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Kommentar Südkoreas neue Chipstrategie setzt Europa noch mehr unter Zugzwang

Das asiatische Land investiert massiv in seine ohnehin starke Halbleiterbranche. Die EU muss nun noch schneller handeln, als es bereits nötig gewesen wäre.
14.05.2021 - 15:53 Uhr Kommentieren
Südkorea will seine Chipindustrie massiv ausbauen. Dabei liegt das Land bereits weit vorne in der Branche. Quelle: dpa
Chipfertigung

Südkorea will seine Chipindustrie massiv ausbauen. Dabei liegt das Land bereits weit vorne in der Branche.

(Foto: dpa)

In der Chipindustrie bricht ein neues Zeitalter an. Mehr denn je treten nicht mehr nur Unternehmen gegeneinander an, sondern auch Wirtschaftsmächte. Südkoreas Präsident Moon Jae-in hat das richtig erkannt. Der Politiker kündigte daher gerade ein milliardenschweres Hilfsprogramm für die Halbleiterbranche seines Landes an. Sein Ziel: ein „Halbleiter-Powerhouse“ schaffen.

Moon Jae-in setzt Europa damit mächtig unter Druck. Denn im Vergleich zur EU ist Südkorea heute schon geradezu ein Kraftzentrum der Industrie. Zwei der drei umsatzstärksten Hersteller der Erde stammen aus dem ostasiatischen Land: Samsung und SK Hynix. Es sind dies die beiden führenden Speicherchip-Produzenten. Moon Jae-in reicht das aber nicht. Er will, dass die Konzerne auch in anderen Gebieten an die Weltspitze vorstoßen, etwa bei den Prozessoren, also den Gehirnen der Rechner.

Für Europa ist der ehrgeizige Plan der vergleichsweise kleinen Nation ein Weckruf. Die von der EU-Kommission in Brüssel in den vergangenen Monaten diskutierte Aufholjagd bei den Chips muss unverzüglich beginnen. Die Mitgliedstaaten sollten sich umgehend auf einen Plan einigen, der ähnlich konkret ist wie der in Südkorea.

Die Zeit drängt auch deshalb, weil nicht nur Südkorea vorangeht: Japan wird seine neue Chipstrategie ebenfalls bald verkünden. Zudem hat US-Präsident Joe Biden vor, der amerikanischen Halbleiterbranche mit 50 Milliarden Dollar unter die Arme zu greifen. China pumpt ohnehin schon seit Jahren Milliarden in Chipfirmen und die Forschung, um sich vom Westen abzukoppeln.

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    Europa befindet sich in der schlechtesten Position

    Keine andere führende Wirtschaftsmacht ist aber in einer so schlechten Position wie Europa. Die EU hinkt bei den Chips in nahezu jeder Hinsicht hinterher: Es fehlen die ganz großen Halbleiterkonzerne, es fehlen die großen Fabriken, ja selbst die Forscher sind anderswo pfiffiger. So war es der US-Konzern IBM, der gerade erst ein wegweisendes Verfahren präsentiert hat, um die höchstintegrierten Chips mit der sogenannten Zwei-Nanometer-Technologie zu produzieren.

    So darf es keinesfalls weitergehen. Ähnlich wie Südkorea sollte die EU festlegen, auf welchen Feldern bei den Halbleitern sie in die Spitzengruppe vorstoßen will. Sie sollte sich so wie Südkorea auf Subventionen für neue Werke einigen und die Forschung stärker steuerlich fördern.

    Zudem sollten die nationalen Regierungen dafür sorgen, dass Chipfabriken schnell gebaut werden können. Dazu gehört, die Bürokratie im Zaum zu halten, große Flächen zur Verfügung zu stellen und für eine leistungsfähige Strom- und Wasserversorgung zu sorgen. Denn Chipwerke verbrauchen gewaltige Ressourcen. All das darf nicht erst in einigen Jahren geschehen, sondern muss in den nächsten Monaten initiiert werden.

    Wenn Europa sich nicht beeilt, hängt ein ganzer Kontinent auf Jahrzehnte am Tropf von Asien und Amerika. Was das bedeutet, lässt sich jetzt schon in den Autofabriken besichtigen: Seit Monaten stehen die Bänder still, weil die Auftragsfertiger in Fernost mit der Produktion nicht hinterherkommen.

    Mehr: Computer, E-Bikes, Motorsägen: Der Chipmangel trifft nicht nur die Autobranche.

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