Spotify-Börsengang

Der Musikstreaming-Dienst verzichtete auf die klassische Erstemission.

(Foto: AFP)

Kommentar Spotify-Börsengang rüttelt am Kräfteverhältnis zwischen Wall Street und Silicon Valley

Spotify hat einen ungewöhnlichen Börsengang gewählt und sendet ein Signal an andere Tech-Firmen. Schlechte Nachrichten für Investmentbanken.
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„Keine Kapitalerhöhung! Die Profiteure des Spotify-Börsengangs sind andere“

Daniel Ek wollte bewusst anders sein. Der Spotify-Chef verzichtete auf eine große Road-Show, um bei Investoren für seinen Musik-Streamingdienst zu werben. Er verzichtete auf eine klassische Erstemission (Englisch Initial Public Offering oder IPO), bei der Investmentbanken die Hauptrolle spielen.

Zunächst werden die Aktien an eine Gruppe ausgewählter institutioneller Investoren angeboten, diese kassieren für ihre Dienste dann Millionengebühren. Ek verzichtete auch darauf, sich zum Handelsstart auf dem Parkett der New Yorker Börse feiern zu lassen und ein Interview nach dem anderen zu geben.

Sich für eine Direktplatzierung statt für einen klassischen IPO zu entscheiden, war ein gewagtes Experiment und ein selbstbewusstes Signal. Es ist – soweit man das in den ersten Handelsstunden abschätzen kann – geglückt. Der Handel begann um 12:45 Uhr New Yorker Zeit.

Die Aktie startete zum Kurs von 165,90 Dollar in den Handel und lag damit rund 25 Prozent über dem Referenzpreis von 132 Dollar, der am Abend zuvor festgelegt worden war. Spotify ist damit 30 Milliarden Dollar wert, 24 mal so viel wie der kleinere Konkurrent Pandora, der bereits 2012 an die Börse gegangen ist.

Spotify könnte mit dem gelungenen Listing mehr revolutionieren als nur die Musik-Industrie. Der Börsengang hat die Chance, ein wichtiges Vorbild für andere Technologieunternehmen zu werden und das Kräfteverhältnis zwischen Wall Street und Silicon Valley neu zu ordnen.

Bislang herrscht zwischen den beiden Lagern eine gegenseitige Abhängigkeit. Die Gründer brauchen den Rat der Banker, wenn sie ihr Start-up an die Börse bringen wollen. Und für die Banker waren die Unternehmen aus der Tech-Industrie in den vergangenen Jahren lukrative Kunden. Banker gingen sogar so weit, sich vor Meetings mit Start-up-Gründern in separate Outfits zu werfen: Rucksack statt Aktentasche, Jeans statt Anzughose und auf keinen Fall Krawatte.

Doch kulturell bestehen zwischen den beiden Welten nach wie vor riesige Unterschiede. Längst sind Fintechs dabei, den klassischen Banken und Investmenthäusern mit Robo-Advisors, Bezahldiensten und Kryptowährungen das Geschäft streitig zu machen. Es wäre ein Siegeszug der Innovatoren, wenn sie, quasi nebenbei, auch noch für etwas Disruption an der Wall Street sorgen könnten.

Die Start-up-Welt verfolgt daher den Spotify-Börsengang genau. Sicher, das Spotify-Modell passt nicht zu jedem Tech-Unternehmen. Schließlich sammelt der Streaming-Dienst aus Schweden kein frisches Geld ein, sondern ermöglicht es seinen Mitarbeitern und Investoren lediglich, Aktien über die Börse zu verkaufen.

Und sicher, ganz ohne Investmentbanken kommt auch Spotify nicht aus. Morgan Stanley, Goldman Sachs und Allan and Company sind in beratenden Rollen tätig. Gerade Morgan Stanley hat in den vergangenen Wochen mit potenziellen Käufern und Verkäufern Kontakt aufgenommen, um ein Gefühl für mögliche Preise zu bekommen.

Doch Spotify zeigt: Es ist möglich, an die Börse zu gehen, ohne dafür die ganze Service-Palette der Wall Street in Anspruch nehmen zu müssen. Das regt an, über neue Möglichkeiten nachzudenken. Die Investmentbanken sollten das nicht einfach mit sich geschehen lassen, sondern selbst über neue Modelle nachdenken. Wer es schafft, mit frischen Ideen auf die Tech-Unternehmen zuzugehen, wird zu den Gewinnern gehören. Es lohnt sich, alte Wege zu verlassen. Daniel Ek hat es vorgemacht.

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  • Die Banken sind mit Ihrem Geschäftmodell am Ende....

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