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Kommentar Tesla läuft die Zeit davon

Elon Musk fährt mit Tesla eine Strategie, die nur zwei Ergebnisse kennen kann: Erfolg oder Untergang. Ihm läuft die Zeit davon. Ein Kommentar.
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Tesla läuft die Zeit davon – Kommentar Quelle: AP
Tesla

Der kalifornische Elektropionier muss nun rasch Erfolg haben, um zu überleben.

(Foto: AP)

Die Ergebnisse des zweiten Quartals 2019 bei Tesla haben den Investoren an Wall Street nicht gefallen. Ein Rekordquartal was die Auslieferungen von Neufahrzeugen angeht, das war schon bekannt. Aber der Nettoverlust mit 409 Millionen Dollar im Quartal ist nur ungenügend besser als im ersten Quartal mit gut 700 Millionen Dollar. Und er ist immer noch deutlich höher als Anleger und Analysten erwartet hatten.

Wie kann man solche Verluste schreiben, wenn man so viele Autos wie noch nie zuvor in einem Quartal ausgeliefert hat? Oder anders herum: Wenn ein Hersteller mit prall gefüllten Auftragsbüchern und Rekordauslieferungen kein Geld verdient, wann denn dann? Der Kurseinbruch am späteren Mittwoch um bis zu elf Prozent war der klare Hinweis für eine Vertrauenskrise bei den Tesla-Anhängern, die oft auch die Finanziers sind.

All die Fragen sind berechtigt, wenn man seinen Arbeitsplatz bei Tesla hat, oder wenn man als Aktionär oder Anleihebesitzer sein Geld in die Firma investiert hat. Aber für das Unternehmen sind sie nur bedingt zielführend. Es gibt keine Alternative. Das Fenster schließt sich.

Die Strategie von Elon Musk ist klar: In dem Wissen, dass er keine zweite Chance bekommen wird, setzt er alles darauf, so schnell wie möglich zu einem großen, einem richtig großen Automobilhersteller zu werden. Es ist diese Zeit der Zäsur, die in einem Unternehmerleben nur einmal im Leben vorkommt.

Ein gesamter Markt, scheinbar zementiert für die Ewigkeit, löst sich auf. Der Machtphalanx aus fossil befeuerter Automobilindustrie und Ölunternehmen, mit besten Verbindungen in Politik und Machtzentralen der Welt, entgleitet langsam, aber immer deutlicher erkennbar die Deutungshoheit in der Mobilitätsindustrie.

Tesla hat ohne jeden Zweifel an vorderster Front daran mitgearbeitet, dass es so ist. Und diese einmalige Chance, bei der Neuaufteilung eines Weltmarktes ganz vorne mit dabei zu sein, will sich Elon Musk nicht entgehen lassen.

Darum hat er Marktanteilsgewinne, Kapazitätsaufbau und die Generierung von liquiden Mitteln über Gewinne gestellt. Eine Politik, die Aktienmärkte nur ungerne sehen, wenn sie nicht überzeugt sind, dass sie sich am Ende wirklich bezahlt macht.

Mit 95.200 ausgelieferten Fahrzeugen innerhalb von nur drei Monaten hat Tesla einen neuen Absatzrekord aufgestellt, doch der Preis dafür war hoch. Die Logistik war teurer als nötig, weil es schnell gehen musste. Die Gewinnmarge ist geschrumpft, weil weniger von den Luxusfahrzeugen Model S und Model Y abgesetzt und produziert wurden. Sie sind älter und teurer als das margenschwache Model 3, das die Masse ansprechen soll.

Model 3: Erfolg mit aller Gewalt

Hat Musk die alten Premiummodelle deshalb teuer überarbeitet und erneuert? Nein. Er nimmt es in Kauf. Denn das Model 3 soll für Tesla sein, was das Model T für Henry Ford war - der Durchbruch. Das Auto soll die Konkurrenz aus dem Markt fegen wie damals das historische Vorbild.

Mit aller Gewalt wird daran gearbeitet, den magischen Preis von 35.000 Dollar für ein Auto zu erreichen, das jeder kaufen will. Nicht für eine ungeliebte und abgespeckte Sparvariante, die nur als Lockvogel im Prospekt steht.

Dazu kommt mit dem Model Y der nächste große Wurf. Während etablierte Hersteller weltweit noch mit der Einführung ihrer ersten Großserien von E-Autos kämpfen, wird das Model Y Ende 2020 vom Band laufen.

Es ist ein sogenannter „Crossover“, die heute beliebteste Autokategorie in den USA. Eine Kreuzung aus klobigem SUV und schnittiger Limousine auf Basis der Model-3-Plattform. Produktionskapazitäten für den neuen Tesla werden gerade im kalifornischen Fremont freigeräumt oder etwa in Schanghai aufgebaut.

Der mächtigste Feind von Elon Musk ist dabei er selbst. Der Mann mit den blumigen Versprechungen, den Zeitvorgaben, die nie hinhauen, mit verfehlten Produktionszielen und nebulösen Märchen von selbstfahrenden Armeen von Robotaxis im Jahr 2020, bis zu bitterbösen Twitterkriegen mit Aufsichtsbehörden oder Höhlentauchern. Niemand bleibt verschont.

Dabei sind Erfolge erkennbar. Die Generierung von 614 Millionen Dollar Free Cashflow im Quartal nach einem Minus von 920 Millionen im ersten Quartal ist so ein Zeichen. Oder der Bestand an liquiden Mitteln von fünf Milliarden Dollar am Quartalsende. So groß war Teslas Kapitaldecke lange nicht mehr. Selbst, wenn eine Kapitalmarktspritze von 2,4 Milliarden Dollar da spürbar mitgeholfen hat.

Elon Musk scheint endlich verstanden zu haben, dass er seine Träume ohne eine gesunde Bilanz und eine sauberere Gewinn- und Verlustrechnung nie erreichen wird. Natürlich muss er diese einmalige Chance, dieses sich auftuende Machtvakuum in einer der größten Branche der Welt, nutzen. Nur geht das nicht ohne Investoren. Es muss sie als Korrektiv begreifen, nicht als ahnungslose, kleinliche Bremser, die um ihre Dollar bangen.

Tesla und Investoren müssen aufeinander zugehen. Zunächst einmal hat Musk Einschnitte bei den Investitionen angekündigt. Das entlastet. Und Investoren müssen sich immer wieder sagen, wer in so ein Papier investiert, der muss mit allem rechnen.

Und sie müssen verstehen lernen, warum Musk so wirtschaftlich todesmutig nach vorne drängt. Wenn die alten Riesen wie GM, Ford, Toyota oder Daimler und Co erst einmal ihre internen Grabenkämpfe überwunden haben, wird die Welt für Tesla ganz anders aussehen. Die Chance bis dahin muss Musk nutzen. Es ist seine einzige.

Mehr: Tesla-Chef Elon Musk hat sich den Absatzrekord teuer erkauft. Der Verlust fällt höher aus als erwartet. Die Aktie verliert nachbörslich deutlich.

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