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Kommentar Teheran nutzt das Vakuum im Libanon für seine Machtinteressen

Das Chaos im Libanon stärkt die schiitische Terrormiliz Hisbollah, die von Teheran unterstützt wird. Das könnte das Machtgefüge im gesamten Nahen Osten verändern.
19.07.2021 - 17:34 Uhr Kommentieren
Nach dem Rücktritt des designierten libanesischen Premierministers Hariri kommt es in Beirut zu gewalttätigen Demonstrationen. Quelle: dpa
Proteste im Libanon

Nach dem Rücktritt des designierten libanesischen Premierministers Hariri kommt es in Beirut zu gewalttätigen Demonstrationen.

(Foto: dpa)

Beirut Dem Libanon droht der Kollaps, weshalb die Weltbank schon im Frühling Alarm schlug. Das Land mache im globalen Vergleich eine der weltweit schlimmsten finanziellen und wirtschaftlichen Krisen durch. Sie sprach von einem „brutalen und schnellen“ Verfall und beklagte gleichzeitig die Unfähigkeit der Politik, die sich abzeichnende Katastrophe abzuwenden.

Seitdem hat sich die Lage noch einmal in extremer Weise zugespitzt. Die Währung verlor in den vergangenen Monaten mehr als 90 Prozent ihres Wertes. Strom und Benzin sind knapp, die Wasserversorgung ist nicht mehr garantiert. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung gilt als arm, jeder vierte ist arbeitslos, der soziale Frieden erodiert. Und Besserung ist nicht in Sicht.

Vergangene Woche warf der designierte Premierminister Saad Hariri das Handtuch, weil es ihm seit Oktober trotz zahlreicher Versuche nicht gelungen war, eine Regierungsmannschaft um sich zu scharen, die sich für Reformen einsetzt und die Korruption mit Nachdruck bekämpft.

Dabei weist das Chaos in Beirut weit über die nationalen Grenzen des Landes hinaus. Es handelt sich um eine Erschütterung, die Konsequenzen für den gesamten Nahen Osten haben dürfte. Die Schwäche des libanesischen Machtzentrums in Beirut ist zugleich die Stärke der schiitischen Terrormiliz Hisbollah, die bereits jetzt die einflussreichste und mächtigste Organisation im Libanon ist.

Sie gilt innerhalb des libanesischen Staates als legitime politische Kraft, ohne aber jemandem außer sich selbst Rechenschaft schuldig zu sein. Dass sie einen großen Teil ihrer Einnahmen mit dubiosen Geschäften finanziert, ist in der libanesischen Politik kein Thema: Niemand will sich mit der Terrormiliz anlegen.

Macht und Einfluss ohne Verantwortung

Theoretisch hätte sie die Möglichkeit, mit Gewalt die Macht im Libanon zu übernehmen. Aber das ist offenbar gar nicht in ihrem Interesse. Die Hisbollah verfügt jetzt schon über Macht und Einfluss im Überfluss, ohne dafür aber Verantwortung tragen zu müssen.

Hinter der Hisbollah steht das Regime in Teheran. Es finanziert die Hisbollah und rüstet sie militärisch aus. Wohl nicht ohne Hintergedanken: Indem es die Hisbollah instrumentalisiert, könnte die Islamische Republik das Vakuum im Libanon benutzen, um ihren Einflussbereich bis ans Mittelmeer auszudehnen.

Das würde im Nahen Osten und am Mittelmeer zu einer massiven Machtverschiebung zugunsten des Irans führen. Je schneller der Libanon implodiert, desto flinker kann Teheran sein Ziel erreichen.

Mehr: EU-Außenbeauftragter droht libanesischen Politikern mit Sanktionen

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