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Mohammed bin Salman und Donald Trump

Der US-Präsident hält zum saudischen Kronprinzen.

(Foto: AFP)

Kommentar Trump stärkt bin Salman – und offenbart so seine große Schwäche

Trump ist nicht bereit, einen lukrativen Deal für ein bisschen Anstand aufzukündigen: In der Saudi-Arabien-Krise zeigt er ein erschreckendes Defizit an Verantwortung.
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In seinem Kabinett hält es Donald Trump mit dem Prinzip Hire and fire. Wer es sich mit ihm verscherzt, wer zu mild in Einwanderungs-, Außen- oder Handelspolitik waltet, der wird zuerst öffentlich abgestraft und muss dann gehen.

Weit weniger konsequent ist der US-Präsident mit ausländischen Diktatoren und Autokraten. Während sich der Großteil der westlichen Welt nach dem Mord an dem Journalisten Jamal Khashoggi entsetzt von Saudi-Arabien abwendet, hält Trump bedingungslos am saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman fest.

Die außenpolitische Krise soll nicht seine persönliche Krise werden, auch wenn der Geheimdienst CIA zu dem Schluss gekommen sein soll, dass das Königshaus den Mord angeordnet habe. Trump hätte auf Basis dieser Erkenntnisse mit Riad brechen können.

Stattdessen veröffentlichte er einen mit Ausrufezeichen gespickten Wutbrief, der bin Salman den Rücken stärkte. Erneut wendet sich Trump gegen seine Geheimdienste, wie schon in der Russland-Affäre.

Trumps Strategie des Wegschauens hat nicht nur Nachteile, im Fall von Nordkorea etwa verschaffte eine Prise Ignoranz eine Atempause. Über die Fortschritte der Annäherung mit Kim Jong Un kann man streiten, doch immerhin ist eine Eskalation für den Moment abgewendet.

Trumps große Schwäche aber ist, dass er die Loyalität starker Männer über verantwortungsvolles, nachhaltiges Regieren stellt. Ein Händedruck zählt mehr als die Expertise seiner eigenen Leute. Zwar war Trump lange nicht der Einzige, der bin Salman als jungen Reformer pries, der Wirtschaft und Gesellschaft modernisiert. Doch Trump weigert sich nun, das Verhältnis neu zu bewerten, aus Furcht vor einem Gesichtsverlust. Ein Kurswechsel wäre das Eingeständnis eines Irrtums.

Hinter Trumps bemerkenswertem Satz „Vielleicht hat er es getan, vielleicht auch nicht“ verbirgt sich eine eiskalte Abwägung: In seiner Logik haben die USA nichts zu gewinnen, wenn sie sich zu sehr in den Fall Khashoggi hinhängen. Das Königreich will zudem Waffen im Wert von 450 Milliarden US-Dollar kaufen. Auch wenn davon bislang nur ein Bruchteil umgesetzt wurde, ist Trump nicht bereit, einen lukrativen Deal für ein bisschen Anstand aufzukündigen.

Selbst der Kongress, der gegen Trumps Kuschelkurs protestiert, wird dabei kaum etwas ausrichten. Neue Sanktionen könnten folgen, das Waffenpaket aber dürfte man nicht antasten. Man müsste den Deal in seine Einzelteile zerlegen und abstimmen. Das ist ein enormer legislativer Akt, der den Republikanern Schlagkraft für die Wahl 2020 rauben würde.

Der Präsident hat jetzt weitgehend freie Hand. Er wird seinen Spielraum nutzen.

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