ohne Zwangsmaßnahmen, ohne Lockdowns, ohne die "Aussetzung" von Grundrechten mit der (geringen) Wahrscheinlichkeit, an einer Influenza / Virusgrippe auch sterben zu können.
    Haben Sie also den Mut, mir hier zu antworten, warum Sie den Menschen bei Corona dagegen ein "normales" Leben verweigern wollen?

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