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Kommentar Trumps Infektion könnte die US-Wahl entscheiden

Die Ansteckung mit Covid-19 schadet dem amerikanischen Präsidenten kurzfristig politisch. Das muss aber nicht so bleiben.
02.10.2020 - 11:50 Uhr 1 Kommentar
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Wenn sich der Präsident der noch immer wichtigsten Weltmacht mit einem Virus infiziert und der Krankheitsverlauf zu Beginn der Ansteckung noch völlig unklar ist, dann verunsichert allein das enorm. Die Finanzmärkte reagierten am Freitag sofort auf die Ansteckung von Donald Trump mit dem Coronavirus: Die Aktienkurse fielen, der Dollar als vermeintlich sicherer Hafen in der Krise legte an Wert zu.

Die Verunsicherung ist umso größer, da Trumps Covid-Erkrankung vier Wochen vor der US-Wahl bekannt wird. Und auch wenn es nach fehlender Empathie aussehen mag, die politischen Folgen der Erkrankung gleich durchzuspielen – diese Wahl und die Position des US-Präsidenten sind zu wichtig, um sich keine Gedanken über die Folgen zu machen. Denn Trumps Infektion zu diesem Zeitpunkt dürfte mitentscheiden über den Ausgang der Wahl – in welche Richtung allerdings, ist unklar.

Kurzfristig schadet die Erkrankung Trump politisch. Sie ist das stärkste Symbol dafür, dass das Virus, mit dem sich in den USA 7,3 Millionen Menschen infiziert haben und an dem allein dort mehr als 200.000 Menschen gestorben sind, eben nicht unter Kontrolle ist.

Dass er die Pandemie im Griff hat, sollte eigentlich Trumps zentrale Wahlbotschaft sein, um den Rückstand in den Umfragen zu seinem demokratischen Kontrahenten Joe Biden aufzuholen: Wir haben Covid-19 überwunden, die Wirtschaft erholt sich drastisch, alles wird gut.

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    Nein, Covid-19 ist in den USA ganz sicher nicht unter Kontrolle: Mehr als 43.000 Menschen haben sich in den Vereinigten Staaten zuletzt neu infiziert – Tag für Tag. Daran trägt auch das schlechte Covid-Krisenmanagement Donald Trumps einen maßgeblichen Anteil.

    Die durch seine Fehlleistungen eskalierte Covid-Krise ist der Grund, warum Trumps Wiederwahl zunehmend unwahrscheinlich erscheint. Jetzt, da der Präsident selbst infiziert ist, wirken seine Großveranstaltungen ohne den nötigen Covid-Schutz erst recht fehl am Platz. Ebenso seine hämischen Worte etwa über Joe Biden, dass dieser aber wirklich immer die größte Maske trage.

    Nicht zuletzt hatte Trump auf seine großen Wahlkampfveranstaltungen gesetzt, um mehr Wähler bis Anfang November von sich zu überzeugen. Solche Kundgebungen sind seine Stärke. Jetzt sitzt der Prasident in Quarantäne: Die Wahlveranstaltungen in Florida und Wisconsin sind erst einmal abgesagt.

    Wenn Trump das Virus schnell abschüttelt, könnte er sogar profitieren

    Kurzfristig also ist seine Covid-Infektion ein schwerer politischer Rückschlag für Trump. Doch bis zum 3. November sind es noch vier Wochen. Und ob sich der Effekt bis dahin nicht sogar umdrehen könnte, kann derzeit niemand sagen. Weil niemand weiß, ob und wie schwer die Covid-Erkrankung Donald Trump zusetzen wird.

    Kommt der Präsident ohne große Symptome rasch durch die Infektion, könnte er es schaffen, die Erkrankung sogar zu seinen Gunsten auszuspielen. Seine Twitter-Botschaft würde dann vielleicht lauten: „Wir haben es zusammen geschafft, seht, ich bin das Zeichen dafür, wie die USA das Coronavirus überstehen können.“ In Brasilien zum Beispiel ist Präsident Jair Bolsonaro in den Umfragen gestärkt aus seiner Covid-Erkrankung herausgegangen.

    Oder setzt Covid-19 den Präsidenten über mehrere Wochen außer Gefecht so wie Boris Johnson in Großbritannien? Müsste sein Vizepräsident Mike Pence gar vorübergehend die Amtsgeschäfte führen?

    Trump hätte ohne Kundgebungen und ohne Fernsehduelle kaum noch eine Chance, sein Amt zu verteidigen. Er wäre dann der lebende Beweis, dass die Pandemie doch viel gefährlicher ist, als er immer behauptet hat. Allerdings könnte ihm eine schwere Erkrankung auch Sympathiepunkte bei den Wählern bringen.

    Die Erkrankung Donald Trumps ist das beste Beispiel dafür, welch gravierende Folgen eine Covid-Erkrankung haben kann. Sie sollte für die politischen Gegner nicht die Gelegenheit für heimliche Häme sein, sondern für den Wunsch auf baldige Genesung. Sonst hält auch die enorme Verunsicherung über Wochen an.

    Angesichts der aufgeladenen Stimmung in den Vereinigten Staaten, in der Trump die Legitimität des Wahlergebnisses wegen eines höheren Briefwahlanteils in Covid-Zeiten bereits mehrfach in Zweifel gezogen hat, könnte der soziale Frieden im Land weiter strapaziert werden, wenn der Präsident im Wahlkampf lange außer Gefecht wäre. In jedem Fall wird seine eigene Covid-Infektion den Wahlkampf massiv beeinflussen.

    Mehr: So reagieren Politiker aus aller Welt auf Trumps Infektion

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    1 Kommentar zu "Kommentar: Trumps Infektion könnte die US-Wahl entscheiden"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Ist es nicht merkwürdig, dass plötzlich nur noch die drei Fotos von Trump gezeigt werden, wo er eine Maske trägt?

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