Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Thyssen-Krupps neuer Fokus auf Stahl kann zum Befreiungsschlag werden

Der Verkauf der Aufzugsparte könnte dem Konzern neuen finanziellen Spielraum verschaffen – nicht nur für Zukäufe. Doch es gibt noch Hürden.
Kommentieren
Thyssen-Krupp soll ein kapitalstarker, fokussierter Stahlkonzern werden. Quelle: dpa
Arbeiter am Hochofen in Duisburg

Thyssen-Krupp soll ein kapitalstarker, fokussierter Stahlkonzern werden.

(Foto: dpa)

Thyssen-Krupp ist in der Lage, die Fantasie der Investoren zu beflügeln – daran hat der Industriekonzern in den vergangenen Monaten keinen Zweifel gelassen. Sei es die geplatzte Stahlfusion mit Tata Steel Europe, die angekündigte und wieder abgesagte Teilung oder der nun geplante Börsengang beziehungsweise Teilverkauf des Aufzuggeschäfts: Stets sorgten die Ankündigungen des Managements für heftige Kursausschläge. Doch der langfristige Abwärtstrend ließ sich nicht brechen.

Diesmal könnte es anders laufen. Denn gelingt der Plan des Vorstands, den Duisburger Stahlhändler Klöckner zu übernehmen, ist das der erste strategische Schritt nach vorn, seit Heinrich Hiesinger 2011 den Vorstandsvorsitz bei Thyssen-Krupp übernommen hat. Dessen Aufgabe lautete vor allem, die Technologiesparten vom Stahl zu befreien, am Ende durch das Joint Venture mit Tata. Doch der letzte Schritt misslang – der Rest ist Geschichte.

Dass Nachfolger Guido Kerkhoff nun erstmals wieder über eine größere Akquisition nachdenken kann, ist der strategischen 180-Grad-Wende zu verdanken, die er nach der abgesagten Konzernspaltung im Mai vollziehen musste. Ein Verkauf der zuverlässig profitablen Aufzugsparte galt über Jahre als Tabu.

Doch nun stehen die Interessenten Schlange – und Kerkhoff gewinnt mit einem Schlag finanziellen Spielraum, um nicht nur Zukäufe, sondern auch die milliardenschweren Schulden und Pensionsverpflichtungen des Ruhrkonzerns zu stemmen.

Der Vorstand ist darüber hinaus offensichtlich auch bereit, sich langfristig von größeren Teilen im Komponenten- und Anlagenbau zu trennen. Das zeigt deutlich, wohin der Weg geht: Thyssen-Krupp soll ein kapitalstarker, fokussierter Stahlkonzern werden – und bei der von vielen erwarteten Konsolidierung in Europa eine führende Rolle spielen.

Der erste Übernahmekandidat heißt Klöckner. Das dürfte auch daran liegen, dass der Stahlhändler derzeit günstig zu haben ist. Allein die Sachanlagen, also die materiellen Vermögensgegenstände des Unternehmens, sind derzeit gut anderthalbmal so viel wert wie der Konzern insgesamt.

Zudem gibt es eine ohnehin bestehende Nähe: Als Thyssen-Krupp sich noch von den Werkstoffen trennen wollte, war wiederum schnell Klöckner als möglicher Käufer im Gespräch.

Konjunkturflaute könnte Kerkhoff helfen

Sicher stehen hinter dem Deal noch viele Fragezeichen – allen voran, ob er auch tatsächlich funktioniert. Denn es ist nicht nur offen, wie Klöckner-Großaktionär Friedhelm Loh auf eine mögliche Offerte reagiert, der derzeit zwischen 25 und 30 Prozent an dem Stahlhändler hält.

Auch stellt sich erneut die Frage, wie die Wettbewerbsbehörden einem solchen Plan gegenüberstehen. Und wie hoch der Erlös des Börsengangs oder Teilverkaufs der Aufzugsparte am Ende tatsächlich ausfällt.

Dass die Konjunktur derzeit in eine Flaute rutscht, könnte Kerkhoff – bei richtigem Timing – sogar entgegenkommen. Denn wenn die Kasse des Ruhrkonzerns noch vor der nächsten Aufwärtsbewegung im Stahlzyklus erstmals seit Jahren gut gefüllt sein sollte (man traut sich kaum, es auszusprechen), dann ergeben sich daraus automatisch weitere strategische Optionen in einem ohnehin schon von Überkapazitäten geplagten europäischen Markt.

Mit der Klage gegen das Veto der EU-Kommission im Fall der Tata-Fusion bereitet Thyssen-Krupp dafür den Boden. Denn auch bei zukünftigen Zusammenschlüssen bleiben die Fragen in Brüssel dieselben. Gelingt es nicht, die Wettbewerbshüter davon zu überzeugen, dass europäische Zusammenschlüsse am Ende für alle Marktteilnehmer vorteilhaft sein können, hilft die vollste Kasse nichts. Dann ist der Weg zur Konsolidierung versperrt.

Davon abhängig machen will sich der Thyssen-Krupp-Vorstand offenbar nicht. Denn mit dem Stahlhändler Klöckner hat Kerkhoff ein Unternehmen auf dem Radar, das schon seit einiger Zeit die Strategie verfolgt, die eigene Wertschöpfungstiefe weiter zu erhöhen.

Vom reinen Materialhändler zum Anbieter von höherwertigen, verarbeiteten Produkten, so lautet seit einigen Jahren der Kurs von Klöckner-Chef Gisbert Rühl. Ein Kurs, der grundsätzlich zum Profil von Thyssen-Krupps eigener Handelssparte passt, die unter anderem auch die Luftfahrt beliefert.

Dass sich mit dieser Strategie auch im teuren Europa gutes Geld verdienen lässt, zeigt das Beispiel der österreichischen Voestalpine. Die leidet derzeit zwar wie alle anderen auch an der schwachen Autokonjunktur – muss sich aber aufgrund ihrer in vielen Industrien dringend benötigten Produkte wegen Handelsstreitigkeiten und günstiger Konkurrenz aus dem Ausland weniger Sorgen machen als die Konkurrenz.

Ein Selbstläufer wird das für Thyssen-Krupp aber nicht. Denn neben dem Stahl bleiben noch weitere Geschäfte, die restrukturiert werden müssen. Dazu zählen etwa der Komponenten- sowie der Anlagenbau. Auch für die Werftensparte, die wohl auch verkauft werden dürfte, ist noch keine konkrete Lösung in Sicht. Doch zumindest hat Thyssen-Krupp jetzt endlich wieder eine Perspektive.

Mehr: Der Industriekonzern steht vor einem radikalen Umbau. Dazu führt Thyssen-Krupp bereits konkrete Gespräche für eine Übernahme des Stahlhändlers Klöckner.

Startseite

Mehr zu: Kommentar - Thyssen-Krupps neuer Fokus auf Stahl kann zum Befreiungsschlag werden

0 Kommentare zu "Kommentar: Thyssen-Krupps neuer Fokus auf Stahl kann zum Befreiungsschlag werden"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote