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Kommentar Trump kehrt in der Normandie der US-Geschichte den Rücken

Der US-Präsident ist anlässlich des 75. Jahrestags des D-Day in der Normandie. Einer Rockwell-Ausstellung im Weltkriegs-Memorial von Caen bleibt er aber fern.
4 Kommentare

Trump, Merkel und Queen Elizabeth erinnern an Landung in der Normandie

Das Gemälde dürfte eines der bekanntesten weltweit sein: Eine ältere Frau hält eine Platte mit einem großen gebratenen Truthahn, hinter ihr steht freudig lächelnd der Patriarch der Familie, vor ihr sitzen die Jüngeren erwartungsvoll-fröhlich am Tisch. Norman Rockwells Bild ist als „Thanksgiving-Essen“ berühmt geworden. Seine fast fotorealistischen Gemälde aus den 30er bis 60er-Jahren wirken manchmal etwas bieder und scheinen ein amerikanisches Mittelklasse-Idyll zu beschwören.

Dabei ist der Hintergrund hochpolitisch. Das Erntedankfest-Essen stammt aus einer Serie, die Rockwell kurz vor dem Kriegseintritt der USA 1941 malte. Präsident Franklin D. Roosevelt hatte seine „Vier Freiheiten“-Rede gehalten, Rockwell illustrierte sie und die Bilder reisten durch die ganzen Vereinigten Staaten, verbunden mit einem Spendenaufruf, der Millionen an Dollar einbrachte.

Der gebratene „Turkey“ ist also kein gefühliger Selbstzweck. Er verkörpert die Freiheit von Mangel. Zusammen mit der Freiheit der Rede, des Glaubens und der Freiheit von Angst bildet sie die Werte, die Roosevelt zu verteidigen gelobte – und für die er seine Landsleute mobilisieren wollte, um den Kampf gegen die Nazis vorzubereiten.

Alle vier Bilder sind in einer Ausstellung im Weltkriegs-Memorial von Caen in der Normandie zu sehen, zusammen mit dem von Roosevelt per Hand korrigierten Originalmanuskript seiner Rede. In Caen wird Donald Trump am Donnerstag, dem 75. Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie, mit Präsident Emmanuel Macron zu Mittag essen. Die Ausstellung wird er sich allerdings nicht ansehen. Sie interessiert den US-Präsidenten offenbar nicht – ganz im Gegensatz zur demokratischen Mehrheitsführerin Nancy Pelosi, die ihren Besuch angekündigt hat.

Die Ausstellung enthält Rockwells Arbeiten während des Krieges, die sich zum größten Teil mit der Heimatfront beschäftigten. Sie zeigt ihn aber auch als Illustrator, der mit Bildern über einen verschmitzten, kleinwüchsigen, schmalen Soldaten Sympathie für die kämpfenden GIs weckte, ohne sie zu markigen Heroen zu machen.

Rockwells Kunst wurde immer kritischer

Die Schau setzt sich fort in die 60er-Jahre. Rockwell bleibt seinem politischen Engagement treu, aber jetzt führt es ihn in Konflikt mit der Regierung: Da er den Vietnamkrieg ablehnt, weigert sich der Künstler, ihn malerisch zu begleiten. Mit Zeichnungen und Gemälden macht er auf die Lynchmorde an Farbigen und Weiße aufmerksam, die gegen die Rassentrennung ankämpfen.

Eines seiner eindrucksvollsten Bilder ist bei der Ausstellung zu sehen: Das der kleinen Lynda Gunn, die 1963 von vier Polizeibeamten auf ihrem Schulweg begleitet werden musste, weil sie als erstes farbiges Kind in eine bislang den Weißen vorbehaltene Schule ging. Zwischen den martialisch auftretenden Beamten, deren Köpfe nicht zu sehen sind, geht sie in einem weißen Kleid: verletzlich, aber selbstbewusst.

Treffen von Trump und Macron zur Gedenkfeier in der Normandie
Emmanuel Macron
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Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat beim Gedenken an den D-Day US-Präsident Donald Trump an seine historische Verantwortung erinnert. „Amerika, lieber Präsident Trump, ist immer dann am größten, wenn es für die Freiheit der anderen gekämpft hat“, sagte der 41-Jährige am Donnerstag auf dem US-Militärfriedhof Colleville-sur-Mer bei Bayeux. „Wir dürfen niemals aufhören, das Bündnis der freien Völker mit Leben zu erfüllen“, so Macron weiter.

(Foto: AP)
Fliegerspekatkel zum Gedenken an den D-Day
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US-Präsident Trump, seine Frau Melania, Frankreichs Präsident Macron und seine Frau Brigitte schauen hoch zu den Fliegern.

(Foto: AP)
Donald Trump
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Trump zählte die an der Landung beteiligten rund 130.000 US-Soldaten zu den „allergrößten Amerikanern, die je gelebt haben“. Ihre außergewöhnliche Kampfkraft sei auf ihren einzigartigen Mut zurückzuführen. Die Soldaten seien Bürger freier und unabhängiger Nationen gewesen, die die Pflicht gegenüber ihren Landsleuten und ihren noch ungeborenen Nachkommen zusammengeführt habe.

(Foto: AFP)
Justin Trudeau
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Der kanadische Premierminister Justin Trudeau sagte, die Landung sei ein unvergleichliches Wagnis gewesen. Die dabei gefallenen Soldaten seien „für Dich und mich gestorben“.

(Foto: AFP)
Gespräche am Rande der Feierlichkeiten
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Der französische Premierminister Edouard Philippe (links) und der kanadische Premierminister Justin Trudeau sprechen sich noch kurz vor der Rede von Trudeau.

(Foto: AFP)
Donald Trump und Emmanuel Macron
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US-Präsident Donald Trump und der französische Präsident Emmanuel Macron begrüßen Veteranen des zweiten Weltkriegs auf dem US-Militärfriedhof Colleville-sur-Mer in unmittelbarer Nähe des US-Landebereichs Omaha Beach.

(Foto: Reuters)
Donald und Melania Trump
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US-Präsident Donald Trump und First Lady Melania sind für die Feierlichkeiten zur Erinnerung an die Landung der alliierten Truppen in der Normandie vor 75 Jahren in Frankreich eingetroffen. Auf dem US-Militärfriedhof Colleville-sur-Mer bei Bayeux nehmen sie gemeinsam mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron und anderen Staats- und Regierungschefs an der Gedenkfeier zum Jahrestag des D-Day teil.

(Foto: AP)

Es gehört eine merkwürdige Mischung von Geschichtsvergessenheit und kleinlichem Ressentiment gegen andere politische Auffassungen dazu, um als US-Präsident nach Europa, in die Normandie, nach Caen zu kommen und diese Ausstellung zu ignorieren. Aber vielleicht ist es für Trump nur konsequent: Rockwell war ein Amerikaner, für den zum Patriotismus gleiche Rechte für alle gehörten. Roosevelt bekämpfte den Nazismus, sagte aber schon 1941, nach dem Sieg über die Nazis müsse es eine umfassende Abrüstung geben, „damit nie wieder eine Nation ihre Nachbarn bedrohen kann“. Die USA schufen nach dem Krieg die multilaterale Ordnung und förderten die Gründung der EU.

All das will Trump zerstören oder schwächen: Multilateralismus, Abrüstungsverträge, das geeinte Europa. Die Erinnerung an ein konstruktives Amerika ist da nur hinderlich.

Soldaten können allerdings – je nach Wetterlage – auch lästig sein, selbst wenn Trump sich gerne mit ihnen fotografieren lässt. Im November vergangenen Jahres hätte er, aus Anlass des 100. Jahrestages zum Ende des Ersten Weltkriegs, einen amerikanischen Friedhof in Paris besuchen sollen. Der US-Präsident sagte ab, weil es ihm zu nass war, und wurde dafür ausgelacht. Bleibt abzuwarten, ob der Schönwetter-Patriot in der Normandie mehr Standhaftigkeit beweisen wird – oder ob er wieder davon läuft.

Mehr: Mit einer Militärparade wurde an die Landung der Alliierten vor 75 Jahren erinnert. Kanzlerin Merkel nannte das Eintreten für Frieden und Freiheit „Geschenk der Geschichte“.

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4 Kommentare zu "Kommentar: Trump kehrt in der Normandie der US-Geschichte den Rücken"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @ Josef Müller

    Wenn man US-Medien liest (und NICHT nur die "liberalen" NYT und WaPo, sondern auch alternative Medien), dann sieht man bei den Kommentaren dort, dass den Amis die deutsche Oberlehrerhaftigkeit und (Außen-)Politik zunehmend auf den Sack geht - sofern sie sich überhaupt mit Deutschland beschäftigen.
    Und im europäischen Ausland sieht es auch nicht viel besser aus.
    Ralph Malisch hat das auch sehr schön beschrieben hier:
    "Wenn es die deutsche Politik über die letzten Jahre in einer Sache zu einer gewissen Meisterschaft gebracht hat, dann ist es die Kunst des ungebetenen Ratschlags. Da wird angemahnt, getadelt und bewertet, was das Zeug hält – gerne auch jenseits der Grenzen des eigenen Zuständigkeitsbereichs. Ehedem, als zwischen innen und außen noch deutlicher unterschieden wurde, wäre die Oberlehrerhaftigkeit, mit der da andere Regierungen und ganze Länder gemaßregelt werden, schlicht als Einmischung in die inneren Angelegenheiten verurteilt worden. (...)
    Richtig getreten wird nur nach Staaten und Regierungen, deren Politik man erstens so gar nicht leiden kann, denen man sich – aus welchen Gründen auch immer – irgendwie überlegen glaubt und die ihrerseits viel zu zivilisiert sind, um auf solches Verbalrabaukentum zu reagieren. Entsprechend kündigte man auch schon mal eine imaginäre Kavallerie in Richtung Schweiz an. Das Polen- und Ungarn-Bashing scheint in Berlin seit einigen Jahren ohnehin zum „guten Ton“ zu gehören, während man gegenüber Ländern wie China, Saudi-Arabien oder dem Iran nur nahezu unhörbar leise Töne haucht. Eine Sonderrolle nehmen die USA unter Donald Trump ein, wo man in bester Wadlbeißer-Manier alles tut, um sich schon heute bei dessen herbeigesehnten Nachfolgern lieb Kind zu machen."
    https://www.smartinvestor.de/blog/2019/05/31/loecher-in-der-matrix-vor-der-eigenen-tuer/

  • Ich empfehle den Verfassern der beiden vorhergehenden Kommentare die Lektüre des Interviews mit Mario Vargas Llosa:
    https://www.handelsblatt.com/arts_und_style/literatur/interview-mit-mario-vargas-llosa-ohne-privilegien-kein-neid-auf-reiche/24420506.html?nlayer=Newsticker_1985586

  • "..Es gehört eine merkwürdige Mischung von Geschichtsvergessenheit und kleinlichem Ressentiment gegen andere politische Auffassungen dazu, um als US-Präsident nach Europa, in die Normandie, nach Caen zu kommen und diese Ausstellung zu ignorieren. "

    Unter Umständen genügt hier auch einfaches Desinteresse an Norman Rockwell. Soll es durchaus geben. Ist auch nicht verboten.


  • Ich waere sehr froh, wenn die Kritik an Trump sich mit dem Nicht-Besuch der Ausstellung
    von der die grosse Mehrheit der Leser nie gehoert haben, erschoepfen wuerde.

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