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US-Präsident Trump

„Nationale Sicherheit“ als Allzweckwaffe.

(Foto: AFP)

Kommentar Trumps Begründung für Strafzölle ist an den Haaren herbeigezogen – und gefährlich

Trump macht Ernst im Kampf gegen unliebsame Einfuhren – und verweist auf die „nationale Sicherheit“. So lächerlich diese Begründung klingt, so gefährlich ist sie.
5 Kommentare

Als Donald Trump zu Beginn seiner Amtszeit mit Drohungen Freund und Feind verschreckte, hieß es aus seiner Umgebung, man solle den Poltergeist im Weißen Haus nicht wörtlich, wohl aber ernst nehmen.

Nun hat der US-Präsident seine Drohung wahrgemacht und saftige Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte aus der EU, Mexiko und Kanada verhängt, und spätestens jetzt wissen die Europäer, dass man ihn wörtlich und ernst nehmen muss. Auch wenn die Begründung für seine Strafexpedition gegen unliebsame Einfuhren an den Haaren herbeigezogen ist.

Nein, die Stahl- und Aluminiumimporte aus der EU, Mexiko und Kanada gefährden genauso wenig die „nationale Sicherheit“ der USA wie die Autos von Mercedes oder BMW. Ausländische Autobauer könnten die nächsten sein, die Trump unter dem gleichen Vorwand ins Visier nimmt. Die Weichen dafür sind bereits gestellt.

So lächerlich diese Begründung klingt, so gefährlich ist sie: Wenn die USA ihre „nationale Sicherheit“ zu einer Allzweckwaffe im Kampf gegen unerwünschte Importe machen, kann die Welthandelsorganisation WTO als Schiedsrichter bei Handelskonflikten einpacken. Mit welchem Argument will Trump den Handelstricksern in China entgegentreten, wenn die künftig mit dem Hinweis auf ihre Sicherheitsinteressen alle Zukunftsmärkte zum Tabu erklären?

Aber Trump schießt sich nicht nur als „Dealmaker“ selbst ins Knie. Die bittere Ironie seiner aggressiven Handelspolitik ist, dass gerade jene „wütenden und vergessenen“ Industriearbeiter im Rostgürtel der USA, die der Populist eigentlich beglücken wollte,

unter den Strafzöllen leiden werden.

Trumps Wähler zahlen die Zeche

Die Marktforscher der Consultingfirma Trade Partnership Worldwide haben ausgerechnet, dass durch die angedachten Strafzölle von 25 Prozent auf Autoimporte unter dem Strich 157.000 US-Jobs vernichtet würden. Darunter etwa 45.000 Industriearbeitsplätze außerhalb des Automobilsektors. Für jeden Arbeitsplatz, den die Handelsbarrieren bei amerikanischen Autobauern schaffen, gehen innerhalb der ersten drei Jahre in anderen Branchen drei Jobs verloren, verdammen die US-Experten die Politik ihres Präsidenten.

Auch sein Ziel, die US-Exporte zu erhöhen, würde Trump demnach verfehlen. Der Wert der Ausfuhren würde sogar sinken, warnen die Handelsfachleute. Die US-Autoindustrie kennt die Horror-Rechnungen – und ist deshalb gegen Strafzölle auf Importe.

Die wirtschaftliche Bilanz der jetzt verhängten Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte sieht kaum besser aus. Die stahlverarbeitende Industrie in den USA warnt bereits vor höheren Preisen und dem Verlust von Arbeitsplätzen. Schon jetzt sind die Stahlpreise in den USA rund 50 Prozent höher als in Europa und China, beklagt die amerikanische Handelskammer.

Hinzu kommen die wirtschaftlichen Schäden, die den USA durch die angekündigten Vergeltungsmaßnahmen der Europäer und Kanadier drohen. Allein die EU will ihrerseits Strafzölle auf US-Importe im Wert von fast drei Milliarden Euro verhängen. Die Zeche dafür zahlen vor allem die Trump-Wähler im Mittleren Westen.

Auch sie werden künftig ihren Präsidenten beim Wort und ernst nehmen müssen.

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5 Kommentare zu "Kommentar: Trumps Begründung für Strafzölle ist an den Haaren herbeigezogen – und gefährlich"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Was mir nicht gefällt:
    Deutschland ist ein ROHSTOFFARMES Land, weshalb gibt Deutschland so billig Aluminium und Stahl an USA, dass wir einen Überschuss erzielen. Sind unsere Unternehmen nicht fähig einen USA-Wettbewerber fähigen hohen Preis durchzusetzen?
    Ähnliches gilt für viele EU Produkte, die in der EU TEURER sind als in USA. Kein Wunder, dass die Amerikaner unsere BILLIGEN und GUTEN PRODUKTE lieber kaufen.

    Es ist an der Zeit, dass die Hersteller die Preise für in die USA exportierten Produkte vernünftig erhöhen!

  • Oh ja!?

    Wie begründet denn Deutschland seinen Exportüberschuss? Gar nicht - es verursacht ihn einfach und fasst jede Regung dagegen als Kriegserklärung auf.

    Davon abgesehen trifft Europa der Zoll auf Stahl und Aluminium hart an der Wahrnehmungsgrenze. Es geht um knapp 5 Milliarden Euro per anno EU-Weit!

    Das kann sich ändern wenn die Show auf ideologische, sprich kriegerische Basis gestellt wird. Dann könnten zum Beispiel unsere Schrottkarren, die in den USA mit 2.5 Prozent Zoll zu Buche schlagen auf 10 Prozent erhöht werden, so wie wir das mit dem fahrbaren US-Müll tun.

  • Der Titel "nationale Sicherheit", den die USA für sich beansprucht hat schon weltweit Millionen Tote gekostet, verursacht durch kriegerische Überfälle durch die USA.
    Angefangen in Vietnam und dann so weiter...

  • und warum beschwert sich Trump, dass wir nicht genug für unsere Verteidigung tun. Unsere Autos, die manchmal ein bisschen schummeln, sind ja selbst für die größte Militärmacht eine Bedrohung. Besser kann man sich ja gar nicht verteidigen. Die Bundeswehr können wir jetzt ganz abschaffen.

  • Wer jetzt noch Trump nicht ernst nimmt, dem kann man nicht helfen. Und ich weise noch auf das untergehende Thema Klimawandel hin. Wie soll eine so aufgeladene internationale Gemeinschaft, das überhaupt konzertiert angehen...Der Planet hat ein riesen Problem und das konzentriert sich derzeit nicht auf Moskau, Peking, Iran oder Nordkorea sondern...