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Kommentar Spahn liegt mit dem Prinzip Gießkanne bei den Ärzten daneben

Zusatzhonorare für Ärzte sind das falsche Mittel gegen Wartezeiten für Kassenpatienten. Nicht die Wartenden profitieren, sondern die Ärzteschar.
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Einer Überversorgung in Ballungsgebieten stehen unbesetzte Praxen in ländlichen Regionen gegenüber. Quelle: dpa
Spahn im Bundestag

Einer Überversorgung in Ballungsgebieten stehen unbesetzte Praxen in ländlichen Regionen gegenüber.

(Foto: dpa)

Auf die Frage, warum eine höhere Vergütung für die schnellere Vergabe von Arztterminen an gesetzlich Versicherte nötig sei, hat Gesundheitsminister Jens Spahn eine einfache Antwort: Es sei nur fair, zusätzliche Arbeit besser zu entlohnen.

Die Logik des CDU-Politikers mag auf den ersten Blick einleuchten. Allerdings ist fraglich, ob das am Mittwoch vom Kabinett beschlossene Terminservice- und Versorgungsgesetz tatsächlich Zusatzleistungen der Ärzte honoriert. Spahn läuft vielmehr Gefahr, Mitnahmeeffekte zu befördern und Fehlanreize zu schaffen.

Das Gesetz beschreibt eine ganze Reihe von Fällen, in denen Ärzte künftig mehr Geld bekommen. Zuschläge sollen bei Neupatienten gezahlt werden, bei Leistungen in offenen Sprechstunden ohne vorherige Terminvereinbarung, bei der Behandlung von über die Terminservicestellen vermittelten Patienten. Auch für die erfolgreiche Vermittlung eines dringenden Facharzttermins durch einen Hausarzt soll künftig ein Bonus fließen.

Viele dieser Leistungen werden heute schon von der großen Mehrheit der Ärzte erbracht. Das Anreizsystem richtet sich vor allem an eine Minderheit in der Ärzteschaft, die ihr Sprechstundenpotenzial nicht voll ausschöpft. Ob sich die Terminsituation für Kassenpatienten damit entspannt, lässt sich schwer vorhersagen – die höhere Vergütung werden aber alle Ärzte sicher gern annehmen.

Außerdem könnten sie sich verleitet sehen, ihr Angebot so anzupassen, dass sie von den Zuschlägen besonders profitieren. Terminsprechstunden könnten etwa in offene Sprechstunden umgewandelt, Neupatienten bevorzugt behandelt werden.

Die Wartezeiten sind nicht zuletzt ein ärztliches Verteilungsproblem. Einer Überversorgung in Ballungsgebieten stehen unbesetzte Praxen in ländlichen Regionen gegenüber. Dass Spahn diesem Ungleichgewicht mit Zuschlägen für Ärzte auf dem Land begegnen will, ist gut. Das Prinzip Gießkanne bei der Honorierung vermeintlicher Zusatzangebote ist aber der falsche Ansatz.

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