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Kommentar Sollen ländliche Regionen attraktiv bleiben, brauchen sie Regionalflughäfen

Wir brauchen ein europäisches Verkehrskonzept, das auch die Steuerfinanzierung von kleineren Airports erlaubt. Wenn dieser eine wichtige Anbindung schafft.
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Regionalflughäfen sind häufig das Produkt von politischer Motivation und bringen nicht die erhofften Passagierzahlen in die Region. Quelle: dpa
Leerer Flughafen in Kassel-Calden

Regionalflughäfen sind häufig das Produkt von politischer Motivation und bringen nicht die erhofften Passagierzahlen in die Region.

(Foto: dpa)

Eigentlich ist die Sache ganz einfach: Immer dort, wo mit Steuergeldern ein Unternehmen dauerhaft finanziert werden muss, weil es sich nicht selbst trägt, sollte ein Schlussstrich gezogen werden. Eigentlich. Im Fall der regionalen Flughäfen in Deutschland und Europa ist die Sache nicht ganz so einfach.

Viele davon stecken in finanziellen Schwierigkeiten. Die Pleitewelle bei den Airlines hat dies noch verstärkt. Das zeigen die aktuellen Zahlen des Flughafenverbands ADV. Gerade kleinere Fluggesellschaften waren die Hauptkunden der regionalen Flugplätze.

Richtig ist freilich auch: Der eine oder andere Flughafen ist schlicht überflüssig. Es waren politisch motivierte Projekte – ohne wirtschaftliches Fundament. Wenn ein solcher Flughafen mit viel Steuermitteln aber erst einmal gebaut ist, wird auch alles unternommen, um ihn mit Verkehr zu „bestücken“.

Mit Gebührennachlässen oder Marketingzuschüssen eine Fluggesellschaft an einen Flughafen zu locken ist allerdings äußerst fragwürdig. Mithilfe von Steuergeldern wird das Fliegen noch billiger gemacht. Der Staat weckt so künstlich Nachfrage, die es zuvor gar nicht gab.

Viele Argumente sprechen dafür, sich die Situation der deutschen und europäischen Flughäfen genauer anzuschauen. Insofern ist die aktuelle Überprüfung der EU-Beihilferichtlinie für Flughäfen absolut richtig. Doch dabei ist Augenmaß gefragt. Nur weil viele Flughäfen sich nicht selbst tragen, bedeutet das nicht, dass sie keine Existenzberechtigung haben.

Wir brauchen ein europäisches Verkehrskonzept

Erstens decken viele davon einen Bedarf ab. Deutschland etwa ist dezentral, föderalistisch aufgebaut. Dezentralität beim Wohnen, Leben und Arbeiten benötigt auch eine entsprechend verteilte Infrastruktur. Zweitens ist der Blick auf die Regionalflughäfen eindimensional.

Viele Regionalflughäfen liegen in Gebieten, die nur mangelhaft etwa an das Hochgeschwindigkeitsnetz der Bahn angeschlossen sind. Nur über Umwege und Umstiege ist es dort möglich, zum nächstgrößeren Flughafen zu reisen. Sollen die ländlichen Regionen weiterhin attraktiv bleiben, brauchen sie Anschluss.

Deshalb sollten wir uns hüten, vorschnell und pauschal all jenen Regionalflughäfen die Überlebensbasis zu nehmen, die ohne Zuschüsse nicht auskommen. Was wir stattdessen brauchen, ist ein europäisches Verkehrskonzept. Das muss eine zentrale Frage beantworten: Wie viel Anschluss an Massenverkehrsmittel braucht eine Region?

Spielt ein Flughafen eine wichtige Rolle dabei, den Menschen die Verbindung mit dem „Rest der Welt“ zu ermöglichen, dann sollte er als kritische Infrastruktur betrachtet werden. Die wiederum darf auch mit Steuergeldern finanziert werden.

Mehr: Geokonflikte und teurer Treibstoff – Europas Fluggesellschaften steuern auf eine neue Krise zu, meint Handelsblatt-Redakteur Jens Koenen.

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1 Kommentar zu "Kommentar: Sollen ländliche Regionen attraktiv bleiben, brauchen sie Regionalflughäfen"

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  • ..ganz genau...wenn es in 50Jahren dann heisst "Ich fliege mit dem Auto" und nicht "Ich fahre mit dem Auto. Besonders in Großstädten die Bezirksflughäfen nicht vergessen, z.B. in Berlin, auf jedem S-Bahnhof möglich.

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