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Kommentar Start-ups bekommen Milliarden und sind trotzdem schlecht finanziert

Aufstieg und Fall von WeWork sind zwar Ergebnis wilder Spekulationen. Warnungen vor einer Gründer-Blase führen aber in die Irre.
30.10.2019 - 10:14 Uhr Kommentieren
Die deutsche Gründerszene ist weit über die Grenzen der Republik bekannt und lockt potenzielle Gründer aus aller Welt an. Quelle: dpa

Die deutsche Gründerszene ist weit über die Grenzen der Republik bekannt und lockt potenzielle Gründer aus aller Welt an.

(Foto: dpa)

Die Beinahepleite von WeWork treibt die Start-up-Szene um: Mit 47 Milliarden Dollar war der Bürovermieter noch Anfang des Jahres bewertet worden. Plötzlich ist davon nicht mehr viel übrig. Der Börsengang ist abgesagt, das Unternehmen braucht Milliarden zum Überleben. Die Frage lautet nun, ob hier bloß ein einzelnes Einhorn oder eine ganze Herde entzaubert wurde. Platzt da gerade eine Start-up-Blase?

Die Überbewertung von WeWork ist zwar kein Einzelfall, aber doch ein extremer Auswuchs im Start-up-Ökosystem. Falsch wäre allerdings jetzt der Schluss, Start-ups bekämen per se zu viel Geld. Die Sache muss differenzierter betrachtet werden.

Mit dem Internet ist eine ganz neue Art von Unternehmen entstanden, die sehr schnell wachsen und Werte generieren können – wenn sie Kunden weltweit begeistern, wenn sie Konkurrenz weltweit verdrängen und wenn sie nicht an Regulierungsgrenzen scheitern. Das sind viele „Wenns“, auf die Geldgeber wetten.

Aber gerade deshalb sind Start-ups das Lieblingsspekulationsobjekt unserer Zeit geworden. Geht die Wette auf, kann ein Konzern wie Facebook entstehen, eines der wertvollsten Unternehmen der Welt. Geht sie nicht auf, geht das Unternehmen schlicht pleite. Und das ist gar nicht so schlimm.

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    Start-up-Spekulation ist nämlich auch deshalb kein typisches Blasenphänomen, weil sich die spannendste Phase schon abspielt, bevor die Objekte an der Börse gehandelt werden. Das reduziert die Gefahr, unbedarfte Anleger zu schädigen. Zwar kann sich jeder an der Wette beteiligen, als Gründer, Mitarbeiter, Kunde oder auch nur als interessierter Beobachter.

    Kleinanleger sind aber weitgehend davor geschützt, ihr Geld auf ein Start-up zu setzen und es zu verlieren. Denn in den frühen Finanzierungsphasen sind Kleinanleger noch gar nicht dabei.

    Als die Dotcom-Blase zur Jahrtausendwende platzte, haben Tausende ahnungslose Geldanleger ihr Erspartes verloren. Die professionellen Investoren von heute gehen dagegen bewusst ein millionenschweres Risiko ein.

    Am liebsten beteiligen sie sich in der sogenannten „Series A“. Vor dieser ersten größeren Finanzierungsrunde lässt sich das Potenzial eines Start-ups schon einigermaßen abschätzen, zum Beispiel, weil das Produkt oder die Dienstleistung gut bei Kunden und Nutzern ankommt. Viele Gründer wollen in dieser Phase mit möglichst billigen Produkten Konkurrenz verdrängen, weil sie glauben, dass nur ein Unternehmen im Markt bestehen kann. Beteiligungsgesellschaften unterstützen dann zunächst ein Minusgeschäft, rechnen sich aber auch große Gewinnchancen aus.

    Wer zu diesem frühen Zeitpunkt einsteigt, kann die Erfolgsaussichten des Start-ups weiter verbessern und seinen Einsatz möglicherweise um ein Vielfaches steigern. Später ist das viel schwieriger.

    Der „Stopflebereffekt“

    Im Englischen hat sich bereits der Begriff des „Foie Gras’ings“ geprägt, man könnte das mit „Stopflebereffekt“ übersetzen. Die Anspielung bezieht sich auf eine kulinarische Spezialität, die entsteht, wenn junge Gänse völlig überfüttert werden, damit ihre Leber bei der Schlachtung schön fett ist. Das Bild macht deutlich: Diesen Investoren geht es nicht um das langfristige Bestehen eines Unternehmens, sondern um den kurzfristigen Profit, den das Start-up verspricht.

    Tatsächlich lassen sich viele Gründer bewusst auf diesen Deal ein. Wer eine gute Idee hat, schnell viel Geld verdienen will und vielleicht auch keine Lust auf die Verantwortung traditionellen Unternehmertums hat, findet in der Zusammenarbeit mit solchen Inkubatoren oder – um im Bild zu bleiben – mit der Start-up-Mästung sein Glück.

    Für die deutsche Wirtschaft springt bei diesen Deals allerdings bisher nicht viel heraus. Denn die tatsächlich erfolgreichen Unternehmen kommen in der Regel aus den USA oder aus China. Sie profitieren von ihrem großen Heimatmarkt. Wenn ein deutsches Start-up den Durchbruch schaffen kann, sind meistens internationale Investoren beteiligt, die einen Großteil des Gewinns abschöpfen.

    Deshalb darf man sich nicht blenden lassen von den Wahnsinnssummen, die heimische Start-ups 2019 schon eingesammelt haben. Denn ungeachtet der Milliardeninvestitionen ist die Forderung nach einer Start-up-Finanzierung aus Deutschland weiterhin richtig. Nur mit heimischen Investoren lässt sich ein nachhaltiges Wachstum in dem Sektor generieren – und dafür gibt es reichlich Potenzial.

    Denn es gibt auch Geschäftsmodelle, die auf kontinuierliches, aber nachhaltiges Wachstum setzen. Das gilt vor allem im B2B-Sektor, also im Geschäft von Unternehmen mit Unternehmen. Celonis ist ein Beispiel dafür. Die Münchener Firma bildet Geschäftsprozesse digital ab und berechnet, wo es Verbesserungspotenzial gibt.

    Solche Geschäftsideen brauchen ein gut finanziertes Start-up-Ökosystem. So kann die Innovationsfähigkeit der deutschen Wirtschaft gestärkt werden. Milliardensummen sind dabei aber nicht entscheidend.

    Mehr: Noch nie floss mehr Geld in Gründungen in Deutschland. Doch der Fall WeWork hat aufgerüttelt: Experten warnen auch hierzulande vor einer Blase.

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