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Kommentar Strafen für Impfschwänzer sind der falsche Weg

Nur weil eine Idee die Impfquote vermeintlich steigert, ist sie noch lange nicht gut. Es gibt intelligentere Ansätze, die Menschen zum Impfen zu bewegen.
05.07.2021 - 20:09 Uhr Kommentieren
Berlin: Menschen warten im Corona-Impfzentrum auf dem Messegelände auf ihre Impfung.  Quelle: dpa
Coronavirus-Impfung

Impfangebote könnten auch in Fußballstadien oder in Kiosken gemacht werden, so eine Idee von Gesundheitsminister Spahn.

(Foto: dpa)

Privilegien für Geimpfte, Strafen für Impfschwänzer: Die Debatte um die Frage, wie mehr Menschen zum Impfen bewegt werden können, nimmt teils absurde Züge an. Nur weil eine Idee die Impfquote vermeintlich steigert, ist sie noch lange nicht gut.

Es stimmt: Jede verpasste Impfung ist ärgerlich. Soll das Versäumnis deswegen bestraft werden, wie etwa SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert? Nein, das sollte es nicht.

Das Problem ist ohne Frage groß: Bundesländer melden, dass bei ihnen täglich Tausende Termine nicht wahrgenommen würden. Im schlimmsten Fall landet Vakzin dann in der Mülltonne, auf das sich andere gefreut hätten.

Denn der Impfstoff ist nach wie vor knapp. Es entsteht also ein Schaden. Aber sollte er auch bezahlt werden?

Dies könne Menschen davon abschrecken, überhaupt einen Termin zu machen, ist eine Sorge. Die ist nicht unbegründet: Jeder, der durch eine mögliche Strafe abgeschreckt wird – nach dem Motto: Das Risiko gehe ich nicht ein –, ist ein verlorener Impfling im Kampf gegen das Virus. Im Sinne der Herdenimmunität wäre das dann sogar kontraproduktiv.

Impfmüde Gruppe: Ohne sie ist Herdenimmunität schwer erreichbar

Es wäre auch falsch, allen Impfschwänzern bösen Willen zu unterstellen. Manche scheitern einfach daran, weil sie bei der Hotline nicht durchkommen und dann aufgeben. Vereinzelt gibt es auch Beschwerden darüber, dass man trotz Absage weiterhin Erinnerungen an den Termin erhielt.

Die Systeme scheinen also noch nicht rundzulaufen – und müssen offenbar optimiert werden, um die Zahl der ausgefallenen Impftermine zu verringern.

Statt über Strafen muss die Politik darüber nachdenken, wie sie auch jene für die Impfung gewinnt, die sich nicht aus eigenem Antrieb und trotz aller Wartezeiten und Widrigkeiten um einen Termin bemüht haben. Es ist schwer zu sagen, wie groß diese impfmüde Gruppe ist – aber ohne sie dürfte das Ziel der Herdenimmunität unerreichbar bleiben.

80 Prozent der Bevölkerung und mehr ist bei der ansteckenderen Delta-Variante das Ziel, von dem Deutschland noch weit entfernt ist.

Wenn nun Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) über Impfangebote in Stadien oder Kiosken nachdenkt, ist das sicher ein vielversprechenderer Weg als Strafen. Warum können nicht auch vor Bars und Klubs Impfungen angeboten werden?

Israel hat es vorgemacht – und wurde damit Impfvorreiter. Keine Impfung darf mehr an Faulheit oder Bequemlichkeit scheitern.

Mehr: Pandemie: „Sehe keinen medizinischen Grund für Restriktionen“ – Streit über Ende der Corona-Maßnahmen für Geimpfte

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