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Kommentar Trumps Gift wirkt – aber offenbart auch seine Verhandlungsschwäche

Trumps Radikal-Politik zeigt Wirkung: Der US-Präsident hat die Welt misstrauischer und wütender gemacht und gleichzeitig die USA geschwächt.
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Die aktuelle Feindseligkeit geht weit über die eine oder andere diplomatische Verstimmung der Vergangenheit hinaus. Quelle: AP
Donald Trump

Die aktuelle Feindseligkeit geht weit über die eine oder andere diplomatische Verstimmung der Vergangenheit hinaus.

(Foto: AP)

Bei jeder Gelegenheit lässt Donald Trump raushängen, wie wunderbar er, der Quereinsteiger aus dem Hotelgewerbe, mit den Berufspolitikern der Welt auskomme. Chinas Präsident Xi Jinping sei ein „toller Typ“, schwärmte Trump kürzlich. Zu Bundeskanzlerin Angela Merkel habe er eine „großartige Beziehung“, twitterte er – ganz gleich, ob ein frostiges G7-Foto etwas anderes vermuten ließe. Und mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kam Trump während eines Staatsbesuchs in Washington aus dem Händeschütteln und Umarmen gar nicht mehr heraus.

Doch seine euphorischen Worte, seine Bekenntnisse zu starken Banden passen ganz und gar nicht zu Trumps Taten. Seine protzigen Schmeicheleien übertünchen nur leidlich, dass der Präsident in Wahrheit zündelt und provoziert, wo er nur kann.

Trumps milliardenschweres Strafzollpaket gegen China hat das Zeug dazu, einen schwelenden Handelskonflikt in einen Handelskrieg zu verwandeln. Trump hat den Protektionismus-Wettbewerb aus Barrieren, Strafmaßnahmen und gegenseitigen Marktblockaden eröffnet – gegen den Rat der US-Industrie, die zwar Chinas intransparentem und staatsgelenktem Aufstieg Grenzen setzen will, aber Strafzölle für kurzsichtig und gefährlich hält.

Amerikanische Bauern werden die Konsequenzen der Gegenzölle auf Agrarprodukte und Nahrungsmittel als Erste spüren, Hightech-Unternehmen fürchten zu Recht um ihre Lieferketten.

Trumps Affront auf dem G7-Gipfel, sein Bruch mit dem Iran-Abkommen oder die Stahl- und Aluminiumzölle gegen Verbündete und Nachbarn zeigen zusätzlich Wirkung: Nach gut 500 Tagen im Amt hat der US-Präsident die Welt misstrauischer, wütender, verwirrter gemacht.

Die aktuelle Feindseligkeit geht weit über die eine oder andere diplomatische Verstimmung der Vergangenheit hinaus. Man spürt den historischen Stimmungswechsel darin, dass die EU oder Kanada sich im Hintergrund schon jetzt auf mögliche Autozölle vorbereiten. Sie könnten noch vor den US-Kongresswahlen im Herbst Realität werden. Die Zeit des konstruktiv-vertrauensvollen Umgangs mit Washington ist vorbei, man wappnet sich lieber für den Worst Case.

Jedoch ist Trumps Radikalpolitik am Ende nur ein Beweis für seine Verhandlungsschwäche, da kann er sich noch so oft als „Dealmaker“ selbst loben. Eine Delegation nach der anderen schickte Trump nach Peking – ohne Erfolg. Mühsame Vorgespräche und Zugeständnisse auf Arbeitsebene zum Iran-Abkommen waren Trump ebenfalls nichts wert.

Wer am Verhandlungstisch wenig erreicht, versucht es mit Brachialmethoden. Diese mögen für den Moment wirksam sein, aber sie stehen für den Stil der Schwäche.

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