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Kommentar Start-ups gegen Google: Die Plattformen sind äußerst fragil

Aus dem Angriff deutscher Gründer gegen Google spricht die Furcht um ein riskantes Geschäftsmodell: die Online-Plattform.
14.08.2020 - 04:07 Uhr 1 Kommentar
Das Geschäft der Plattformen ist angreifbar. Quelle: Kostas Koufogiorgos
Aufschrei der Start-ups

Das Geschäft der Plattformen ist angreifbar.

(Foto: Kostas Koufogiorgos)

Eine Reihe groß gewordener deutscher Start-ups ergreift die Initiative gegen Google. Die Reiseunternehmen um GetYourGuide und HomeToGo sehen sich von der Suchmaschine um ihren Traum von der eigenständigen Buchungsplattform betrogen. Denn Google drängt sie dazu, ihre Suchergebnisse für einen Überblick direkt auf der Google-Seite herzugeben.

Vordergründig geht es um einen Konflikt zwischen dem Giganten aus den USA und deutschen Underdogs – zwar mit vielen Millionen finanziert, aber eben machtlos. Die Gründer rufen schon nach staatlicher Regulierung durch die Kartellwächter. Doch tatsächlich zeigt Aufschrei – so nachvollziehbar er auch ist: Die Geschäftsmodelle der Internetplattformen sind höchst riskant.

Das Prinzip ist immer ähnlich: Ein Gründer stürzt sich auf eine Branche, der eine zentrale Kundenplattform fehlt. Erst waren Hotels dran mit Booking.com, dann Mietwagen mit Uber, Pizzadienste mit Delivery Hero, zuletzt auch Stadtführungen mit GetYourGuide, Busreisen mit Flixbus – und sogar Campingplätze mit Camping-and-Co und Kiesgruben mit Schüttflix.

Dafür muss das Start-up viele kleine Unternehmen zunächst davon überzeugen, dass sie über die jeweilige Plattform Zusatzumsatz aus dem Netz bekommen. Viel Risikokapital ist anschließend nötig, um die Plattform bei den Konsumenten bekannt zu machen. Gewinne gibt es erst bei ausreichender Größe – und meist nur für den Marktführer, der so rasch zum Monopolisten wird. Der künftige Dax-Konzern Delivery Hero hat sogar sein Deutschlandgeschäft verkauft, weil die Werbeschlacht mit dem Konkurrenten Takeaway zu teuer wurde.

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    Nun sind es ausgerechnet die Plattformen, die Google vorwerfen, als Monopolist zu agieren. Dabei ist ihr Geschäftsmodell von Anfang an fragil: Die Plattformen agieren auf eine „Asset light“ genannte Weise, sie investieren also nicht selbst in Hotels, Restaurants oder Kiesgruben. Das macht sie für renditeorientierte Risikokapitalgeber in frühen Phasen so attraktiv: Sie lassen sich schnell zu viel Umsatz bis zum Weiterverkauf aufpumpen, ohne viel Kapital zu binden. Das Beispiel Delivery Hero zeigt, dass Börsengang und sogar Dax-Aufstieg lange vor dem ersten Gewinn möglich sind.

    Chancen und Risiken für Delivery Hero

    Doch die fehlenden eigenen „Assets“ sind die Schwachstelle. Das Geschäft ist angreifbar. Google ist hier in einer starken Position, weil die Plattformen auf Google-Werbung angewiesen sind, solange sie noch nicht zur eigenen starken Marke geworden sind. Google hat so Zugriff auf mehrere Plattformen, deren Angebote die Site inzwischen selbst anzeigt. Bei Flügen etwa hat die Suchseite damit ein sehr komfortables Produkt gebaut, das einst klingende Namen wie Billigflieger.de und Fluege.de zu bloßen Anhängseln degradiert.

    Gelangt Google auch in anderen Bereichen in solch eine starke Position, sind die derzeitig enorm hohen Bewertungen von Unternehmen wie GetYourGuide Makulatur. Ein erfolgreicher Exit für die Investoren ist in hoher Gefahr. Der Hilferuf nach den Brüsseler Kartellwächtern ist daher ein Ausdruck der Verzweiflung. Ob er wirkt ist fraglich. Zunächst dürfte ein Kartellverfahren viel zu lange dauern, um den aktuellen Beschwerdeführern zu helfen. Vor allem aber bleibt das Plattformgeschäft verwundbar. Der Reiseriese Airbnb etwa wildert längst im Gebiet von GetYourGuide und bietet seinen Nutzern aggressiv Reiseerlebnisse an. Der Taxidienst Uber nutzt sein Fahrernetz, um den eigenen Essenslieferdienst Uber Eats auszubauen.

    Das zeigt: Wer die Arbeit übernimmt, eine Branche zu digitalisieren, ist nicht zwingend derjenige, der davon profitiert. Haben die kleinen Unternehmen erst einmal den Schritt über eine Plattform ins Netz geschafft, können ihre Daten mühelos auf weitere Plattformen übertragen werden. Was ein Pionier sät, kann leicht ein anderer ernten. Im Asset-light-Modell gibt es keine stabilen Umzäunungen um ein Geschäftsmodell.

    Nur haufenweise Risikokapital für ein perfektes Nutzererlebnis und massig Werbung sichert einer Plattform die wichtige Position als Marktführer. Zugleich ist dieses Spiel global. Für die deutschen Gründer bleibt es trotz des Zuflusses von Spielgeld aus Übersee schwierig mitzuhalten gegen hochfinanzierte Konkurrenten aus den USA und aus Ostasien.

    Aussichtsreichster deutscher Kandidat für ein nachhaltig erfolgreiches globales Geschäft ist derzeit wohl der künftige Dax-Konzern Delivery Hero. Er ist in vielen Ländern Marktführer – allerdings vor allem, weil er sich auf schwierige und daher von anderen großen Spielern wie Uber und Takeaway vernachlässigte Märkte in Schwellenländern stürzt. Doch auch das Vorzeigeunternehmen aus Berlin-Mitte bleibt eine Wette, die viel Geld einspielen kann, möglicherweise auch durch eine Übernahme. Das Spiel kann aber auch schiefgehen.

    Das Risiko tragen besonders die späten Investoren. Sie sollten ein waches Auge bewahren, wenn weitere Plattformunternehmen an die Börse drängen oder sich sonst wie Geld beschaffen wollen. Denn Märkte, die nur einen Gewinner zulassen, kennen vor allem eines: Verlierer.

    Mehr: Deutsche Start-ups gegen Google

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    1 Kommentar zu "Kommentar: Start-ups gegen Google: Die Plattformen sind äußerst fragil"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Die Plattformökonomie wurde in Kalifornien erfunden, entwickelt und perfektioniert. Inzwischen ist das Standardstoff in Ökonomievorlesung, Thema in Gründershows und StartupParties. Wenn nun verspätet ein paar copycats aus Berlin so ein Ding nachahmen: Entweder finde eine Nische mit eigenen (möglichst Hardware-)Assets, oder blase das Ding auf in der Hoffnung am Ende an die Kalifornier mit Spekulationsgewinn zu verkaufen.
      Aber alle wollen nur eine Plattform ohne wesentliche eigene Assets. Also Basarökonomie wo alle nur Informationenen handeln, Plattformen die Plattformen vergleichen, usw. aber keiner mehr die eigentliche Leistung erbringen will: das soll der geknebelte Sublieferant, der sich auch noch die Hände schmutzig machen muss: Das Hotel, der Fahrer, der Leiharbeiter.

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