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Donald Trump

Der G7-Gipfel ist in der Theorie ein guter Rahmen, um einem Präsidenten wie Trump zu zeigen, dass er nicht von Feinden und Schlitzohren umzingelt ist.

(Foto: dpa)

Kommentar Trump setzt auf Erpressung

Donald Trump wäre dem G7-Gipfel besser von vornherein ferngeblieben. Die gezielte Demütigung seiner engsten Verbündeten hat nachhaltigen Schaden angerichtet.
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Das Foto, über das rund um den G7-Gipfel am meisten diskutiert wurde, zeigt die Kanzlerin im Mittelpunkt. Mit beiden Händen stützt sich Angela Merkel auf einem schmalen Tisch ab, hinter dem Donald Trump wie verschanzt auf einem Stuhl sitzt, die Arme verschränkt. Dicht um Merkel und Trump gedrängt stehen Weltenlenker, sie bilden eine Mauer der Mächtigen.

Die Posen und Gesichtsausdrücke lassen viel Raum für Interpretationen, und die vielleicht bequemste ist diese hier: Wenn Staats- und Regierungschef nur genügend zusammenhalten, können sie Trump ein Zeichen von Stärke entgegenbringen, von Stabilität und Haltung.

Doch nach dem dramatischen Finale des G7-Gipfels in Kanada ist klar: Die vermeintliche Botschaft des Fotos ist nur eine Illusion. Denn am Ende bestimmte nicht das Ringen um eine gemeinsame Basis das Spitzentreffen, sondern dass Trump den Konsens, obwohl er mit seinem Segen vereinbart worden war, genüsslich torpedierte.

Trump zog nachträglich seine Zustimmung zur G7-Abschlusserklärung zurück, die eigentlich auf ihn zugeschnitten war. Er kündigte ohne Not einen Deal auf und warf das Resultat von zwei Tagen mühsamer Fingerspitzen-Diplomatie in die Tonne. Einfach nur deshalb, weil er es kann.

Donald Trump wäre dem G7-Gipfel besser von vornherein ferngeblieben. Denn die gezielte Demütigung seiner engsten Verbündeten hat nachhaltigen Schaden angerichtet. Die übrigen führenden Industrienationen stürzt Trump mit seinen Schockmethoden unweigerlich in eine Krise, aus der sie so schnell nicht wieder herauskommen werden.

Wie sollen sie künftig jemandem gegenübertreten, der sich seine dogmatischen Thesen zur Handelspolitik nicht durch Expertise kaputt machen lassen will? Der in einer Minute Europa vorwirft, „das Sparschwein USA zu plündern“, und in der nächsten Minute behauptet, seine Beziehung „zu Angela und Emmanuel“ sei wunderbar? Der taub ist für Argumente – zum Beispiel dafür, dass die USA am Handel mit Europa so viel verdienen wie mit keinem anderen wirtschaftlichen Partner?

Der G7-Gipfel ist in der Theorie ein guter Rahmen, um einem Präsidenten wie Trump zu zeigen, dass er nicht von Feinden und Schlitzohren umzingelt ist. Sondern dass er auf Partner bauen kann, die zwar Fehler und Schwächen haben, aber die doch Verbündete sind in einer Welt voller Abgründe. Zur bitteren Erkenntnis dieses Gipfels gehört jedoch, dass man sich von dieser Vorstellung verabschieden muss.

Bislang hatte sich Trump internationalen Formaten nie komplett verweigert. Er genoss häufig die Bühne, nicht zuletzt deshalb, weil er lange dafür gekämpft hatte, dass man ihn, den Playboy und Kitsch-Fan, im Kreis mehr oder weniger seriöser Staatenlenker ernst nimmt.

Jetzt setzt er auf Erpressung, drohte in Kanada mit einem kompletten Bruch globaler Handelsbeziehungen. Parallel verhöhnte er seine Partner, indem er eine Welt ohne Handelsbarrieren in Aussicht stellte. Obwohl er es war, der sich Freihandelsabkommen verweigerte, sobald er ins Weiße Haus gewählt wurde. Es wird viele Gipfel brauchen, um das Vertrauen zurückzugewinnen, das Trump mit seiner Respekt- und Anstandslosigkeit zerstört hat.

Womöglich wird Trump die Konsequenzen erst spüren, wenn sie an ihm selbst und seinem Macher-Image kratzen. Wenn sich die ersten ausländischen Investoren zurückziehen, weil sie durch Strafzölle und chronische Feindseligkeit verunsichert sind. Wenn die US-Industrie und die Agrarlobby dem Präsidenten das Vertrauen entziehen.

Wenn es den bislang peinlich zahmen Republikanern dämmert, dass Trump ihren Interessen langfristig mehr schadet als nutzt. Und wenn die ersten Trump-Anhänger verstehen, dass die Sicherheit der Nation nicht mit Autozöllen verteidigt werden kann, sondern eher mit einer starken Strategie gegen Cyberangriffe.

Bis es so weit ist, bleibt der internationalen Gemeinschaft nichts anderes als Pragmatismus übrig. Darin üben sich bereits Politiker wie Kanadas Premierminister Justin Trudeau, der auf dem Gipfel bestimmt und kritisch auftrat, aber höflich blieb. Oder Merkel, die Trumps Angebot für eine weltweite Null-Zölle-Zone beim Wort und als „Ausgangspunkt“ für neue Verhandlungen nahm. Nüchterne Vernunft ist die einzige Möglichkeit, eine Tür offenzuhalten, die Trump immer und immer wieder mit Schwung ins Schloss fallen lässt.

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2 Kommentare zu "Kommentar: Trump setzt auf Erpressung"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wie lange glaubten sie, Frau Meiritz, würden die Amerikaner diese Spiel noch mitmachen. Während die USA für unsere Sicherheit garantieren und sowohl Blutzoll und Geld überwiegend leisten, machen die Europäer, und speziell die Deutschen, gute Geschäfte. Und natürlich muss man sich alle Zölle anschauen oder glauben Sie wirklich, die EU / Canada wäre da sauber? Wohl kaum. Nun, der Stil, die laute, beleidigte Kraftmeierei des US Präsidenten ist für uns durchpädagogisierte Wohlstandsdeutsche verstörend, aber das Thema an sich, war seit langem überreif. Es wird Zeit, dass wir Europäer unsere Hausaufgaben machen, zB uns selbst verteidigen zu können.

  • Ich nehme mal ein Beispiel. Donald Trump steht in einer Drehtür seines Trump-Towers und keiner kommt rein oder raus. Vor, zurück und stehenbleiben ... das ist Trump. Wer nach ihm seine Uhr stellt... kann sich nur irren.

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