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Donald Trump

In seinen Twitter-Nachrichten liebt der US-Präsident harte, provokante Forderungen.

(Foto: AP)

Kommentar Trumps Politik wirkt sich immer stärker auf die Marktaussichten aus

Schwere Zeiten für Anleger: Die „America first“-Strategie nimmt enormen Einfluss auf Konjunktur und Börsen. Investoren dürfen nicht nervös werden.
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Als Alan Greenspan Chef der US-Notenbank Fed war und knapp zwanzig Jahre lang die Geldpolitik bestimmte, machte der geflügelte Spruch von „read my lips“ die Runde. So schwer war es, seine Worte zu deuten und in die Realität, die Notenbankpolitik zu übersetzen.

Heute verläuft das beim US-Präsidenten Donald Trump zunehmend ähnlich. Wenn er seine Botschaften in die Welt hinaus posaunt, lässt sich gut von „read my tweets“ sprechen. In seinen Twitter-Nachrichten liebt er harte, provokante Forderungen. Der Präsident macht etwa Druck im Handelskrieg mit China und droht, schon bald neue Zölle einzuführen, um dann ein paar Tage später wieder zurückzurudern.

Zu erkennen, wie weit Trump tatsächlich gehen will und welcher Kern in seinen Tweets steckt, wird für Bürger, Politik und Anleger immer schwieriger. Noch gelingt es ihm, die Börsen immer wieder mit seinen Kurznachrichten in Angst und Schrecken zu versetzen. Doch seine Botschaften nutzen sich ab.

Trotzdem: Der Einfluss auf die Konjunktur und damit mittelfristig auch auf die Kurse an den Märkten ist nicht zu unterschätzen. Die Aussichten gerade für Aktien haben sich zuletzt gerade durch Trump und seine „America-first-Politik“ verschlechtert.

Inzwischen nimmt der Kampf zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt um die wirtschaftliche Führerschaft fast schon perverse Züge an. Es bleibt auf der chinesischen Seite inzwischen auch nicht mehr nur bei Drohungen und der Einführung von Zöllen auf US-Produkte. Mit der Abwertung des Yuan haben die Asiaten gezeigt, dass sie bereit und fähig sind, auch von der Währungsseite aus Druck auszuüben.

In einer hochgradig arbeitsteiligen Welt sind aber nicht nur die beiden Länder direkt betroffen, sondern auch fast alle anderen Staaten. Das gilt besonders für Länder wie Deutschland, die stark vom Export abhängig sind.

Zu spüren bekommen das alles erst einmal die Anleger. Rund ein halbes Jahr nehmen die Märkte die Wirtschaftsentwicklung vorweg, wie sich das in früheren Zyklen gezeigt hat. Gleichzeitig ist Unsicherheit Gift für die Kurse und davon gibt es in der Welt von heute eine Menge.

Das Ergebnis lässt sich in Grundzügen bereits besichtigen: In den USA werfen inzwischen zweijährige Staatsanleihen höhere Renditen ab als zehnjährige. Diese inverse Zinskurve gilt als Vorbote einer Rezession. In der Verzinsung spiegelt sich wider, dass die Investoren die kurzfristigen Risiken für die Wirtschaft höher einschätzen als die langfristigen. Normalerweise erhalten Anleger bei Langläufern eine deutlich höhere Rendite.

Der Wirtschaftsabschwung mag zwar nicht von heute auf morgen starten, doch das Wachstum kommt nach einer Dekade in die Jahre und wäre ohne die Trump’sche Politik sicher deutlich länger gelaufen.

Die Rechnung ist ganz einfach aufzumachen: Angesichts der Unsicherheiten halten sich die Unternehmen mit Investitionen zurück. Sie wissen nicht, was morgen auf sie zukommt. Auf Dauer wird sich das in niedrigeren Gewinnen widerspiegeln und damit in den Aktienkursen, die gerade in den USA vor allem von den Technologiewerten getrieben werden.

Mit fallenden Notierungen wird sich einmal mehr der Druck auf die Notenbanken erhöhen, die die Fehler der Politik ausbügeln sollen. Noch Anfang des Jahres sah es so aus, als ob es zu einer schrittweisen Normalisierung der Geldpolitik kommen sollte. Doch das ist Vergangenheit.

Heute sind wieder Leitzinssenkungen und eine insgesamt lockerere Geldpolitik angesagt. Den Anfang hat die US-Notenbank Fed mit ihrer Zinssenkung gemacht. Andere Zentralbanken sind inzwischen gefolgt.

Währungshüter von Indien über Neuseeland bis Brasilien haben nachgezogen und auf eine expansivere Geldpolitik umgestellt. Im September ist die Europäische Zentralbank dran, in diesem Sinne etwas zu tun und ein Maßnahmepaket zu schnüren.

Unsicherheiten nehmen zu

Damit nicht genug: In den USA wird mit einem weiteren Zinsschritt nach unten um einen viertel Prozentpunkt im September gerechnet, teilweise mit noch mehr. Die Politik wird nicht lockerlassen und die Konjunktur gute Argumente für eine lockere Geldpolitik liefern.

Das alles geschieht in einer Zeit, in der Europa vor Problemen steht. Großbritannien steuert direkt auf einen ungeordneten Ausstieg aus der Europäischen Union Ende Oktober hin. Und in Italien drängt der starke Mann der Regierung, Innenminister Matteo Salvini mit seiner Lega Nord auf Neuwahlen. Unsicherheit über Unsicherheit.

Investoren fällt da die Suche nach der richtigen Anlagepolitik schwer. Gold kommt derzeit als sicherer Hafen wieder in Mode und an ausgewählten Anleihen führt trotz Minizinsen auch kein Weg vorbei.

Ausweichmöglichkeiten bieten sich für Anleger über Investments in Beteiligungs- und Hedgefonds. Wer sein Geld über Jahre hinweg nicht benötigt, der sollte an dividendenstarken, konjunkturresistenten Aktien festhalten, wenngleich in kleinerem Umfang als bisher.

Investoren dürfen nur nicht nervös werden, wenn auf dem Papier vorübergehend hohe Verluste stehen.

Mehr: Das Einreiseverbot Israels gegen zwei US-Abgeordnete ist ein ungewöhnlicher Schritt. Trump persönlich drängte darauf – und hat einen Deutungskampf provoziert.

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