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Kommentar Stiftungen können zur tückischen Falle werden – das zeigt das Chaos bei Thyssen-Krupp

Stiftungen sollen garantieren, dass ein Unternehmen langfristig Bestand hat. Bei Thyssen-Krupp zeigt sich gerade, was dabei schieflaufen kann.
16.07.2018 - 18:27 Uhr Kommentieren
Wie die Aufgaben verteilt sind, entscheidet über Erfolg oder Misserfolg einer Stiftung.
Gebäude der Robert-Bosch-Stiftung in Stuttgart

Wie die Aufgaben verteilt sind, entscheidet über Erfolg oder Misserfolg einer Stiftung.

Die Gründung einer Stiftung gilt bei vielen Unternehmern ohne Nachfolger als Königsweg. Ziel ist es meist, das Unternehmen über den eigenen Tod hinaus zusammenzuhalten. Satzungen sollen dafür sorgen, dass das Lebenswerk im Sinne des Stifters weitergeführt wird.

Stiftungen sind dafür aber keine Garantie, im Gegenteil: Sie können auch zu einer tückischen Falle werden. Die unglückliche Rolle der Krupp-Stiftung in der aktuellen Auseinandersetzung um die künftige Strategie des Thyssen-Krupp-Konzerns ist warnendes Beispiel dafür.

Entscheidend für Erfolg oder Misserfolg einer Stiftungskonstruktion ist die Aufgabenverteilung. Ein Unternehmer, der keinen geeigneten Nachfolger hat, traut dann im Prinzip einem familienfremden Stiftungschef zu, die Dinge in seinem Sinne zu regeln. Jede Stiftungssatzung lässt aber auch zwangläufig interpretationsbedürftigen Freiraum zu.

Erhalt eines Unternehmens kann ja auch im besonderen Fall heißen, dass man sich von großen Unternehmensteilen trennen muss. Genau diese Debatte wird gerade im Ruhrgebiet geführt.

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    Entscheidend ist es vor allem, die unternehmerische Verantwortung in professionelle Hände zu legen. Das ahnte wohl Robert Bosch, als der Patriarch vor Jahrzehnten in seinem Testament festlegte, dass der Stiftung die ausgeschüttete Dividende anteilig zufließt, sie aber als gemeinnützige Stiftung nicht unternehmerisch tätig sein darf.

    Die Stimmrechte der Geschäftsanteile hat die Stiftung daher auf die Robert Bosch Industrietreuhand KG übertragen, was eine klare Trennung zwischen ökonomischen und philanthropischen Zielen zur Folge hat. Eine weise Entscheidung.

    Die Industrietreuhand führt immer der abgetretene operative Bosch-Chef. Derzeit ist das Franz Fehrenbach, der quasi als Eigentümer auf Zeit seinen eigenen Nachfolger kontrolliert. Das ist zwar alles andere als moderne Corporate Governance, aber es soll Kontinuität und industrielle Kompetenz gewährleisten.

    Zumindest bei Bosch hat dieses Führungsmodell seit 1964 den Aufstieg zum weltgrößten Automobilzulieferer nicht verhindert. Auch die Metamorphose zum vernetzten Konzern treibt Bosch stärker voran als so mancher börsennotierte Konzern. Es erfordert natürlich auch ein Personal, das bereit ist, Fehler zu korrigieren. Auch eigene. Unter Fehrenbach geriet der Einstieg in die Solarindustrie zum Milliardendesaster. Den Ausstieg segnete er dennoch in seiner Aufsichtsfunktion ab.

    Gibt es aber keine Trennung zwischen Stiftungsaufgaben und Ausüben der Eigentümerfunktion, droht es kompliziert zu werden. Es spricht sicher einiges dafür, dass der Stiftungschef auch im Aufsichtsrat des Unternehmens sitzt. Es kommt aber darauf an, wie diese Ämter ausgeübt werden.

    Zurückhaltung ist angesagt, wenn eine Stiftung von Personen ohne große industrielle Erfahrung geführt wird. Da ist die Krupp-Stiftung mit einer Universitätsprofessorin, die sich gegen beinharte Finanzinvestoren behaupten soll, kein Einzelfall.

    Der Oberbürgermeister von Friedrichshafen – und in dieser Funktion Chef der Zeppelin-Stiftung –, Andreas Brand, hatte es als seine Pflicht angesehen, dem offensiven Expansionsstreben des ZF-Vorstandschefs Stefan Sommer Einhalt zu gebieten. Dafür mag es aus Risikogesichtspunkten sogar Gründe gegeben haben, aber Brand hat einen großen Teil dazu beigetragen, dass Sommer nicht nur gebremst wurde, sondern gleich ging.

    Volkswagen hat den aussortierten Topmanager gerade mit Kusshand als neuen Einkaufschef verpflichtet. Brand hat damit ein kapitales Eigentor geschossen. VW ist der größte Kunde von ZF. Sommer kennt die Kostenstrukturen von ZF genau und kann als mächtigster Einkäufer der europäischen Autoindustrie ZF in Zukunft mehrere Hundert Millionen Euro kosten.

    Kompetenzdefizite und Machtspiele sind an der Spitze einer Stiftung eine toxische Gefahr für das betreffende Unternehmen. Bei Thyssen-Krupp jedenfalls wird die Stiftung ihrer Funktion als Ankeraktionär nicht mehr gerecht. Bei ZF kommen Forderungen nach einer kräftigen Erhöhung der Dividende hinzu. Da geht es dann ans Eingemachte.

    Allgemein gilt als Vorteil von Stiftungsunternehmen, dass sie geringe Summen ausschütten und die Gewinne – anders als bei börsennotierten Gesellschaften – im Unternehmen bleiben. Problematisch kann es allerdings im Krisenfall werden, wenn ein Unternehmen frisches Eigenkapital braucht. Stiftungen durften bis vor Kurzem kein großes Vermögen anhäufen, waren also kaum in der Lage, Geld nachzuschießen. Das kann sogar zu einer existenziellen Gefahr für das Stiftungsunternehmen werden.

    Robert Bosch trug seinen Testamentsvollstreckern auf: „Streng sachlich! Keinem zulieb und keinem zuleid! Zum Wohle des Ganzen!“ Das funktioniert nicht überall so diszipliniert wie bei Bosch. Aber eine klare Trennung zwischen industriellen und gemeinnützigen Interessen hat noch keinem Stiftungsunternehmen geschadet.

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