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Kommentar Subventionen für Verbrennungsmotoren sind der falsche Weg

CSU-Chef Markus Söder setzt beim Autogipfel auf weiteres Staatsgeld für die Verbrennungsmotoren und blockiert damit die Zukunft.
07.09.2020 - 16:52 Uhr 11 Kommentare
VW, Daimler und BMW: Warum Subventionen in Verbrennungsmotoren falsch sind Quelle: dpa
Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder

Als bayerischer Umweltminister war er schon visionärer. Da wollte er ab dem Jahr 2030 keine neuen Verbrennungsmotoren mehr. Nun fordert er Subventionen für die Automobilindustrie.

(Foto: dpa)

Detroit war mal ein stolze Autostadt. Heute ist sie ein Synonym dafür, wie eine Branche den Strukturwandel verschlafen hat. Soweit ist es in München, Sindelfingen und Wolfsburg noch nicht. Aber wer auf Erhaltungssubventionen zugreift, gefährdet das Rückgrat des deutschen Wohlstands.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und möglicher Kanzlerkandidat der Union wird nicht müde Staatsgelder für den Verbrennungsmotor zu fordern. Dabei war er als bayerischer Umweltminister schon visionärer. Da gab Söder dem staunenden Publikum zu verstehen, dass es nach dem Jahr 2030 keine neuen Verbrennungsmotoren mehr gibt. Nun der Kurswechsel.

Dass sich der CSU-Chef für die wichtige Branche einsetzt, ist zwar richtig. Aber er und die anderen Ministerpräsidenten der Autoländer dürfen nicht alte Strukturen subventionieren. Niemand hätte etwas dagegen, wenn das Geld in eine industriefreundliche steuerliche Forschungsförderung fließen würde. Die Automobilkonzerne sind heute noch sehr forschungsstark.

Jedoch wird mit Zukunftsthemen wie alternativen Antrieben, Leichtbau oder autonomem Fahren keiner schnelles Geld verdienen. Aber man muss sie besetzen und das ist teuer. Tesla macht es vor. Erst vergangene Woche wurde dem schillernden Tesla-Chef der rote Teppich in Deutschland ausgerollt.

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    Als Beispiel dient die deutsche Steinkohle, die jahrzehntelang subventioniert wurde. Das Ruhrgebiet hat sich bis heute davon nicht vollständig erholt. Bei der Stahlindustrie ist das ähnlich. Die letzten beiden großen Stahlkocher, Thyssen-Krupp und Salzgitter kämpfen nicht nur wegen Corona um ihre Existenz. Das sollte der Autobranche eine Warnung sein. Und der Politik erst recht. 

    Mehr: Bayerns Ministerpräsident Söder will im Herbst über weitere Förderprogramme für die Autohersteller beraten. Doch in der Koalition regt sich Widerstand.

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    11 Kommentare zu "Kommentar: Subventionen für Verbrennungsmotoren sind der falsche Weg"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • ... der falsche Weg ... ist es, eine Schlüsselindustrie übereilt einzustampfen, wenn eine Nachfolgeindustrie nicht in Sicht ist. Insb. auf den E-LKW wird man noch lange warten können, Das Thema E-Mobilität sollte man nicht verpassen, aber ablösen kann diese Technik den Verbrenner noch lange nicht.

    • Erst wenn die E-Automobile wirtschaftlich sind, und zwar in Anschaffung, Verbrauch, Versicherung und in der Produktion sind sie marktfähig.
      Keinesfalls früher.
      Ansonsten sind alles "Potemkinsche Dörfer", egal, was, wann, und wer auch immer meint sagen und schreiben zu müssen.
      Eigentlich hat die BRD und die EU AUSREICHEND Weltverbesserer.

    • Es gäbe eine elegante Lösung mit der fast alle zufrieden sein könnten, sogar die Markt-Radikalen. Was tun? Bund, Länder, Städte und Gemeinden haben überwiegend einen alten Fuhrpark. Warum nicht einen neuen Fuhrpark für Gebietskörperschaften bestellen? Das Programm könnte/sollte auf die ganze Euro-Zone ausgeweitet werden, so entsteht ein Nachfrage-Schub. Die Produktions-Kette wäre für einige Zeit ausgelastet. Zulieferer könnten reichlich durchatmen. Die EZB schafft die finanziellen Mittel durch Kauf von Staatsanleihen. Laufzeit 20 Jahre, Zinsen Null. Die Staaten bestellen umgehend bei den Auto-Schmieden. Die öffentliche Hand benötigt, wegen der Notwendigkeit der schnellen Einsatzfähigkeit (Nachtanken innerhalb von 3 Minuten), noch in einer letzten Investitions-Runde die Verbrenner, Benzin, Diesel, Gas. Das EZB-Geld würde in Werte fließen wovon alle etwas haben. Es kann so kaum Inflation für dieses Geld geben. Derzeit droht ohnehin Deflation mit gleichzeitiger Vernichtung der Werte von industriellen Anlagen. Dem muss hartnäckig begegnet werden. Europa kann es nicht zulassen, dass Milliarden von Euro, die in den Produktions-Anlagen stecken, entwertet werden und dazu noch Arbeitslosigkeit entsteht, die teuer ist und dessen Ende nicht abzusehen ist. Also los mit klugen Investitionen und alle Crash-Propheten ausblenden.

    • @ Elmar Leitermann
      "Wir alle benötigen einen Mix an Mobilitätsformen für die Zukunft - gleichgültig in welchem Land."

      Volle Zustimmung. Aber wer findet den passenden Mix (für jedes Land) am besten heraus?
      Das kann niemals der Staat sein, sondern immer nur der Markt, bzw. die Gesamtzahl der Konsumenten mit ihren - individuellen - Bedürfnissen!

      Ich wage zu behaupten, dass deutsche E-Autoproduzenten allein deshalb niemals so "erfolgeich" wie Tesla sein werden, weil sie eben keinen Elon Musk haben. Tesla ist eine "One-Man-Show". Wer das frühzeitig erkannt hat (ich zugegebenermaßen nich), konnte davon mächtig finanziell profitieren. Eine Prognose, was die Entwicklung der Tesla-Aktie anbelangt, ist für mich unmöglich. Ich war nur einmal kurz short Tesla, aber aktuell würde ich weder short noch long sein wollen.

    • @Herr Elmar Leitermann.
      "treibt eine Idee nach der anderen durchs Dorf"
      In Bayern heißt das:
      "treibt eine SAU nach der anderen durchs Dorf"
      Toller Kommentar! Danke!

      Mit gefällt an Herrn Söder, dass er eine eigene mutige Meinung hat und es wagt sie kundzutun!

    • Wir alle benötigen einen Mix an Mobilitätsformen für die Zukunft - gleichgültig in welchem Land. Und dazu gehören unstrittig die Verbrennungsmotoren. Jeder vernünftig denkenden Mensch weiß, dass die Elektromobilität nicht die Gesamtlösung ist, sondern nur bestimmte Mobilitätsbereiche abdecken kann und wird. Subventionen sind grundsätzlch schlecht - nach einer bisher nie dagewesenen Pandemie sind sie aber ein legitimes Mittel, die Konjunktur anzuschieben. Und dann darf es mit Sicherheit auch Subventionen für Verbrennungsmotoren geben!
      Elon Musk hochzuloben ist für Ihre Zeitung leider nicht angemessen. Wie die anderen Kommentatoren völlig richtig schreiben verdient er kein Geld, lebt nur von Fremd- und Risikokapital und treibt eine Idee nach der anderen durchs Dorf, ohne dass etwas fertig wird. Unternehmertum geht anderes.

    • Subventionen sind immer der falsche Weg.
      Deshalb darf es keine Subventionen für Verbrenner, aber genau so wenig für E-Autos, Akkufertigung, geben.

      Die Verbrenner werden für 70 bis 80% der Weltbevölkerung auch in Zukunft, allein aufgrund fehlender Infrastruktur, das einzige ihnen zur Verfügung stehende Fortbewegungsmittel sein.

      Tesla und der ehemalige sog. Neue Markt haben etwas gemeinsam. Unternehmen wurden damals am sog. Neuen Markt exorbitant hoch bewertet allein aufgrund irgendeiner Zukunftsvision. Gewinne wurden nie erzielt, bis sich dann die Investoren mit großen Verlusten zurück zogen und der Neue Markt mit seinen Unternehmen sich in Luft aufgelöst hat.
      Tesla wird subventioniert von Politik und Medien, auch von Deutschland direkt mit Sonderkonditionen, Baugenehmigungen die sonst niemand so schnell erhält usw., das Auto selbst ist im Karosseriebereich mehr schlecht als recht zusammengenagelt und das für 100.000 Euro je Fahrzeug.
      Es ist aber in gewissen Kreisen gerade hipp im Tesla vorzufahren, zuhause steht ja dann noch der Ferrari in der Garage.

      Eine alte Weisheit lautet, mache nie das was Politiker sagen, denn es ist zum Scheitern verurteilt. Diese Politiker verbrennen drei bis vierstellige Milliardensummen Steuergeld für eine Utopie.

    • "Übergangsphase" ist gut.
      Lassen Sie den Markt entscheiden, ob das eine Übergangsphase ist, und was sich letztendlich durchsetzt - und nicht, was die Politik gerne aus rein ideologischen Gründen durchsetzen will.
      Ganz praktisches "Problem": wie sieht es mit E-Autos in Regionen aus, in denen extreme Kälte auftritt oder auftreten kann? In Sibirien etwa lässt man im Winter den (Verbrennungs.)Motor Tag und Nacht durchlaufen (da können die Ökos auch noch so im Dreieck springen), oder der Motor ist hinüber - und je nachdem, wie weit man sich dann von der nächsten "Wärmequelle" befindet, kann man dann auch schon einmal erfrieren und ist selber hinüber.
      Ich habe mir nur einmal eine schwere Erkältung zugezogen, als mein Anlasser im Winter ausgerechnet auf einem Waldparkplatz verreckte und es einige Stunden dauerte, bis der Abschleppdienst kam.
      Ließe man also den Markt entscheiden, denke ich persönlich, dass sich nicht E-Mobile durchsetzen würden, sondern am ehesten Autos mit Hybrid-Technik. Und wer ist da führend? Nein, nicht die Deutschen, nicht die Amis und nicht die Chinesen. Sondern diejenigen, wegen deren einst unschlagbar geilen Werbung ich auf diese Marke umgestiegen bin. ;-)

    • Der erste Absatz trifft den Nagel auf den Kopf.
      Es ist völlig egal ob "die Politik" die Verbrenner weiter subventioniert (Was sie ja fleißig tut).
      Aber die Autoindustrie als alleinige deutsche Industriebranche hinzustellen ist schon ein starkes Stück Lobbyarbeit. Allein in der erneuerbaren Energienbranche arbeiten mehr Arbeitnehmer in Deutschland und die wird ja eher mit Füßen getreten um weiter Braunkohle zu verbrennen.
      Ausserdem bleibt die Frage worüber sich "die" Autobranche aufregt. Sie können doch durchaus innovative Produkte vorstellen; diese müssten dann halt nur auch kaufbar sein.

    • Tesla lebt von amerikanischen günstigen Investorengeldern, solche Gelder gibt es in Europa nicht. Diese Gelder sind aus meiner Sicht so etwas wie Subventionen. Es muss über etliche Jahre kein Gewinn erwirtschaftet werden. Man träumt vom Gewinn. Nach US-GAAP werden zukünftige Gewinne schon heute bilanziert nach dem Motto "true and fair". Wenn nun alle namhaften Automobilhersteller e-Autos auf den Markt bringen, ist das Alleinstellungsmerkmal Teslas weg.
      Tesla zeigt, wie massiv im amerikanischen Markt Unternehmen überbewertet werden. Da wird eine mögliche Zukunft eingepreist.
      Und technologisch sind e-Autos wirklich nicht wirklich anspruchsvoll.

      Wichtig ist, dass man einen Übergang findet. Der Vergleich mit der Braunkohle hinkt, die Braunkohleproduktion wird abgeschafft, die Automobilproduktion nicht.

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