Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Tesla steht und fällt mit Elon Musk – das Risiko der One-Man-Shows

Elon Musk führt Tesla als One-Man-Show. Manager, die die gesamte Entscheidungsmacht haben, stellen für Unternehmen jedoch ein enormes Risiko dar.
20.08.2018 - 17:18 Uhr Kommentieren
Tesla steht und fällt mit seinem CEO. Quelle: AP
Elon Musk

Tesla steht und fällt mit seinem CEO.

(Foto: AP)

Elon Musks Gemütszustand bewegt Milliarden. Twittert der Tesla-Chef seinen Abschied von der Börse inklusive Rückkaufpreis, springt der Aktienkurs um elf Prozent nach oben. Zeigt sich Musk nach Anlegerklagen und SEC-Untersuchung im Interview verwundbar, rast der Kurs an einem Tag neun Prozent in den Keller. Tesla steht und fällt mit Musk. Das ist gefährlich.

Wenn ein Unternehmen als One-Man-Show geführt wird, ist das ein enormes Risiko. Das zeigen das Beispiel des überraschend verstorbenen Sergio Marchionne bei Fiat-Chrysler ebenso wie das von Jeffrey Immelt bei General Electric, der über seinen Hochmut gestolpert ist. Auch bei Tesla oder Amazon muss man sich fragen, wie viel Genie an der Spitze auf Dauer gut ist.

Vor allem zwei Risiken bestehen: Das erste liegt darin, dass sich die Vorstandsvorsitzenden in ihren Allmachtsallüren verrennen, sich und ihre Strategie nicht mehr infrage stellen und damit dem Unternehmen auf lange Sicht schaden. Immelt etwa hatte bei GE zuletzt den Kontakt zur Realität verloren und falsche Entscheidungen gefällt. Er stürzte den Konzern damit in eine schwere Krise.

Das zweite Risiko ist banal und liegt darin, dass alle Menschen sterblich sind. Was passiert, wenn das vermeintliche Genie an der Spitze irgendwann nicht mehr da ist? Diese Frage stellt sich bei Fiat-Chrysler, dessen Aktienkurs seit Marchionnes Tod ein Fünftel seines Werts eingebüßt hat.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Marchionne war ein Synonym für Fiat-Chrysler. Er hat die beiden Unternehmen fusioniert. Und nur er schien die Vision zu haben, mit der er die Zweifler immer wieder beruhigen und widerlegen konnte. Ohne ihn ist Fiat-Chrysler nur noch der kleinste der drei US-Autobauer – mit enormen Herausforderungen und zu wenig Geld für Innovation.

    Die Reihe der One-Man-Shows ist lang. Immelt und Marchionne waren Manager. Andere sind oft Gründer. Amazon etwa gehört zu dieser Liste. Amazon ist Jeff Bezos. Welche Industrie der Onlinehändler aus Seattle als nächste durcheinanderwirbelt, das scheint vor allem Bezos selbst zu entscheiden.

    Ebenso scheint Musk bei Tesla alles allein zu entscheiden. Zuletzt sogar den Rückzug von der Börse. Auch seinen Verwaltungsrat ließ er dabei über seine Pläne im Dunkeln. Hinzu kommt, dass Musk nicht nur den E-Autohersteller führt, sondern als CEO auch noch das Raumfahrtunternehmen SpaceX leitet. Ganz abgesehen von Hyperloop und Boring Company. Alles scheint von einem Genie abzuhängen, das direkt über Twitter kommuniziert.

    In seinem erstaunlich offenen Interview mit der „New York Times“ gab Musk zu, dass das Arbeitspensum an seiner Gesundheit zehrt. Deshalb habe er sich schon nach einer Nummer zwei umgeschaut, aber niemanden gefunden. Nun scheint auch der Tesla-Aufsichtsrat Ausschau nach einem Manager oder einer Managerin zu halten, um Musk zu unterstützen oder irgendwann auch zu ersetzen.

    Das ist gut so. Alle Verwaltungs- und Aufsichtsräte sollten sich fragen: Was passiert, wenn der charismatische Chef plötzlich ausfällt? Vor Krankheit und Tod sind auch die besten CEOs nicht gefeit. Implodiert dann alles, weil die treibende Kraft im Unternehmen weg ist?

    Beschwerden und Ermittlungen – „Tesla verspielt Vertrauen“

    Eine zeitige personelle Vorsorge ist kein Hexenwerk – auch nicht für dominante Unternehmer und Gründer. Es gibt durchaus Beispiele von starken Persönlichkeiten der Wirtschaft, die sich auf der Höhe ihres Erfolgs mit der eigenen Nachfolge beschäftigt haben.

    Einer davon ist Warren Buffett. Der Investment-Guru ist zwar weiterhin der Kopf und auch das Gesicht seiner Berkshire-Hathaway-Holding. Aber er hat vorgesorgt. Im Todesfall wird ein Team von Investmentmanagern seine Nachfolge antreten und hoffentlich ein ebenso glückliches Händchen bei der Aktienwahl beweisen.

    Auch Bill Gates hatte sich schon früh über den Fortbestand von Microsoft ohne ihn an der Spitze Gedanken gemacht und sich operativ in relativ jungen Jahren zurückgezogen. Im Jahr 2000 legte er seinen Posten als Vorstandsvorsitzender nieder. 2014 zog er sich auch als Chairman zurück und ist heute nur noch als Berater tätig.

    Es kann nicht im Sinne der Gründer oder auch der Manager sein, ein Unternehmen nur auf sich selbst zu fokussieren. „Nach mir die Sintflut“ ist keine nachhaltige Strategie. Manager müssen Strukturen schaffen, die den Wechsel vorbereiten für den Fall, dass sie selbst nicht mehr können.

    Für viele dieser extrem selbstbewussten Manager ist es schwer, sich einzugestehen, dass auch andere ihren Job machen können. Dazu gehört Bescheidenheit, und die ist leider nicht weit verbreitet.

    Aber wenn sie das nicht einsehen, dann zerstören sie auch ihr eigenes Erbe. Das kann nicht in ihrem Interesse sein. Schließlich wollen sie als Visionäre in die Geschichte eingehen. Gerade deshalb müssen sie daran arbeiten, dass ihre Vision auch in einer Zukunft ohne sie selbst eine reale Chance hat.

    „Vielleicht ist Teslas Rückzug von der Börse genau das Richtige“

    Startseite
    Mehr zu: Kommentar - Tesla steht und fällt mit Elon Musk – das Risiko der One-Man-Shows
    0 Kommentare zu "Kommentar: Tesla steht und fällt mit Elon Musk – das Risiko der One-Man-Shows"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Serviceangebote
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%