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Kommentar Thyssen-Krupp wird auch nach der Aufspaltung nicht zur Ruhe kommen

Aktionäre, Belegschaft und Krupp-Stiftung glauben, dass mit der Aufspaltung und dem neuen Personal beim Konzern alles besser wird. Doch sie irren.
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Aufspaltung oder Zerschlagung? Quelle: dpa
Thyssen-Krupp-Schriftzug

Aufspaltung oder Zerschlagung?

(Foto: dpa)

„Lieber ungefähr richtig als genau falsch.“ So lautet der Titel einer wissenschaftlichen Publikation unter der Regie des Bochumer Ökonomen Bernhard Pellens. In dem Papier geht es um eine spezielle Frage der internationalen Rechnungslegung. Aber der Titel könnte genauso gut die Antwort auf jüngste Entscheidungen beim Industriekonzern Thyssen-Krupp sein.

Der Bochumer Wirtschaftsprofessor Pellens wird Aufsichtsratschef, der Interimschef Guido Kerkhoff bleibt Vorstandsvorsitzender, und das Unternehmen wird aufgeteilt in zwei börsennotierte Gesellschaften.

Das hätten wir auch schon vor drei Monaten haben können, als erst Heinrich Hiesinger als CEO und dann Ulrich Lehner als Chefkontrolleur ihre Ämter hinschmissen und eines der traditionsreichsten deutschen Unternehmen mächtig ins Taumeln geriet. Man reibt sich verwundert die Augen und fragt sich: Warum erst jetzt, wieso die Zweiteilung und weshalb diese Personalien?

Die Antwort lautet: Alle diese Entscheidungen sind ungefähr richtig. Aber eben nur ungefähr. Und wenn es schlecht läuft, waren sie sogar genau falsch.

Beginnen wir mit der Wortakrobatik um die Aufteilung des Unternehmens in einen Wertstoff- und einen Industriekonzern. Die wird nun von Vorstand und Aufsichtsrat als „Aufspaltung“ gefeiert, mit der eine „Zerschlagung“ habe verhindert werden können.

Wenn aber das wenig rentable und volatile Stammgeschäft Stahlproduktion (plus Marineschiffbau) und das durchaus profitable Industriegeschäft (Aufzüge, Autozulieferung, Anlagenbau) getrennt werden, was ist das anderes als eine Zerschlagung?

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Selbst optimistisch gestimmte Branchenexperten sind davon überzeugt, dass eine abgekoppelte Stahl-AG in Krisenzeiten kaum Überlebenschancen haben wird. Die Aufspaltung wäre demnach das Ende der Thyssen-Krupp AG, so wie wir sie kennen. Und wie sie die Krupp-Stiftung ausweislich ihrer Satzung bewahren soll – eigentlich.

Was haben nun die massiv auf Veränderung drängenden Finanzinvestoren und Großaktionäre von Thyssen-Krupp davon? Hat es sich wirklich gelohnt, für die jetzt angekündigten Änderungen einen derartigen Aufstand zu veranstalten?

Die Personalien und der Teilungsbeschluss vom Wochenende haben den Aktienkurs des Essener Unternehmens nicht annähernd so kräftig nach oben befördert wie schon vor Monaten die Nachricht von der lange verhandelten und damit erwarteten Zusammenlegung der Stahlproduktion mit dem indischen Rivalen Tata.

Die Börse glaubt wohl nicht daran, dass da künftig viel Potenzial gehoben werden kann, so wie sich Cevian das beispielsweise vorstellt.

Ohnehin stellt sich die Frage, wie der Konzern nun weitergeführt werden wird. Und wohin? Dass Kerkhoff wie Pellens Notlösungen sein müssen, liegt auf der Hand. Ihre Installierung als Vorstands- und Aufsichtsratschef folgt einer wochenlang vergeblichen Suche nach qualifiziertem Führungspersonal für die Spitzenposten.

Thyssen-Krupp muss die Hängepartie beenden

Jetzt galt es offensichtlich, die Hängepartie zu beenden, um nicht noch mehr Schaden anzurichten. Nicht einmal die zwei vakanten Aufsichtsposten sind wieder besetzt.

Jedem Manager sollte die Chance gegeben werden, in neuer Funktion zu wachsen. Aber Thyssen-Krupp wird nunmehr von zwei ausgewiesenen Betriebswirten geführt und überwacht, wo doch nach den heftigen Attacken der Investoren Strategen gefragt sind.

Ohnehin dürfte sich Chefaufseher Bernhard Pellens auf den bevorstehenden Hauptversammlungen gegen heftigen Widerstand wehren müssen. Der Wirtschaftsprofessor ist seit 2005 Mitglied des Aufsichtsrats von Thyssen-Krupp. Er sitzt damit auf einem Stuhl, auf dem er nach modernen Governance-Vorstellungen schon seit drei Jahren nicht mehr sitzen sollte.

Aufsichtsrat gibt Startschuss für Thyssen-Krupp-Aufspaltung

Zwei Wahlperioden sind demnach für einen Aufsichtsrat genug, danach gilt der Kandidat nicht mehr als unabhängig, weil viel zu lange mit dem Unternehmen verbandelt, das er eigentlich kritisch überwachen soll.

Stimmrechtsberater wie ISS oder Glass Lewis und internationale Investoren drängen immer häufiger auf Ablösung solcher Dauer-Aufsichtsräte und verweigern ihnen demonstrativ auf den Hauptversammlungen die Entlastung. Das hat zwar keine rechtliche Wirkung. Für den Chefkontrolleur eines Thyssen-Krupp-Konzerns wäre das allerdings eine peinliche Abmahnung.

Um wirklich wieder in ruhiges Fahrwasser zu kommen, braucht Thyssen-Krupp vor allem eines: Vertrauen – ins Führungspersonal, in strategische Entscheidungen und in die Einigkeit der Aktionäre. „Ungefähr“ reicht nicht aus.

Dafür sind die wirtschaftlichen Probleme zu groß, die Risiken zu unwägbar, die Gräben zwischen Investoren, Management und unter den Geldgebern zu tief und die Vorstellungen zu vage, was aus dem fast 130 Jahre alten Unternehmen einmal werden soll. Bei Thyssen-Krupp geht jetzt nur noch „genau“ oder gar nichts mehr.

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