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Kommentar Teamplayer statt Patriarchen: Die neue Chef-Generation hat eine Chance verdient

Unternehmerkinder haben wieder mehr Lust auf die Familienfirma. Die Eltern sollten der neuen Generation dabei keine Steine in den Weg legen.
27.01.2020 - 15:07 Uhr Kommentieren
Derzeit wandelt der Manager das Unternehmen vom Heizungshersteller zum Wärme- und Kältespezialisten und treibt die Digitalisierung voran. Quelle: Viessmann
Maximilian Viessmann

Derzeit wandelt der Manager das Unternehmen vom Heizungshersteller zum Wärme- und Kältespezialisten und treibt die Digitalisierung voran.

(Foto: Viessmann)

Lange herrschte ein düsteres Bild über die Zukunft der deutschen Familienunternehmen. Etwa weil die Nachfolger fehlen, die entweder nicht geeignet sind oder keine Lust darauf haben, die Firma der Eltern weiterzuführen.

Doch dass dieser Blick zu eng ist, zeigen neue Untersuchungen: Mehr als 70 Prozent von mehr als 500 potenziellen Nachfolgern, die das Friedrichshafener Institut für Familienunternehmen im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen befragte, sehen sich mit 40 Jahren in der Geschäftsführung. Im Mittel sind das 90 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren.

Solche Zahlen sind eine positive Überraschung: Sie zeugen von einer neuen Lust aufs Unternehmertum. Und sie beweisen, dass die Nachfolge innerhalb der Familie möglich ist – trotz vielerorts noch herrschender Patriarchen. Hinter dieser Entwicklung steckt ein neues Verständnis von Führung, das den Familienunternehmen ganz neue Zukunftschancen eröffnet. Eltern, Töchter und Söhne in den Unternehmerfamilien sollten alles daransetzen, diese Chancen zu nutzen.

Die Voraussetzungen dafür, dass das Unternehmen in Familienbesitz überlebensfähig bleibt, sind heute besser als noch vor einigen Jahren. Das fängt beim potenziellen Nachwuchs an, der längst nicht mehr nur „Stallgeruch“ besitzt, sondern sich anderswo bewiesen hat. Die allermeisten Vertreter der jungen Generation sind hervorragend ausgebildet, sind digitalaffin und denken nachhaltig. Sie haben schon viel von der Welt gesehen, in Start-ups und in andere Unternehmen hineingeschaut.

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Standort erkennen

    Sie erkennen heute, dass sie im eigenen Unternehmen echten Mehrwert bieten können, und zwar nicht, wenn sie sich anpassen, sondern wenn sie ihre eigenen Erkenntnisse mit einbringen. Die Herausforderungen, die nicht nur auf Familienunternehmen zukommen, sind vielfältig: Die Digitalisierung und die dadurch erforderlichen neuen Geschäftsmodelle, aber auch der Klimaschutz und die gesellschaftliche Verantwortung über die eigene Region hinaus rücken zunehmend in den Fokus.

    An diesen Themen ist die nachfolgende Generation oft näher dran als die ihrer Eltern. Das ist ein nicht zu unterschätzender Mehrwert an der Spitze von Unternehmen. Junge, erfolgreiche Nachfolger sind zudem ein Pfund bei der Gewinnung neuer Mitarbeiter, was nach wie vor zu den größten Herausforderungen gerade von Firmen mit Sitz in den ländlichen Regionen zählt. Strahlen Führung und Belegschaft einen familiären Charakter aus, macht das ein Unternehmen nur attraktiver.

    Einsame Spitze war gestern

    Diese Einheit kommt aber nicht von ungefähr. Familienunternehmen brauchen eine Governance, die festlegt, welche Fähigkeiten die Nachfolger mitbringen müssen und wie Entscheidungsprozesse abzulaufen haben.
    Eine zweigeteilte Führung aus Verwaltungsrat und Geschäftsführung wird immer üblicher.

    Kaum ein Eigentümer verlangt mehr, dass der älteste männliche Junior das Geschäft allein führen soll. Geschwister und Cousinen, Familienmitglieder und Fremdgeschäftsführer können gemeinsam die Zukunft gestalten. So bekommen auch immer mehr weibliche Nachfolger die Chance, ihr Wissen einzubringen – sei es in der Geschäftsführung oder in Verwaltungs- und Beiräten. Das ist ein Gewinn, denn weibliche Entscheidungsträger schätzen Geschäfte durchaus anders ein als ihre männlichen Kollegen.

    Damit setzt sich eine wichtige Erkenntnis durch: Einsame Spitze war gestern – in modernen Familienunternehmen ist Teamwork angesagt. Das Patriarchat alter Schule hat ausgedient. Stattdessen wird künftig kaum noch jemand alles im Alleingang bestimmen. Die besten Entscheidungen fußen auf diversen Einflüssen. Es ist natürlich mühsamer, sie in Gremien zu erarbeiten. Aber es nimmt den Druck auf den Nachfolger aus der Familie, die sich – in welcher Form auch immer – an der Spitze engagiert.

    Den Junioren muss dabei bewusst sein: Es geht nicht darum, die Erfolge der Elterngeneration kleinzureden. Im Gegenteil: Wenn es gelingt, dass beide Generationen ihr Wissen und ihre Erfahrungen einbringen, dann wird der Generationswechsel von der Sollbruchstelle zur Chance.

    Natürlich müssen die Nachfolger nun, so wie ihre Eltern auch, erst noch den Beweis antreten, dass es ihnen gelingt, ihre Unternehmen ebenso enkelfähig zu hinterlassen, wie es ihre Eltern getan haben. Schlaflose Nächte und größtmöglicher Einsatz inbegriffen. Doch sie wissen einerseits aus eigener Erfahrung im Elternhaus, dass dies dazugehört. Sie sind also alles andere als ahnungslos.

    Den Eltern wiederum muss klar sein: Für ihre Kinder ist es eine große Erleichterung, dass sie nicht so einsam an der Spitze des Unternehmens stehen und die Verantwortung allein schultern, wie es ihre Eltern noch mussten. In dem jetzt erkennbaren Trend liegen große Chancen. Der nachfolgenden Generation sollten dabei keine Steine in den Weg gelegt werden.

    Mehr: Studien zeigen, dass deutlich mehr potenzielle Nachfolger als vor zehn Jahren in Familienunternehmen streben. Doch der Elan wird oft gebremst.

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