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Kommentar Trendaktien wie Tesla und Ballard Power sind eine gewagte Wette mit hohen Risiken

Apple, Amazon und andere Aktien machen vor, dass sich auch der Kauf überbewerteter Titel lohnen kann. Doch spektakuläre Abstürze mahnen zur Vorsicht.
18.01.2021 - 04:00 Uhr Kommentieren
Höchste Wachsamkeit gegenüber überbewerteten Aktien bleibt die wohl wichtigste Tugend an der Börse. Quelle: Kostas Koufogiorgos
Karikatur

Höchste Wachsamkeit gegenüber überbewerteten Aktien bleibt die wohl wichtigste Tugend an der Börse.

(Foto: Kostas Koufogiorgos)

Düsseldorf Google, Facebook und Amazon haben etwas gemeinsam. Sie waren jahrelang nach allen Bewertungskriterien überbewertet. Ob der Kurs in Relation zum Umsatz, Cashflow oder Reingewinn gesetzt wird: Anleger bezahlten für diese Aktien lange Zeit sehr viel mehr als für Aktien der meisten anderen Unternehmen.

Doch die drei Konzerne lieferten. Aus Hoffnungen und gewagten Spekulationen wurden reale Gewinne. Googles Holding Alphabet verdiente im vergangenen Geschäftsjahr nach Abzug aller Kosten umgerechnet 30 Milliarden Euro, Facebook 22 Milliarden und Amazon rund 15 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Der beste Dax-Konzern ist der Versicherer Allianz mit voraussichtlich sechseinhalb Milliarden Euro.

Noch vor ein paar Jahren fuhren die heutigen US-Giganten keine Milliarden-, sondern Millionengewinne ein, oft sogar rote Zahlen, wie Amazon. Dennoch trieben viele Aktionäre diese Aktien auch in ihren gewinnarmen Jahren auf Bewertungen, als würden die Unternehmen eines Tages zweistellige Milliardengewinne einfahren.

Weil genau das eingetreten ist, behielten die risikofreudigen Anleger recht – und die Mahner vor den absturzgefährdeten, überbewerteten Aktien unrecht.

Die Spekulation auf scheinbar hoffnungslos überbewertete „Modeaktien“ ist also keineswegs immer zum Scheitern verurteilt, wie Amazon wohl am eindrucksvollsten belegt. Jahrelang investierte Firmengründer Jeff Bezos die steigenden Umsätze seines Konzerns in immer neue Techniken, Software, Logistikzentren, Fahrzeuge und Mitarbeiter, um Verbrauchern die bestellten Waren vor die Haustür zu liefern. Allein 2020 stellte der Handelsriese rund um den Globus fast eine halbe Million neue Mitarbeiter ein.

Rekordhohe Ausgaben verschoben die erhofften Gewinne immer wieder in die Zukunft – auch jetzt noch. Amazon investiert nach wie vor lieber, anstatt Dividenden auszuschütten und so hohe Gewinne zu bilanzieren wie Apple. Im vergangenen Jahr waren es bei dem iPhone-Riesen nach Abzug aller Kosten 51 Milliarden Euro, mehr als bei allen 30 Dax-Konzernen zusammen.

Yahoo, AOL und Cisco sind Negativbeispiele

Fährt Amazon aber eines Tages seine rekordhohen Ausgaben herunter, etwa weil der europäische oder amerikanische Markt ausreichend mit Logistikzentren versorgt ist, was bald der Fall sein dürfte, dann steigen die Gewinne vermutlich sogar noch über das heutige Apple-Niveau hinaus. Genau das signalisiert die nach wie vor sehr hohe Aktienbewertung der Amazon-Aktie. Sie spiegelt rasant steigende Gewinnerwartungen für die nächsten Jahre wider. Dass diese Spekulation aufgeht, erscheint heute wahrscheinlicher denn je.

Daraus aber nun zu schließen, dass überbewertete Aktien in die hohen Bewertungen hineinwachsen, ist fahrlässig und gefährlich. Das zeigen Negativbeispiele von Unternehmen wie Yahoo, AOL und Cisco an der Wall Street oder die Deutsche Telekom in Deutschland. Diese Aktien waren zeitweise genauso überbewertet wie Amazon, weil Anleger auch hier auf eine glänzende Zukunft spekulierten. Doch die Unternehmen lieferten nicht das, was die Bewertungen widerspiegelten – und die Aktienkurse stürzten ab.

Alle diese Storys gehören zum Börsenalltag. Wenn heute Aktien wie Tesla in der E-Mobilität oder Ballard Power samt seinen vielen kleinen Wettbewerbern in der Wasserstoffbranche überbewertet sind, dann mag die Spekulation vielleicht aufgehen, wenn die Unternehmen künftig Milliardengewinne einfahren. Doch es bleibt eine sehr gewagte Wette, denn Erfolgsgeschichten wie Amazon sind nicht die Regel, sondern die Ausnahme.

Eines aber ist diesmal extremer als in früheren heißen Spekulationsphasen: Tesla ist mit seinen 670 Milliarden Euro Börsenwert so hoch bewertet, als ob der Konzern eines Tages 40 oder 50 Milliarden Euro Reingewinn pro Jahr einfährt. Das wäre so viel, wie noch nie ein Autobauer auch nur annähernd geschafft hat. Es könnte nur gelingen, wenn die Nettomarge wie bei Apple und Co. auf zweistellige Prozentraten steigt. Das aber erscheint nahezu ausgeschlossen.

Zu hart ist der Wettbewerb, als dass sich Renditen durchsetzen lassen wie in der Technologiebranche mit in sich geschlossenen Systemen, wie sie sich Facebook und Google geschaffen haben. In der Autobranche gibt es hingegen hochqualifizierte Nachahmer. Techniken und Modelle sind kopierbar. Dass Tesla ein neues Amazon oder Apple wird, bleibt also eine Spekulation mit sehr viel mehr Risiken als Chancen.

Die Spekulation auf überbewertete Modeaktien ist riskant, aber keineswegs zum Scheitern verdammt. Was mit einigen Aktien in der Technologiebranche mit ihren hohen Profitmargen gelingt, ist nicht auf andere Highflyer übertragbar. Insofern bleibt höchste Wachsamkeit gegenüber überbewerteten Aktien die wohl wichtigste Tugend an der Börse.

Mehr: Die 100 wertvollsten Unternehmen der Welt und ihre Aktien

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