Kommentar Stellenabbau bei Enercon ist ein Weckruf für die Windkraftbranche

Windriese Enercon baut hunderte Stellen ab. Die Branche sieht die Politik in der Pflicht, dabei müsste sie sich auch an die eigene Nase fassen.
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Eine Erhöhung der vorgeschriebenen Ausbauzahlen würde die Situation zumindest kurzfristig etwas entspannen, löst jedoch nicht das Grundproblem. Quelle: dpa
Windräder

Eine Erhöhung der vorgeschriebenen Ausbauzahlen würde die Situation zumindest kurzfristig etwas entspannen, löst jedoch nicht das Grundproblem.

(Foto: dpa)

DüsseldorfWenn der deutsche Windkraftprimus ankündigt, mehr als 800 Stellen zu streichen, werden sogar die Politiker hellhörig, die sich in den letzten Jahren gerne mal taub stellten. Kurz nach der drastischen Ankündigung von Enercon forderte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) die Bundesregierung auf, doch endlich die im Koalitionsvertrag versprochenen Sonderausschreibungen für weitere Windenergieparks umzusetzen. In seinem Bundesland allein sind 700 Jobs gefährdet.

Und es stimmt: Durch völlig absurde Ausnahmeregelungen für sogenannte Bürgerwindparks hat die Politik den Markt kurzfristig unnötig abgewürgt. In der Folge haben deutsche Windradbauer keine Aufträge mehr, können ihre Produktionsstätten nicht mehr auslasten und müssen Arbeitsplätze abbauen.

Dass es jetzt nicht nur beim ostfriesischen Enercon gleich zu Stellenstreichungen kommt, haben die Unternehmen allerdings auch selbst mit zu verschulden. Die Windbranche hat in den vergangenen Jahren einen Rekord nach dem anderen gebrochen. 2017 war sogar das stärkste Jahr, was den Bau von neuen Anlagen angeht.

Missliche Lage

Aber anstatt ihre Strukturen zu verschlanken und sich zu internationalisieren, haben die deutschen Windradbauer auf den Heimatmarkt gesetzt und ihre Produktionskapazitäten vor Ort ausgebaut. Jetzt, wo der Wachstumsmarkt zu bröckeln beginnt, rächt sich das.

Diese missliche Lage gefährdet laut dem Bundesverband Windenergie nicht nur jeden siebten der über 140.000 Arbeitsplätze hierzulande, sondern auch die noch führende Position deutscher Windunternehmen auf dem Weltmarkt. Eine Erhöhung der vorgeschriebenen Ausbauzahlen würde die Situation zumindest kurzfristig etwas entspannen, löst jedoch nicht das Grundproblem.

Die Windkonzerne haben sich zu lange auf den leicht verdienten Fördermillionen ausgeruht und zu wenig über ihre Strategie für das Post-EEG-Zeitalter nachgedacht. Aber die fetten Jahre sind vorbei. Jetzt wird sich zeigen, wie überlebensfähig die verwöhnte Branche wirklich ist.

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