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Kommentar Steigende Iran-Exporte offenbaren Trumps Doppelmoral

Die USA fordern von Europa, das Irangeschäft einzustellen, doch exportieren selbst so viel wie seit zehn Jahren nicht. Das passt nicht zusammen.
3 Kommentare
Iran-Exporte offenbaren die Doppelmoral der USA – ein Kommentar Quelle: dpa
Eine Apotheken-Mitarbeiterin in Teheran

Während die USA deutsche Firmen aus dem Irangeschäft vertreiben, steigern US-Anbieter ihre Erlöse.

(Foto: dpa)

Die Miene des Vizepräsidenten verfinsterte sich, als er auf Amerikas Erzfeind zu sprechen kam. „Die Zeit ist gekommen, dass unsere europäischen Partner aufhören, US-Sanktionen gegen dieses mörderische Revolutionsregime zu untergraben“, grollte Mike Pence auf der Münchner Sicherheitskonferenz.

Europa müsse den Atomdeal mit dem Iran aufkündigen „und mit uns zusammen den nötigen wirtschaftlichen und diplomatischen Druck erzeugen, um dem iranischen Volk, der Region und der Welt Frieden, Sicherheit und Freiheit zu schenken“.

Die Botschaft war unmissverständlich: Schluss mit dem renitenten Gerede von europäischer Selbstbestimmung. Europa hat sich dem Sanktionsdiktat aus Washington zu beugen.

Vielleicht fiele es den Amerikanern leichter, Verbündete mit ihrer Basta-Rhetorik zu überzeugen, wären ihre politischen Forderungen mit etwas weniger Doppelmoral verbunden.

Denn während die US-Regierung unter tatkräftiger Mitwirkung ihres Berliner Statthalters Richard Grenell europäische Unternehmen aus dem Irangeschäft vertreibt, steigern US-Anbieter ihre Erlöse. Neue Exportzahlen der amerikanischen Statistikbehörde zeigen: Amerikas Exporte in den Iran haben sich im vergangenen Jahr mehr als verdreifacht. Belief sich der Wert der in den Iran gelieferten US-Produkte 2017 auf 136 Millionen Dollar, betrug das Exportvolumen 2018 435 Millionen. Das ist der höchste Wert seit zehn Jahren, und der Dezember ist dabei noch nicht einmal miteingerechnet. Der europäische Iranhandel dagegen brach im vergangenen Jahr um 17,6 Prozent ein.

Grund für den amerikanischen Exportboom sind vor allem Lieferungen von Sojabohnen. Weil US-Präsident Donald Trump einen Handelskrieg mit Peking angezettelt hat und der chinesische Markt versperrt ist, leiten die Farmer aus dem Mittleren Westen ihre Waren in den Mittleren Osten um. Alles rechtens, heißt es aus Washington – es gebe eine humanitäre Ausnahmeklausel im Sanktionsregime, Nahrungsmittel seien von Handelsstrafen ausgenommen.

Das ändert jedoch nichts daran, dass Reden und Handeln der Trump-Regierung nicht zusammenpassen. Die Sanktionsstrategie lässt sich vielleicht so am besten auf den Punkt bringen: maximaler Druck, aber möglichst auf fremde Kosten. Der europäische Widerstand gegen diesen Überschuss an Doppelmoral dürfte nur noch weiterwachsen.

Doch auch die Amerikaner werden nicht lockerlassen, so viel ist sicher. Ihr Ziel ist der Regimewechsel in Teheran, das Ende der Islamischen Republik. Das wissen die Iraner und häufen strategische Reserven an, Soja gehört dazu. Und so produziert die politische Krise einen neuen Markt: Im Klima der Feindschaft gedeiht das Geschäft. „America first“ nennt man das heute.

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3 Kommentare zu "Kommentar: Steigende Iran-Exporte offenbaren Trumps Doppelmoral"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • ... die EU ist eben nur ein zahnloser Tiger ... oder ein zahnloses Kätzchen ... aber vielleicht werden wir überrascht! Vielleicht formt sich die EU und zeigt eine geschlossene Haltung.

  • @ J.-Fr.Pella: jetzt erklären Sie mir noch, warum man in dieser Angelegenheit gegen die EU-Politiker in Brüssel unflätig werden muss? Haben diese nicht alles unternommen, um europäische Unternehmen von der Befolgung der Trump-Nethanjahu-Sanktionen gegen den Iran abzuhalten? Hat irgendwer die Doppelmoral der US-Administration jemals bestritten? Wer denn bitte? Ich habe den Eindruck, dass Ihr Problem eher der Hammer als einziges Werkzeug in Ihrer Werkzeugkiste ist, der jedes Problem wie einen Nagel aussehen lässt. EU-Bashing mag gut ankommen, ist aber eben nicht immer passend.

  • Schlimm, ganz schlimm ist, daß jetzt erst die EU merkt, das die USA mehr denn je in den IRAN liefert.
    Dies ist nichts NEUES!!!
    Die USA haben ebenfalls das Gleiche mit Rußland betrieben. Fragt u.a. die Firma "Haliburton" in den USA.
    Aber, bis dies unsere Brüsseler Büro_Penner merken, ist alles erledigt.

    Dies Verhalten zeigen auch die "Gutdeutschen" mit ihrem "GRÜNEN-FANCLUB"
    In Abwandlung der Spruch: " good morning Germany"