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Kommentar Staatsbetrieb oder Wirtschaftsunternehmen – die Bahn muss sich entscheiden

Nach dem Rauswurf des Finanzvorstands stellt sich bei der Deutschen Bahn wieder einmal die Frage, wie man sich in Zukunft strategisch aufstellen will.
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Richard Lutz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn (rechts), und der scheidende Finanzvorstand Alexander Doll (links). Quelle: dpa
Führungsstreit bei der Bahn

Richard Lutz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn (rechts), und der scheidende Finanzvorstand Alexander Doll (links).

(Foto: dpa)

Die Aufarbeitung der personellen Querelen im Vorstand der Deutschen Bahn ist noch lange nicht abgeschlossen. Auch wenn der Aufsichtsrat am Montag die Aufhebung des Vertrags mit Finanzchef Alexander Doll bestätigte, werden viele Fragen nach dem Warum und nach dem Wie unbeantwortet sein.

Vermutlich wird – wie das in solchen Fällen gern gemacht wird – dieses heikle Thema in einen Ausschuss des Bahnaufsichtsrates verwiesen. Und, sind wir ehrlich, dort wird das Thema zerredet werden.

Im offiziellen Statement zum Ausscheiden von Doll per 31. Dezember ist so viel von „Vertrauen“ die Rede, dass selbst dem flüchtigen Beobachter klar wird: Genau davon konnte zum Schluss keine Rede mehr sein. Selbst das „gegenseitige Einvernehmen“ hätten sich die Gremien schenken können. Das Gegenteil ist der Fall.

Der peinliche Streit um Dolls Verantwortung für den geplatzten Verkauf der Auslandstochter Arriva und das wirtschaftliche Desaster der Güterbahn DB Cargo lässt sich nicht nur mit Rivalitäten im Vorstand, persönlichen Anfeindungen und dem Zusammenprall von Alpha-Tieren erklären. Der Knall im Vorstand des größten Staatskonzerns legt auch einen Richtungsstreit um die Frage offen, wohin die Deutsche Bahn eigentlich steuert.

Doll genoss unter anderem Unterstützung bei Entscheidungsträgern, die im ehemaligen Investmentbanker jemanden sahen, der frischen und professionellen Wind ins Bahnmanagement bringt. Seine Gegner, die am Ende zahlreicher waren, sehen in dem Mann einen Störenfried im Gefüge, der die ohnehin vorhandenen Probleme des Konzerns nur noch verschärft hätte.

Kurzum, es ging auch um die Frage, ob die Bahn eher wie eine staatsgelenkte Bundesbahn mit der Erfüllung verkehrspolitischer Aufgaben zu führen ist. So sieht das Konzernchef Richard Lutz im Gespann mit Infrastrukturchef und Ex-Kanzleramtsminister Ronald Pofalla. Oder ob die Bahn, die schließlich als Aktiengesellschaft firmiert, wie ein Wirtschaftsunternehmen agieren sollte. Natürlich unter der besonderen Maßgabe, die Schienenwege im Auftrag des Bunde zu verwalten.

Dieser Streit ist nicht trivial, weil er teilweise komplett andere Entscheidungen verlangt. Beispiel: Preise auf eine extrem nachgefragten Verbindung zu erhöhen ist ökonomisch absolut richtig, kann politisch aber Selbstmord sein. Mit dem Abgang des Finanzchefs ist dieser Grundsatzstreit nun keineswegs ausgestanden.

Doll hatte sich, wenn man so will, versehentlich in die geordneten Reihen eines Bahnvorstands verirrt, der zwischen den alternativen Führungsprinzipien lange Zeit herumlavierte und der gerade dabei war, Richtung Staatseisenbahn einzuschwenken. Hoffentlich ist das der richtige Weg.

Mehr: Der Machtkampf im Bahnvorstand ist entschieden: Finanzchef Alexander Doll hat einen Auflösungsvertrag unterschrieben. Der Abgang kommt den Staatskonzern teuer zu stehen.

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1 Kommentar zu "Kommentar: Staatsbetrieb oder Wirtschaftsunternehmen – die Bahn muss sich entscheiden"

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  • Guter Artikel, aber falsche Überschrift.
    Nicht die Bahn muss sich entscheiden, sondern die Politik muss sich entscheiden.