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Donald Trump

Im Umgang mit Daimler, VW und BMW agiert der US-Präsident geschickt.

(Foto: AFP)

Kommentar Trumps Einladung an Deutschlands Autobosse ist ein cleverer Schachzug

Für ihre Reise nach Washington ernten die Vertreter von Daimler, VW und BMW viel Kritik. Doch tatsächlich bleibt ihnen keine Wahl.
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Die Einladung von US-Präsident Donald Trump an die deutschen Autobosse zu einem vertraulichen Tête-à-Tête kritisieren viele Politiker als diplomatischen Affront. Taktisch ist das Vorgehen des mächtigsten Manns der Welt allerdings höchst geschickt.

Trump sucht einen baldigen Erfolg bei den laufenden transatlantischen Verhandlungen über ein umfassendes Industriezollabkommen. Eine Einigung mit der wichtigsten europäischen Industrie scheint ihm da der richtige Hebel, um auf anderen Feldern weiterzukommen.

Die nervösen Reaktionen in Brüssel und Berlin zeigen, dass Trump einen Nerv getroffen hat. Offen und noch mehr hinter vorgehaltener Hand kritisieren Vertreter der Bundesregierung und der EU-Kommission nicht nur die Einladung der US-Regierung, sondern auch die Teilnahme der Vorstandschefs von Daimler, BMW und Volkswagen als falsch.

Von einer „Panikreaktion der Autokonzerne“ ist die Rede oder von einer „Showveranstaltung“ à la Trump. Dabei sollten die Kritiker wissen, dass den Autobossen nach Abwägung aller Vor- und Nachteile gar keine andere Wahl blieb, als den Termin wahrzunehmen.

Man muss sich nur vorstellen, wie die Aktionäre der Autokonzerne reagieren würden, wenn Trump nach einer Absage des Treffens durch die Autobosse die angedrohten Strafzölle gegen europäische Autokonzerne verhängen würde. Vor allem dieses nicht ganz kleine Risiko hat Dieter Zetsche, Harald Krüger, der nun doch seinen Finanzvorstand Nicolas Peter schickt, und Herbert Diess offenbar am Ende dazu bewogen, das ungewöhnliche Gesprächsangebot anzunehmen – auch wenn der Ausgang der Verhandlungen absolut ungewiss ist.

Für die Autokonzerne steht viel auf dem Spiel. Eine Verzehnfachung der US-Zölle auf Autoimporte aus Europa würde Daimler, BMW und Volkswagen empfindlich treffen. Schon jetzt leiden die Autokonzerne unter den Strafzöllen, die China auf amerikanische Autoimporte als Antwort auf den Handelskrieg zwischen Washington und Peking verhängt hat.

Allein bei BMW, das aus seinem Werk in Spartanburg Geländewagen ins Reich der Mitte liefert, summieren sich die zusätzlichen Kosten der chinesischen Strafsteuern schon jetzt auf mehrere Hundert Millionen Euro. Geld, das der Münchener Autokonzern ebenso wie die Konkurrenten in Stuttgart und Wolfsburg dringend für die Transformation des Geschäftsmodells braucht.

Die deutschen Autobauer melden trotz Dieselkrise zwar immer noch eindrucksvolle Gewinne. Doch der Umstieg von der Massenproduktion von Verbrennungsmotoren zu Mobilitätsanbietern von autonom fahrenden Elektrofahrzeugen verschlingt Milliarden. Hinzu kommt der teure Aufbau einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur in Deutschland. Zusätzliche Zollbelastungen wirken wie ein Bremsklotz für den notwendigen Umbau der Autokonzerne.

Es geht um Arbeitsplätze in den USA

Gleichwohl ist den Automanagern sehr bewusst, dass sie mit den Vertretern der US-Regierung weder über bestehende noch über künftige Autozölle reden können. Dafür haben sie kein Mandat, das liegt bei der EU-Kommission, die seit Monaten mit der US-Regierung Verhandlungen über ein transatlantisches Zollabkommen führt.

Bei den Gesprächen zwischen den Automanagern und der US-Regierung kann es deshalb nur darum gehen, mit welchen möglichst konkreten Zusagen die drei wichtigsten europäischen Autokonzerne Investitionen und damit Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten in den nächsten Jahren sichern wollen.

„America first“ heißt für den US-Präsidenten auch, dass ausländische Investitionen bevorzugt in die Vereinigten Staaten fließen sollen. Hier hat jeder Konzern eigene Voraussetzungen und entsprechend eigene Pläne.

Juristisch begeben sich die drei Konzernchefs in eine durchaus heikle Position. Der Spielraum für eine gemeinsame Linie im Kampf gegen drohende Extrazölle ist minimal. Kartellrechtlich ist es verboten, gemeinsame Absprachen mit einer Regierung zur Verhinderung von Strafzöllen zu treffen.

Streng genommen können die drei Autobosse gemeinsam nur einen allgemeinen Austausch mit den Vertretern der US-Regierung führen. Sobald es konkret wird, müssten Zetsche, Krüger und Diess einzeln verhandeln. Für das Treffen am Dienstag gilt die Strategie des früheren Generalfeldmarschalls Graf von Moltke: „Getrennt marschieren, vereint schlagen“.

Wie erfolgreich die deutschen Autobosse in Washington sein werden, ist ungewiss. Trump steht nach der angekündigten Massenentlassung des US-Autobauers General Motors innenpolitisch unter Druck. Trotz Steuersenkung spüren viele amerikanische Unternehmen die negativen Folgen der eingeführten Strafzölle in Form höherer Produktionskosten.

Die Arbeitslosenzahlen sind zuletzt zwar weiter gesunken, doch die absehbare Abkühlung der amerikanischen Konjunktur birgt politischen Sprengstoff. Den Sieg der Demokraten im Repräsentantenhaus bei den Zwischenwahlen musste Trump als politisches Warnsignal interpretieren.

Noch ist die Not nicht so groß, dass sich US-Präsident Trump auf einen faulen Kompromiss bei dem transatlantischen Industriezollabkommen einlassen könnte. Eine Einigung mit den drei deutschen Autokonzernen könnte für die US-Regierung gleichwohl ein Ansatz sein, um bei einem anderen Thema voranzukommen: der Öffnung des europäischen Marktes für landwirtschaftliche Produkte aus den USA.

Der Druck der amerikanischen Farmer auf Trump ist immens. Doch bei diesem Thema blockiert vor allem Frankreich weiter eine Einigung – und der EU-Kommission ist es bisher offenbar nicht gelungen, einen Kompromiss herbeizuführen.

Wie immer in der Politik ist auch bei dem transatlantischen Zollabkommen alles miteinander verbunden. In diesem Sinne ist das Treffen mit den Automanagern für Trump vor allem eins: Mittel zum Zweck.

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1 Kommentar zu "Kommentar: Trumps Einladung an Deutschlands Autobosse ist ein cleverer Schachzug"

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  • Die meisten in Europa denken noch, dass der Trump nicht zurechnungsfähig ist. Der Mann wäre nicht da wo er ist wenn dies zutreffen würde. Dieser Mensch hat erkannt wie die Gesellschaften funktionieren: Sie wollen belogen werden und alles ist gut. Deutsche Industrie - "Lenker" waren schon immer angepasst und das ist keine Geschichte, sondern gelebte Vergangenheit. Übrigens Deutschland ist auf allen Feldern gelebte Vergangenheit, es ist resistent gegen die Zukunft. Parkplätze sind wichtiger als LWL's, Alkohol ist wichtiger als Recht, Gas geben ist die Freiheit, Titel als Berufung und Lohndumping als Zertifikate bilden den Erfolg ab. Es verbleibt Ihnen diese Liste zu ergänzen. Mercedes und Co. sind Produkte dieses Verhaltens und folgen letztlich den Vorgaben der ausgebildeten Bildungsschicht. Ausbildung von Menschen und Ausbildung von Annahmen und Vorgehensweisen sind hier nicht im Kontext, das eine meint die Bildung und den Prozess des Lernens und die Andere verweist auf eine Konditionierung und Annahme, dass Gruppe recht hat. In sofern hat die Sozialisierung, ebenfalls unterschiedliche Ergebnisse. Kranke Gesellschaften konditionieren und gesunde Gesellschaften entwickeln sich. Das lässt sich erst im Zeitverlauf erkennen. Europa fällt in der Entwicklung zurück, als Player in der Welt (zuletzt G20), gilt es nicht mehr als IT-Player kein 3ter Platz mehr für Europa, es ist nur noch Zuschauer. Allen Absicht zu trotz, es will gar nicht. Der Kampf gegen Kreative und Fortschrittliche geht weiter. "Bleibt uns vom Leib, ihr Ungetüme. Euer Wissen ist uns ein Grauen", so schallt es aus allen Personalbüros und in allen anderen Etagen der Unternehmen. "Billig soll es sein und billig gedacht ist der Wunsch, das kostet nichts." Bloß kein Konkurrent herein lassen, dann haben wir den Größten und dann sind wir die Besten. Von Besseren oder Anderen lernen das geht gar nicht. Wir machen das schon gefühlte 500 Jahre so und so ist es gut. Das Ergebnis ist bekannt.

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