Kommentar Streit um Kosten für Börsendaten – Behörden stehen vor einem Dilemma

Die Kosten für Marktdaten werden für Banken und Börsen zum Aufreger. Für die Behörden wird es extrem schwierig, den Konflikt zu lösen.
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Nutzer ärgern sich über gestiegene Preise – und haben die europäische Finanzmarktaufsicht angerufen. Quelle: Bloomberg
Europäische Finanzmarktaufsicht Esma

Nutzer ärgern sich über gestiegene Preise – und haben die europäische Finanzmarktaufsicht angerufen.

(Foto: Bloomberg)

Was Google und Facebook mit den Daten ihrer Nutzer anstellen, wird in Deutschland seit Jahren kontrovers diskutiert. Die Debatte dreht sich dabei oft um zwei Fragen: Wem gehören die Kundendaten? Und was dürfen Plattformen, die diese Daten sammeln, damit machen? Da Google und Facebook in ihrem Geschäft eine dominierende Stellung haben, ist die Politik eingeschritten und hat versucht, durch Regeln die Position der Kunden zu stärken.

In der Finanzbranche läuft aktuell eine ähnliche Debatte. Banken, Broker, Hochfrequenzhändler und alternative Handelsplattformen werfen den etablierten Börsenbetreibern vor, ihre monopolartige Stellung in einigen Marktbereichen auszunutzen. Erbost sind viele Nutzer vor allem über die gestiegenen Preise für Marktdaten – und haben sich deshalb bei der europäischen Finanzmarktaufsicht Esma und den EU-Wettbewerbshütern beschwert.

Die Behörden nehmen die Situation nun unter die Lupe und entscheiden dann, ob und wie sie eingreifen wollen. Sie stehen dabei vor einem Vabanquespiel, denn mit konkreten Vorgaben für Marktdatenpreise würden sie direkt in den Wettbewerb zwischen Börsen, alternativen Handelsplätzen und bankeigenen Handelsplattformen eingreifen.

Hinter der Debatte über Datenpreise verbirgt sich ein grundlegender Streit über die Struktur des Finanzmarkts. Und hier lassen sich die übergeordneten Ziele der Politik, für mehr Transparenz und mehr Wettbewerb im Börsengeschäft zu sorgen, nur sehr schwer miteinander vereinbaren. Die EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid II ist dafür ein gutes Beispiel. Durch sie wurden bankinterne Handelsplattformen gestärkt und in die Lage versetzt, den etablierten Börsen Marktanteile abzujagen.

Doch da für die Bankplattformen geringe Transparenzanforderungen gelten, ist das Handelsgeschäft insgesamt intransparenter geworden. Nach Daten des EU-Börsenverbands Fese werden in Europa abhängig vom Markt aktuell nur noch 25 bis 40 Prozent der Aktien an transparenten Märkten gehandelt – verglichen mit über 50 Prozent in den USA und rund 80 Prozent in Asien. Das kann nicht im Sinne der Regulatoren sein.

Die Politik sollte das Regelwerk deshalb überarbeiten und dafür sorgen, dass die Wettbewerbsbedingungen für alle Anbieter gleich oder zumindest ähnlich sind. Und sie muss vermutlich damit leben, dass es im Börsengeschäft eine natürliche Tendenz zu Monopolen und Oligopolen gibt.

Viele Marktteilnehmer wollen, dass die Liquidität auf wenigen Plattformen gebündelt wird, weil es dort dann in der Regel auch die besten Preise gibt. In den meisten Bereichen sind die Markteintrittshürden für neue Wettbewerber deshalb hoch. Daran werden die Regulierer nur schwer etwas ändern können.

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