Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Trumps Nahost-Coup nutzt dessen Wahlkampf und der Region

Bisher hat Trumps Nahost-Politik vor allem Chaos gestiftet. Ein möglicher Friedensvertrag zwischen Israel und den VAE könnte aber eine Wende in der Krisenregion einleiten.
14.08.2020 - 15:49 Uhr Kommentieren
Der US-Präsident kann die Annäherung zwischen Israel und den VAE als politischen Coup verbuchen. Quelle: AFP
Donald Trump

Der US-Präsident kann die Annäherung zwischen Israel und den VAE als politischen Coup verbuchen.

(Foto: AFP)

Donald Trump ist doch immer wieder für eine Überraschung gut. Und seinen jetzigen Coup hat der Twitter-König auch einmal nicht tagelang mit markig formulierten Mitteilungen über den Kurznachrichtendienst flankiert. Trump, ein Diplomat? Man reibt sich verwundert die Augen.

Die Ankündigung des von seinem Nahostbeauftragten, Schwiegersohn Jared Kushner, verhandelten Friedensvertrages zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) war ein erster Befreiungsschlag. Ohne Zweifel ist es ein Erfolg für den vor allem durch sein Corona-Missmanagement aufgefallenen US-Präsidenten. Und auch das steht schon fest: Er wird die Unterzeichnung des Abkommens groß für seinen Wahlkampf zu Hause inszenieren.

Vor allem bietet der Coup die Chance, zur Fortsetzungsserie zu werden: Denn nach den VAE wird Trump auch andere arabische Staaten zur Aussöhnung mit Israel bringen. Kleine arabische Staaten wie Bahrain sind ohnehin nicht mehr frei in ihrer Außenpolitik, sondern wegen ihrer Wirtschaftsmisere Anhängsel der großen Golfstaaten.

Ägypten hängt finanziell am Tropf der VAE. Und die größte Volkswirtschaft am Golf, der wichtigste Petrostaat Saudi-Arabien, ist politisch stark von Trump abhängig. Vor allem seit durch die brutale Ermordung des regimekritischen Journalisten Jamal Kashoggi im saudischen Konsulat in Istanbul der mächtige Kronprinz Mohammed bin Salman massiv unter Druck geraten war.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Wenn es aber zur Aussöhnung Saudi-Arabiens und Israels käme, wäre das der Durchbruch für Frieden im Nahen Osten. Denn das Wüsten-Königreich ist als Herrscher über die den Moslems heiligen Stätten Mekka und Medina auch für die sunnitischen Palästinenser geistige Vormacht. Dass sich die VAE und Israel annähern, war seit Längerem bekannt.

    Denn erstmals wird Israel offiziell mit einem Länderstand auf der – wegen der Corona-Pandemie auf nächstes Jahr verschobenen – Expo-Weltausstellung in dem arabischen Land präsent sein. Vor Jahren wäre das noch völlig undenkbar gewesen. Nun nähern Expo, gemeinsame wirtschaftliche Perspektiven und vor allem ein gemeinsamer Gegner die bisher als spinnefeind geltenden Staaten an.

    Gemeinsamer Feind: Iran

    Alle eint der Hass auf den großen schiitischen Nachbarn Iran: Trump, Israel und die sunnitischen arabischen Golfstaaten. Der Iran unterstützt vor allem die radikalislamischen Bewegungen Hamas im palästinensischen Gaza-Streifen und die Hisbollah im Libanon – die beiden gefährlichsten Gegner Israels.

    Wenn es nun tatsächlich, wie bei der Ankündigung des Friedensvertrages zugesagt, zu neuen Verhandlungen über eine israelisch-palästinensische Zwei-Staaten-Lösung käme, wäre dies tatsächlich ein großer Fortschritt. Und der große außenpolitische Erfolg, den Trump sich bei seinen bisherigen amateurhaften Versuchen so sehr erhofft hatte.

    Die Flagge der Vereinigten Arabischen Emirate erleuchtet ein Hochhaus im israelischen Tel Aviv. Beide Länder wollen jetzt einen Friedensvertrag. Quelle: dpa
    Israel-Emirate-Beziehung

    Die Flagge der Vereinigten Arabischen Emirate erleuchtet ein Hochhaus im israelischen Tel Aviv. Beide Länder wollen jetzt einen Friedensvertrag.

    (Foto: dpa)

    Gemeinsam sind den bisher verfeindeten Staaten und den USA auch wirtschaftliche Interessen: Washington ist der größte Waffenlieferant für die aufgewühlte Region. Israel und die VAE hoffen gegenseitig auf mehr Touristen. Die großen arabischen Airlines setzen auf Passagiere aus Israel. Die weit fortgeschrittenen israelischen Technologien in den Bereichen Bewässerung und Landwirtschaft könnten Verkaufsschlager in den nach Selbstversorgung strebenden Golfstaaten werden.

    Es spricht also vieles dafür, dass es noch bis zur US-Wahl zu einem großen Durchbruch bei der Aussöhnung der Golfländer mit Israel kommt. Trump, der zuvor durch Kushners Plan, Israel solle große Teile des palästinensischen Westjordanlandes annektieren, nur Chaos gestiftet hatte, bekommt ein neues, Erfolg versprechendes Wahlkampfthema. Gut für Trump, aber auch gut für die seit Jahrzehnten krisengeschüttelte Region Naher Osten.

    Mehr: Nahostkonflikt: Annäherung der VAE und Israels.

    Startseite
    Mehr zu: Kommentar - Trumps Nahost-Coup nutzt dessen Wahlkampf und der Region
    0 Kommentare zu "Kommentar: Trumps Nahost-Coup nutzt dessen Wahlkampf und der Region"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%