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Kommentar Steuerbetrug offenbart erneut ein krankes System

Durch Phantomaktien haben Banken ihre Gier nach Profit gestillt. Es braucht neue Regeln, um den skandalösen Betrug im Wertpapierhandel zu beenden.
19.05.2019 - 15:57 Uhr 1 Kommentar
Das Frankfurter Geldinstitut steht mal wieder im Mittelpunkt eines Steuerskandals. Quelle: dpa
Zentrale der Deutschen Bank

Das Frankfurter Geldinstitut steht mal wieder im Mittelpunkt eines Steuerskandals.

(Foto: dpa)

Es ist eine besonders perfide Form des Steuerbetrugs: Jahrelang generierten Banken und Broker Steuererstattungen mithilfe sogenannter American Depositary Receipts (ADR). Solche Derivate sind ein Ersatz für europäische Aktien und werden in den USA gehandelt. In der Theorie sind sie mit Originalaktien hinterlegt.

Offenbar haben einige Finanzinstitute dieses Instrument genutzt, um ihre Gier nach Profiten zu stillen. Vor allem bei den sogenannten Pre-Released-ADRs, die schon herausgegeben werden, bevor die Aktien verfügbar sind, kam es allem Anschein nach zu unberechtigten Kapitalertragsteuererstattungen. Vielsagend sprechen Insider von Phantomaktien; Papiere die etwas vorgaben, das gar nicht existierte.

Die US-Börsenaufsicht SEC hat den Regelbruch verschiedener Banken bereits hart geahndet. Sie sprach von einem „branchenweiten Missbrauch“. Die Deutsche Bank war auch dabei –und akzeptierte eine Strafe von 75 Millionen Euro. Jetzt ermittelt die deutsche Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung. Das ist folgerichtig, denn die mutmaßlich kriminellen Machenschaften dürften auch den deutschen Steuerzahler getroffen haben.

Der Skandal um die illegalen ADR-Geschäfte weist auf ein tiefer liegendes Problem: In Zeiten des virtuellen Handels mit Aktien und Derivaten haben Kriminelle leichtes Spiel. Ähnlich wie bei den Cum-Ex-Geschäften – hier spielten Leerverkäufe eine entscheidende Rolle – gelingt es offenbar noch immer, aus einer Aktie auf dem Papier zwei zu machen.

Es findet ein Verwirrspiel statt, bei dem Aufseher und Behörden kaum noch durchblicken. Den Schaden haben die Steuerzahler in Deutschland, aber auch in anderen Ländern. Es ist daher Zeit, dass der Gesetzgeber das Problem löst. Er muss international sicherstellen, dass auch in Zeiten des Hochfrequenzhandels eine Aktie stets nur einem Eigentümer zugeordnet werden kann. Doppelte Erstattungen treffen schließlich immer den Steuerzahler.

Mehr: Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Deutsche Bank und drei US-Banken. Gleich mehrere Banken entdeckten mit dem Schwindel durch sogenannte Phantomaktien eine lukrative Möglichkeit zum Missbrauch.

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1 Kommentar zu "Kommentar: Steuerbetrug offenbart erneut ein krankes System"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • „Kein Kommentar ..“ bei heißt es in der Regel von der Deutschen Bank bei Betrugsverdacht. Entweder sie hat, oder sie hat nicht betrogen. Das ist doch ganz einfach, und es müssen nicht jedes Mal die Aktionäre für dumm verkauft, oder an der Nase herumgeführt werden.

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